So richtig entscheidungsfreudig ist das Leipziger Kulturdezernat nicht mehr. Am 7. Januar war der Zustand des Heinrich-Budde-Hauses in der Lützowstraße in Gohlis Thema im Stadtbezirksbeirat Nord. Was die Beiräte da zu hören bekamen, veranlasste sie dann, einen eigenen Antrag für den Leipziger Stadtrat zu schreiben. „Wichtige Angelegenheit“ heißt das auf dem Verfahrensweg.

Die „Wichtige Angelegenheit“ hat er betitelt mit: „Zukunft des Heinrich-Budde-Hauses als soziokulturelles Zentrum sichern“. Verabschiedet hat sie der Stadtbezirksbeirat auf seiner Sitzung am 3. März.

Der SPD-Ortsverein Nord hatte sich schon vorher zu Wort gemeldet. Jutta Kiesewetter, Vorsitzende der SPD Leipzig-Nord, sagte: „Jeder Monat, der vergeht, ohne dass die Stadtverwaltung handelt, ist ein verlorener Monat für das Heinrich-Budde-Haus als Standort eines kulturellen Stadtteilzentrums in Gohlis. – Bis Juni läuft ein Ausschreibungsverfahren der Stadt, um einen neuen Betreiber für das Heinrich-Budde-Haus zu finden. Unabdingbar für eine zukunftsfeste Nutzung des Hauses ist es aber, dass die Stadt und der zukünftige Betreiber Kenntnis über den kompletten Sanierungsbedarf haben. Sich nur auf die Brandschutzmaßnahmen zu konzentrieren reicht nicht aus, eine komplette Sanierung scheint notwendig. Wir als SPD werden uns auch weiterhin im Stadtteil und im Stadtbezirksbeirat für eine Rettung des Heinrich-Budde-Hauses und einen Erhalt in städtischer Hand einsetzen.“

Es ist also wieder jede Menge Druck im Verfahren.

Auch der CDU-Ortsverband Leipzig-Nord hat sich in einem Vor-Ort-Termin ein aktuelles Bild zum Zustand und zur Nutzung des Budde-Hauses gemacht.

„Wir sehen die besondere architektonische und historische Bedeutung dieses Denkmals im Leipziger Norden und setzen uns für deren Erhalt ein“, erklärte der Ortsvereins-Vorsitzende Wolf-Dietrich Rost nach Besichtigung der ehemaligen Bleichertschen Villa.

Derzeit ist ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren für den Betrieb der Villa ab dem Jahr 2017 ausgeschrieben, zu dem sich bis zum 30. Juni noch potenzielle Bewerber melden können. Aber wer soll da Interesse bekunden, wenn der Zustand des Hauses Sorgen bereitet?

„Wenn sich die Stadt Leipzig für den Erhalt des Hauses in seiner bisherigen Konzeption einsetzt, dann müssen dafür auch die entsprechenden Mittel zur Brandschutzertüchtigung und Unterhaltung des Hauses in den Haushalt eingestellt werden“, forderte Rost.

Nach der Formulierung der „Wichtigen Angelegenheit“ war jetzt eigentlich ein Gespräch zwischen Stadtbezirksbeirat und Kulturausschuss dran.

Doch am Freitag, 15. April, entschied die Stadtverwaltung, die für diesen Tag anberaumte Diskussion des Stadtbezirksbeirates Nord mit dem Kulturausschuss vorerst zu verschieben. In dringlicher Angelegenheit sollte dort eigentlich über die Sanierung des Heinrich-Budde-Hauses beraten werden.

„Mit Verwunderung müssen wir feststellen, dass die Verwaltung immer noch keine Stellungnahme zur Angelegenheit des Stadtbezirksbeirates hat“, kommentierte das nun am Samstag der Vorsitzende des Bürgervereins Gohlis, Peter Niemann. „Schließlich läuft die Diskussion um die Zukunft des Heinrich-Budde-Hauses schon seit Jahren. Wir vertrauen darauf, dass die Verwaltung eine für die Bürger und Bürgerinnen des Stadtteils zufriedenstellende Lösung finden wird. Wir begrüßen es daher, dass Herr Faber als zuständiger Bürgermeister für Kultur am 4. Mai im Stadtbezirksbeirat Nord Rede und Antwort stehen wird. So besteht die Möglichkeit, dem Kulturbürgermeister die Ergebnisse unseres Bürgerforums zur Zukunft des Budde-Hauses zu übergeben.“

Denn auf Grundlage eines öffentlichen Bürgerforums, das am 19. Januar unter Beteiligung lokaler Akteure und des Kulturamtes stattfand, hat der Bürgerverein ein eigenes Positionspapier zur Zukunft des Heinrich-Budde-Hauses verfasst.

Anlass für die Veranstaltung war das anhaltende hohe Interesse von Stadtteilbewohnern an dem geschichtsträchtigen Gebäude sowie das bereits laufende Interessenbekundungsverfahren.

„Als langjährig im Stadtteil tätige Akteure war es uns ein besonderes Anliegen, den Bürgerwillen hinsichtlich einer kulturellen Nutzung des Budde-Hauses zu eruieren und festzuhalten“, betont Niemann.

Das Positionspapier des Bürgervereins Gohlis.

Die „Wichtige Angelegenheit“ des Stadtbezirksbeirats Nord.

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