2. Sächsischer Wanderungsbericht

Aussagen der jungen Sachsen sind eine Ohrfeige für die sächsische Landespolitik der letzten Jahre

Für alle LeserWarum haben Politiker in Sachsen nur diese seltsame Not, sich fortwährend bescheinigen zu lassen, wie gut sich die Menschen unter ihrer Regierung fühlen? Ist das nur Eitelkeit? Oder steckt dahinter eine bewusste Schönfärberei? Denn wenn die Leute sagen, dass sie sich wohlfühlen, dann muss doch die eigene Politik geradezu genial sein? Diesmal ging es um die Zuwanderung nach Sachsen – die diese Regierung so eigentlich nicht gewollt hat.

Trotzdem vermeldet das Statistische Landesamt: „Das Statistische Landesamt des Freistaates Sachsen hat im Auftrag der Sächsischen Staatskanzlei in der 2. Sächsischen Wanderungsanalyse die Zu- und Fortzüge von und nach Sachsen sowie innerhalb Sachsens untersucht. Die mit Wanderungen verbundenen Beweggründe, Erwartungen, Erfahrungen und künftigen Absichten wurden in zwei Befragungen beleuchtet. Dabei wurden im Jahr 2016 zum einen ‚Junge Sachsen‘ (16- bis unter 20-Jährige) und zum anderen ‚Nach Sachsen Zugezogene‘ (20-bis unter 65-Jährige) befragt. Insgesamt geben die Befragungen ein positives Meinungs- und Stimmungsbild wieder, jedoch mit deutlichen Unterschieden zwischen einzelnen Befragungsgruppen.“

Aber immer wieder lassen sie fragen: Bist du zufrieden?

Als stünde dahinter irgendeine politische Strategie, irgendein Projekt, in dem ein kluger Minister daran arbeitet, den Freistaat attraktiver für junge Leute zu machen.

Eine solche Strategie gibt es aber nicht.

Im Gegenteil. Seit Jahren dominiert eine Demografie-Politik, die den Freistaat als eine abgeschottete Insel betrachtet, deren Bewohner immer älter werden und nach und nach aussterben. Was auch ein wenig mit der 1. Sächsischen Wanderungsanalyse zu tun hat. Die wurde vor 15 Jahren erstellt. „Dieses Projekt stand damals unter dem Vorzeichen, dass seit der ‚Wende‘ im Jahr 1989 eine große Zahl von Menschen aus Ostdeutschland und damit auch aus Sachsen in die alten Bundesländer umgezogen war“, formuliert das statistische Landesamt.

Das Problem ist: Es war ein denkbar ungünstiges Jahr. Deutschland steckte tief in einer Depression, die Arbeitslosenzahlen waren hoch, der Aufholprozess im Osten war jäh abgebrochen. Aber keiner der Trends, die die nächsten Jahre bestimmen würden, war schon sichtbar. Ahnbar schon. Das Dümmste also, was man tun konnte, war die Entwicklung der 1990er Jahre in die Zukunft fortzuschreiben und die Politik darauf aufzubauen. Aber genau das ist passiert.

Das einzige positive Moment, auf das man auch nach „König Kurts“ Zeiten setze, war ein verschwommener Heimatbegriff. Und man glaubt tatsächlich auch im Jahr 2017 noch, dass das ein er der Gründe dafür ist, dass junge Leute im Land bleiben und sich hier wohlfühlen.

„Mehr als drei Viertel der sachsenweit befragten ‚Jungen Sachsen‘ sind mit ihrem Leben ‚vollkommen‘ oder ‚eher zufrieden‘“, schreiben die Statistiker in ihrer Zusammenfassung. „Ein stabiles soziales Lebensumfeld aus Eltern und Freunden sowie eine feste Bindung an die Heimatregion tragen dazu bei, dass sich nahezu 80 Prozent der Jugendlichen in Sachsen wohlfühlen. Somit verwundert es nicht, dass die Zahl der Fortzüge über die Landesgrenze von 16- bis unter 20-Jährigen derzeit auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren ist.“

Das ist ein falscher Schluss. Ein Gefälligkeitsschluss für eine Regierung, die in Wirklichkeit nichts dafür getan hat, dass sich junge Leute in ihrer „Heimat“ wohlfühlen. Denn in Wirklichkeit verlassen die meisten immer noch ihre Heimat. Nur müssen sie seit ungefähr fünf Jahren nicht mehr das Bundesland verlassen. Was nichts mit Heimatgefühlen zu tun hat, sondern mit der simplen Tatsache, dass seit 2010 das Arbeitsplatzangebot in Sachsen die Zahl der Schulabsolventen übersteigt. Die jungen Leute sind ja ab 1991 nicht alle in den Westen gezogen, weil ihnen ihr „Heimatland“ nicht mehr gefiel, sondern weil sie hier schlicht keine Ausbildungs- und Arbeitsplätze fanden.

