Multitasking – Frauen top, Männer flopp?

Männer und Frauen ticken anders, das ist kein Geheimnis. Viele wissenschaftliche Bereiche beschäftigen sich mit diesem Thema und mindestens genauso viele Klischees gibt es dazu. Ein weitverbreitetes Klischee ist, dass Frauen besser im Multitasking sind und Männer dazu einfach nichts taugen - aber stimmt das wirklich?

Was ist „Multitasking“ eigentlich genau?

Multitasking kommt aus dem Englischen („multi“ = viele, „tasking“ = Erledigen von Aufgaben) und bezieht sich auf die Fähigkeit, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Eigentlich kommt der Begriff aus der Computersprache, da Betriebssysteme und Prozessoren dafür ausgelegt sind, mehrere Dinge gleichzeitig und nicht nacheinander durchzuführen. Der Übergang dieses Konzeptes zum Menschen ist daher nur logisch, denn in unserer modernen Gesellschaft scheint der Computer manchmal ein Teil von uns zu sein.

Im beruflichen Alltag merkt man das ganz besonders. Multitasking wird als positive, wertvolle Fähigkeit angesehen, die den Angestellten effizienter und produktiver macht. Personaler sehen im Multitasking die Vorteile, dass mehr Aufgaben gleichzeitig und dadurch schneller erledigt werden, eine Zeitersparnis erreicht wird und dass Multitasker auch in chaotischen Zeiten und in Stresssituationen produktiv bleiben. Auch führen unsere heutigen Kommunikationsmedien und Elektronikgeräte zu einem fast zwanghaften Multitasking. Fast jeder Deutsche hat ein Smartphone und chattet über Whatsapp, während er nebenbei eigentlich eine andere Aufgabe erledigt. Eine aktuelle Studie hat hierzu ergeben, dass 80% der Deutschen ihr Telefon sogar mit auf die Toilette nehmen, und das stille Örtchen in einen Ort der Kommunikation und Medien verwandeln. Interessant ist dabei, dass Frauen und Männer das Smartphone unterschiedlich einsetzen. Männer kümmern sich auf der Toilette um Geschäftliches, Frauen sind wesentlich kommunikativer, sie chatten und posten in sozialen Netzwerken.

Mütter sind traditionell der Prototyp eines Multitaskers

Baby stillen, am Laptop arbeiten, telefonieren und Essen kochen – das machen Mütter oft alles gleichzeitig und/oder abwechselnd. Hier liegt der Ursprung des Klischees. Denn Frauen in ihrer traditionellen Rolle als Mütter sind nebenbei auch berufstätig und schmeißen den Haushalt. Das alles erfordert Organisation und zeitliches Geschick. Allerdings ist es nicht wahr, dass nur Frauen zu Multitasking fähig sind. Eine schwedische Studie aus dem Jahr 2012 hat ergeben, dass Männer und Frauen gleich gut sind. Der Ansatz der Forscher war, dass dem Multitasking räumliche Vorstellungskraft zugrunde liegt, und diese wurde beim Mann sogar als besser befunden.

Ist Multitasking wirklich eine positive Fähigkeit?

Hinzu kommen in der Wissenschaft ganz andere Fragen auf: Ist Multitasking wirklich sinnvoll? Der Gesetzgeber verbietet das Handy am Steuer und legt damit zugrunde, dass man sich nicht 100%-ig auf zwei Dinge gleichzeitig konzentrieren kann. Telefonieren oder Texten am Steuer ist erwiesenermaßen gefährlich, da es die Aufmerksamkeit vom Straßenverkehr ablenkt. Also werden die gleichzeitigen Aufgaben gar nicht mit gleicher Effizienz erledigt. Es gibt auch Wissenschaftler, die der Meinung sind, dass unser Gehirn nicht zum Multitasking ausgelegt ist beziehungsweise nur begrenzt dazu in der Lage ist, je nachdem, welche Aufgaben zu erledigen sind. Der Philosoph Byung-Chul Han sieht unseren Eifer nach Multitasking negativ, er spricht von einer Müdigkeitsgesellschaft, in der unsere Aufmerksamkeit stets mehreren Dingen gelten muss. Diese stelle seiner Meinung nach keinen Fortschritt für die Zivilisation dar, da wir einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt sind.

Fortschritt oder nicht – das Geschlechterklischee wurde schon vor Jahren widerlegt. Beide Geschlechter können Multitasking, sollten sich aber fragen, in welchem Ausmaß eine Aufgabenflut sinnvoll ist.


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