Wenn Bauplaner versuchen, so ein Projekt wie die Könneritzstraße zu organisieren, dann wird's manchmal kompliziert. Und manchmal geht auch was durch die Lappen. Man will noch unbedingt Verkehr in der Straße behalten, aber der drängelt sich auf knappem Raum. Und ganze Absperrsysteme sorgen dafür, dass gerade das Leben der Schulkinder gefährlich wird. Und so begegneten die Verkehrsplaner mit Beginn der Bauarbeiten einem Phänomen, als wäre es das erste Mal.

Dem Schleichverkehr. Autofahrer, die vorher durch die Könneritzstraße fuhren, suchen sich jetzt auch im Osten des Stadtteils Abkürzungen und Schleichwege.

Das machten die Grünen im April zum Thema im Stadtrat: “Durch die Bauarbeiten in der Könneritzstraße entsteht ein erheblicher Verkehrsdruck mit teilweise unangemessener Geschwindigkeit in den benachbarten Wohngebieten. Auch die Oeserstraße wird zur Umfahrung der Baustelle genutzt. Hier sind allerdings morgens zwischen 7:15 und 8 Uhr sowie ab mittags Grundschulkinder auf dem Weg zur oder von der Schule unterwegs. Zudem sind die Straßenecken zugeparkt und somit die Verkehrssituation für Kinder überhaupt nicht überschaubar. Mit dem Beginn der Bauarbeiten in der Könneritzstraße sind schon viele gefährliche Situationen mit beteiligten Kindern beobachtet worden.”

Und sie mahnten die Bauherren, die Gefährdungen schleunigst zu minimieren: “Es wäre dringend geboten, hier umgehend eine Abhilfe für einen sicheren Schulweg zu schaffen. Dies ist ein exemplarischer, aktueller Fall der verdeutlicht, dass es einer generellen Betrachtung der Schulwege im weiteren Umfeld von längerfristigem Straßenbau bedarf, um die Beeinträchtigungen von Kindern durch Schleichverkehre (was nicht langsam bedeutet) auszuschließen.”

Das Dezernat Stadtentwicklung und Bau hat jetzt seine Sicht der Dinge erläutert. Ampeln im Wohngebiet um die Oeserstraße/Rochlitzstraße, wie von den Grünen gefordert,  will die Stadt nicht aufstellen. Auch Tempo-30-Zonen will sie nicht einrichten.

“Bereits am 24.03.2015 wurde in der AG Schulwegsicherheit diese Thematik behandelt. Die vorhandene Tempo-30-Zone der Straßen im Gebiet zwischen Könneritzstraße und Oeserstraße wurde zunächst als ausreichend eingeschätzt”, teilt das Dezernat dazu mit. “Nach StVO § 45 (1c) sind Tempo-30-Zonen nur in Gebieten mit Fußgänger- und Radverkehrsdichte sowie hohem Querungsbedarf einzurichten. Innerhalb des Gebietes sind Lichtzeichenanlagen jedoch unzulässig.”

Aber man habe in der AG Schulwegsicherheit dennoch einige Maßnahmen abgestimmt, die die Lage entschärfen sollen:

Zum einen habe man einen Mitarbeiter des Kommunalen Eigenbetriebes Leipzig/Engelsdorf (KEE) abgestellt, der als Orientierungshilfe eingesetzt werde. Nach Rücksprache mit der Schule ist die Orientierungshilfe seit Schulbeginn nach den Osterferien von Montag bis Freitag von 7:00 Uhr bis 7:45 Uhr im Einsatz.

Und das Ordnungsamt wurde mit der Messung der Geschwindigkeiten im Bereich Oeserstraße zwischen Schnorrstraße und Stieglitzstraße beauftragt. Im Zeitraum von Donnerstag, 16. April, bis Mittwoch, 22. April, wurde auf beiden Seiten der Oeserstraße gemessen.