In eingeschränkter Form gilt das noch immer. Und das ist eigentlich alarmierend. Aber dazu kommen wir noch.

Der Druck, den Heimatort zu verlassen, ist noch immer da. Da hilft alles Heimat-Eiapopeia nichts. Im Gegenteil: Die Staatsregierung hat dazu kein einziges Heilmittel gefunden, eher das Gegenteil: Sie hat mit der Ausdünnung sämtlicher Infrastrukturen dafür gesorgt, dass junge Leute in den ländlichen Räumen keine Zukunft mehr für sich sehen.

Und das gibt es im Wanderungsbericht schwarz auf weiß: „Die Befragungsergebnisse machen darüber hinaus deutlich, dass die ‚Jungen Sachsen‘ die Möglichkeiten von Infrastruktur und Freizeitangeboten vor Ort wenig zufriedenstellend bewerten.“

„Heimat“ ist eben mehr als nur eine hübsche Landschaft. Dazu gehören ein paar Dinge, die man zwingend für ein Leben braucht – vom Arzt über den Bäcker bis zur Kita, zur Schule, der Sparkasse und dem Bürgeramt um die Ecke. Nicht irgendwo in einem immer riesiger aufgeblähten Landkreis, sondern so, dass man alles problemlos im Tagesablauf unterkriegt. Dazu noch ordentliche ÖPNV-Anbindungen, dann wäre schon fast die Hälfte geschafft. Aber genau das hat die sächsische Regierung seit über zehn Jahren ignoriert und tatenlos zugeschaut, was dann passierte.

„Rund 70 Prozent der 16- bis 19-Jährigen, die bereits Vorstellungen über ihren künftigen Wohnort haben, würden diesen in einer Großstadt, hauptsächlich in Leipzig oder Dresden, wählen“, heißt es jetzt im Wanderungsbericht. „Die Unzufriedenheit mit der lokalen Infrastruktur und den Freizeitmöglichkeiten vor Ort, insbesondere in Gemeinden unter 100.000 Einwohnern, könnte dazu führen, dass ‚Junge Sachsen‘, wenn sie konkrete Vorstellungen über einen kurz- oder langfristigen Wohnortwechsel innerhalb Sachsens  haben, zu mehr als 70 Prozent einen Wohnort in einer Großstadt anstreben.“

Da hilft alles Tamtam um Heimatgefühle nichts. Wenn junge Menschen ihre Berufskarriere beginnen und eine Familie gründen wollen, dann brauchen sie belastbare Infrastrukturen.

„Für die meisten ‚Jungen Sachsen‘ sind eine gute sowie vielseitige Bildung und Ausbildung wichtig“, formulieren es die Statistiker. „Sie wünschen sich einen Beruf mit selbstbestimmten, nützlichen und erfüllenden Tätigkeiten. Der Arbeitsplatz soll sicher sein. Ein hohes Einkommen oder die eigene Karriere haben hingegen für viele 16- bis unter  20-Jährige einen geringeren Stellenwert.“ Selbstbestimmt, nützlich und erfüllend.

Deutlicher kann man gar nicht sagen, wie zentral eine selbstbestimmte Berufswahl für die Identifikation (junger) Menschen ist.

An der Stelle hat sich zumindest seit 2010 etwas geändert: Die jungen Leute müssen diese Art Arbeit nicht mehr im fernen Westen suchen.

„Ihre Erwartungen an eine gute Ausbildung und einen erfolgreichen Berufseinstieg sehen vor allem Auszubildende in Sachsen weitestgehend als erfüllbar an. Nahezu drei Viertel von ihnen schätzen ihre beruflichen Möglichkeiten in Sachsen zuversichtlich ein“, heißt es im Bericht.

Und jetzt kommen wir zum Aber: Denn je höher der Bildungsgrad, umso eher neigen junge Leute dann doch zur Abwanderung.

„Die Befunde der Befragung deuten jedoch auch darauf hin, dass bei den Jugendlichen mit höherem schulischen Abschluss die Bewertung der beruflichen Zukunft kritischer  ausfällt. Die Wahrnehmung nicht entsprechender Studienmöglichkeiten und Arbeitsplatzperspektiven führen insbesondere bei qualifizierten jungen Menschen dazu, dass sie die Möglichkeit in Betracht ziehen, ihre persönlichen Ziele außerhalb von Sachsen zu realisieren. Rund 29 Prozent der befragten ‚Jungen  Sachsen‘, insbesondere Abiturienten und Studenten, würden für bessere berufliche Zukunftsaussichten den Freistaat verlassen.“

Sie tun es übrigens auch, was Sachsens Kultusministerin erfahren musste, als sie kurzerhand mal wieder junge Lehramtsabsolventen einstellen wollte: um Jahre zu spät. Die jungen Leute hatten sich längst in anderen Bundesländern beworben und waren dort mit Kusshand genommen worden. Und dieselbe Erfahrung machen derzeit die Kommunen, die verzweifelt qualifiziertes Personal – zum Beispiel für ihre Planungsabteilungen – suchen. Um hochqualifizierte junge Menschen ist ein regelrechter Wettbewerb ausgebrochen. Und Sachsen mit seiner miserablen Personalpolitik hat dabei ganz schlechte Karten.

