So recht einverstanden war L-IZ-Leser Frank Schott nicht am Freitag, 30. Januar, mit dem Beitrag "In Sachsen war es zu warm und zu trocken – Grüne fordern ein Klimaschutzgesetz". Immerhin hatten jetzt auch das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der Deutsche Wetterdienst offiziell darauf hingewiesen, dass 2014 ein überdurchschnittlich warmes Jahr war. Aber so ganz gefielen Frank Schott die Zahlen nicht.

“Werfen wir mal einen Blick zurück”, schrieb er.

Und listete auf:

“2012 war ein eher kühles Jahr.
(http://www.leipzig-wetter.de/Statistiken/2012/Statistik2012.html)

2013 war ein eher kühles Jahr.
(http://www.leipzig-wetter.de/Statistiken/2013/Statistik2013.html)

2014 war nun ein recht warmes Jahr. Also ein Klimawandel binnen eines Jahres? Und das hat die CDU-Regierung zu verantworten? Ich bin kein Experte – aber gibt es nicht einen Unterschied zwischen Klima und Wetter?”

Ende des Leserbriefs.

Auch leipzig-wetter.de verwies in den von ihm zitierten Beiträgen darauf, dass sowohl 2012 als auch 2013 zu warme Jahre waren. “Ein deutlich zu warmes Jahr (Platz 29 seit 1901), mit unbedeutenden Überschuss Regen (+22l) und wieder viel Sonne”, heißt es da zum Beispiel zu 2012.”

Und zu 2013: “Der DWD stellt in seiner Presseinfo für Sachsen für das Jahr fest: “Sachsen war im Jahr 2013 mit 8,5°C (8,1°C) ein vergleichsweise kühles Bundesland. Beim Niederschlag erreichte es mit 787 l/m² (699 l/m²) 113 Prozent, beim Sonnenschein mit 1 484 Stunden (1 549 Stunden) 96 Prozent des Klimawertes.”

Wir sind auch keine Experten. Aber wir setzen uns für gewöhnlich bei solchen Meldungen hin und versuchen sie einzuordnen. Denn begründen, dass ein Jahr zu warm war, kann man nur, wenn man die Vergleichswerte kennt. Worauf bezieht sich das alles?

Bei Jahresmitteltemperaturen geht es um sogenannte Referenzzeiträume – also um gemessene Durchschnittstemperaturen über längere Zeiträume hinweg – in der Regel Jahrzehnte.

Die beiden vom Deutschen Wetterdienst (DWD) und in Folge auch von leipzig-wetter.de verwendeten Vergleiche für 2012 und 2013 beziehen sich auf den Referenzzeitraum 1961 bis 1990.

Für diesen Zeitraum wurde für Sachsen eine Jahresdurchschnitttemperatur von 8,1 °C ermittelt. Das ist die Messlatte. Und nicht nur 2012 lag drüber mit 8,9 °C, sondern auch 2013 mit 8,5 °C. Etwas anders sieht es aus, wenn man einen anderen Referenzzeitraum nimmt. Etwa den für 1981 bis 2010. Da lag die Durchschnittstemperatur für Sachsen bei 8,7 °C. Aber dieser Zeitraum umfasst schon einige der wärmsten in Sachsen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessenen Jahre: Dazu gehören die Jahre 1990, 1997, 1999 und 2000.

Was dann auch bei den Durchschnittstemperaturen der einzelnen Jahrzehnte ins Auge fällt.

Seit den 1960er Jahren steigen die Durchschnittstemperaturen in Sachsen

1961 bis 1970 lag die ermittelte Durchschnittstemperatur in Sachsen bei 7,9 °C. 1971 bis 1980 waren es schon 8,1 °C, 1981 bis 1990 dann 8,4 °C, 1991 bis 2000 waren es 8,7 °C und 2001 bis 2010 dann 8,9 °C.

Der Prozess der allmählichen Erwärmung ist in Sachsen also seit über 50 Jahren zu beobachten. Ob ein einzelnes Jahr da mal drüber oder drunter geht, spielt eher eine untergeordnete Rolle. Aber – siehe oben – die Jahre 2012 und 2013 sind eben nicht unter den gültigen Vergleichswert von 8,1 °C gefallen, sie waren also auch wärmer als der Vergleichsdurchschnitt.

Und natürlich steht auch nichts drin im Beitrag, dass die CDU an der Klimaerwärmung schuld sei. Aber eindeutig trägt die massive Verbrennung fossiler Brennstoffe weltweit zur Erwärmung bei. Und dazu trug auch die im 20. Jahrhundert in Sachsen forcierte Braunkohleverbrennung bei.

Seit 1990 ist es spürbar wärmer – auch in Leipzig

Jede Region hat übrigens ihren eigenen Vergleichswert, was die Lufttemperaturen betrift. Das liegt schon allein an den geografischen Gegebenheiten. In den sächsischen Mittelgebirgen ist es naturgemäß etwas kühler als etwa in der Leipziger Tieflandsbucht.

Der Referenzwert für Leipzig bei den jährlichen Temperaturvergleichen liegt bei 8,8 °C.

Und auch  hier kann man die entsprechenden Zahlen (zum Beispiel im “Statistischen Jahrbuch”) finden.

2012 taucht in der Bilanz zum Beispiel mit 9,9 °C auf – das waren 1,1 Grad mehr als der Referenzwert.

2013 war es mit 9,3 °C etwas kühler, der Wert lag aber trotzdem noch 0,5 Grad überm langjährigen Mittel. Und das trotz des extrem langen Winters, der erst im April endete.

Das Jahr 2014 fällt dadurch auf, dass es auch noch deutlich über diesen Werten liegt. Sachsen kam auf 10,3 °C, was 2,1 Grad überm langjährigen Mittel lag.

Leipzig kam auf 10,9 °C, was ebenfalls 2,1 Grad überm langjährigen Mittel lag. Und das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie fand diese Entwicklung auch deshalb wichtig, weil sie vor allem für die wichtigen landwirtschaftlichen Gebiete im sächsischen Tiefland einen deutlichen Rückgang der Niederschlagsmenge bedeutete.

Fakt aber ist: Nur im Vergleich mit den seit 1990 gemessenen Durchschnittstemperaturen waren 2012 und 2013 “relativ kühl”. Tatsächlich fügten sie sich nahtlos in den allmählichen Temperaturanstieg seit Mitte des 20. Jahrhunderts ein.

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