Danach betragen Geschwindigkeitsübertretungen in beide Richtungen rund 20 Prozent. Tagsüber wurden Geschwindigkeiten von 15 km/h bis 35 km/h gemessen, betont das Dezernat. Geschwindigkeitsübertretungen über 40 km/h wurden ausschließlich in den Nacht- und Morgenstunden ermittelt. Aber auch 35 km/h sind ziemlich schnell in einem Wohngebiet, in dem Kinder versuchen, die Straße zu überqueren.

Um das Problem zu entschärfen und zum Beispiel auch den LKW-Anteil zu reduzieren, wurde das Verkehrszeichen Z 253 in der Oeserstraße und der Stieglitzstraße angeordnet, so das Planungsdezernent. Für Kraftfahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen ist damit die Durchfahrt untersagt.

 

LED-Tafel in der Oeserstraße - am Wochenende ohne Botschaft. Foto: Ralf Julke
LED-Tafel in der Oeserstraße – am Wochenende ohne Botschaft. Foto: Ralf Julke

Um die Aufmerksamkeit der Fahrzeugführer zu erhöhen, wurde in der Oeserstraße beidseitig jeweils eine LED-Tafel aufgestellt. Diese Tafeln sollen im Wechsel die Verkehrszeichen “Achtung! Gefahrenstelle“ (Z 101) und „Achtung! Kinder“ (Z 136) anzeigen.

Und zur Verbesserung der Sichtbeziehungen für Fußgänger sollen außerdem am Knotenpunkt Oeserstraße/Rochlitzstraße vor der Querung Rochlitzstraße Leitborde aufgestellt werden, die die Straße einengen und das Halten und Parken von Fahrzeugen verhindern.

Und auch bei der generellen Betrachtung von Großbaustellen habe man die Schulwege der Kinder im Blick, betont das Planungsdezernat in seiner Stellungnahme: “Mit der planerischen Vorbereitung von Straßenbauvorhaben erfolgt die Erarbeitung von Umleitungen und Verkehrsführungen während der Bauzeit. Die Schulwegpläne der Stadtbezirke sind Grundlage bei der Erarbeitung von bauzeitlichen Verkehrsführungen und werden bei Diskussionen sowie Festlegungen der Umleitungen und Verkehrsführungen berücksichtigt. Dabei arbeitet das VTA mit dem AfJFB eng zusammen.”

Das VTA ist das Verkehrs- und Tiefbauamt, das AfJFB ist das Amt für Jugend, Familie und Bildung.

Als leuchtendes Beispiel nennt das Planungsdezernat die Baustelle in der “KarLi”: “Positiv für die Zusammenarbeit ist das BV Karl-Liebknecht-Straße anzuführen. Durch den unmittelbaren Kontakt mit dem AfJFB konnten für die Bauphasen im Vorfeld und während der gesamten Bauzeit zufriedenstellende Lösungen erarbeitet werden, wie z. B. FGÜ (Fußgängerüberweg, d. Red.) in der Riemannstraße und die signalisierte Querung in der Karl-Liebknecht-Straße im Bereich zwischen Paul-Gruner-Straße und Schletterstraße.”

Kleine Einschränkung: “Allerdings kann angesichts der personellen Situation des AfJFB sowie der Vielzahl umfassender Baumaßnahmen nur eine priorisierte Einbeziehung des AfJFB erfolgen. Insbesondere werden Baumaßnahmen, die sowohl stadtteilübergreifende Auswirkungen, als auch Einfluss auf eine Verlagerung des Durchgangsverkehrs haben, besprochen.”

Da müssen also die Verantwortlichen aus dem Verkehrs- und Tiefbauamt selber sehen, dass sie die Probleme der Schulkinder mitbedenken. Im Mega-Amt AfJFB ist das Personal knapp.

Der Antrag der Grünen aus dem April.

Die Stellungnahme des Planungsdezernats.

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