Natürlich kommen mittlerweile auch wieder Sachsen zurück, die notgedrungen in den Vorjahren weggezogen sind.

„Einer von vier Zugezogenen wurde ursprünglich in Sachsen geboren und kehrte nun wieder in den Freistaat zurück“, heißt es im Bericht. „Die Mehrheit von ihnen (73,9 Prozent) sind Arbeitsmigranten. Nahezu 15 Prozent sind Familienmigranten und 11 Prozent der sächsischen Rückkehrer sind Bildungsmigranten. Unter den deutschen Arbeitsmigranten beträgt der Anteil der sächsischen Rückkehrer 37,0 Prozent. Bei den deutschen Familienmigranten sind es 41 Prozent. Unter den deutschen Bildungsmigranten sind nur 9,4 Prozent sächsische Rückkehrer.“

Und da steht der zweite Grund für das Aber: Wer wegen der Ausbildung oder des Studiums weggegangen ist, der kommt kaum zurück, denn der baut sich ja Karriere und Familie dort auf, wo er seinen Einstieg ins Berufsleben schafft. Der fängt gar nicht erst an, über ein süßliches Heimatgefühl nachzudenken.

Am stärksten ist der Rückkehrwillen natürlich bei den Menschen, die der Arbeit wegen weggegangen sind. Die sind schon froh, wenn sie in Sachsen wieder eine auskömmlich bezahlte Arbeit finden.

„Arbeitsmigranten sind vor allem im Dienstleistungsbereich beschäftigt. Lediglich 10,8 Prozent arbeiten im produzierenden oder verarbeitenden Gewerbe. Die Mehrheit (73,0 Prozent) schätzt ein, dass sich ihre berufliche Situation in Sachsen verbessert hat bzw. gleichgeblieben ist“, heißt es im Bericht. „Ein Fünftel der Arbeitsmigranten ist jedoch mit der Höhe seines Einkommens unzufrieden. Darunter auch ein Großteil sächsischer Rückkehrer. Dieser berufliche Nachteil wird offensichtlich bewusst in Kauf genommen, da die sozialen Beweggründe für eine Rückkehr nach Sachsen ein stärkeres Gewicht hatten.“

Es sind übrigens auch diese „sozialen Beweggründe“, die vor allem das Dableiben der jungen Leute beeinflussen. Da geht es um soziale Netzwerke, um Freunde, Partner und Verwandte. Die „Heimatregion“ kommt erst deutlich dahinter. Wenn es aber ums Wegziehen geht, spielen ganz knallharte Basiszutaten die Hauptrolle: Einkommen, Arbeitsplatz, Studienplatz, Aufstiegschancen …

Wobei auch angemerkt werden muss, dass das alles den Einwohnerverlust von Sachsen zwar bremsen, aber nicht beenden würde. Seit 2015 wächst Sachsen ja wieder. Aber das passiert vor allem durch Zuwanderung aus dem Ausland. Aber auch durch Zuwanderung aus den anderen Neuen Bundesländern. Aber diese Zuzügler wandern auch nicht ins Ländliche, sondern bevorzugen die Kreisfreien Städte. Auch sie suchen intakte und dichte Infrastrukturen. Auch in ihren Bundesländern wurden ganz ähnliche Fehler gemacht, hat sich nicht wirklich eine Landesregierung bemüßigt gefühlt, die Ursachen für die Wanderungen zu begreifen und klug gegenzusteuern.

Eine Ausnahme ist es garantiert nicht, wenn „81 Prozent der sächsischen Bevölkerung in Sachsen geboren wurden und eine starke Bindung an ihre Heimatregion haben“. Man möchte glatt drauf wetten, dass es anderswo in der Welt genauso ist. Erst wenn die harten Entscheidungen anstehen, wenn es um Arbeit, Einkommen und stabile Lebensverhältnisse geht, dann kommt die Wanderung in Erwägung. Aber genau dann beginnt auch der berühmte „Wettbewerb der Regionen“ – nämlich um junge, kluge Köpfe.

Sachsen ist in diesen Wettbewerb noch nicht wirklich ernsthaft eingestiegen.

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