Wahlarena der L-IZ.de & LZ zur Bundestagswahl 2017

#BTW17 Die Kandidaten stellen sich vor: Dr. Jens Katzek (SPD)

Für alle LeserMit Start im März 2017 stellt die L-IZ.de gemeinsam mit der LEIPZIGER ZEITUNG die Direktkandidaten der Parteien in den Wahlkreisen (WK) 152 (Leipzig I, Leipzig-Nord) und 153 (Leipzig II, Leipzig-Süd) vor. Drei Fragen wurden dazu an die Kandidaten versandt. In der Folge haben alle Leser und Leipziger die Möglichkeit, ihre eigenen Fragen an die Kandidaten zu richten, welche die Kandidaten in der Folge nach Themen sortiert beantworten werden. Hier also die Grundvorstellung des Kandidaten der SPD, Dr. Jens Katzek (WK Süd, Leipzig II, 153).
Artikelserie "BTW17" - Teil 4 von 14

Herr Dr. Katzek, was halten Sie für das größte Problem in der heutigen Gesellschaft und wie wäre es zu lösen?

Dass der Respekt vor dem Einzelnen und seiner Lebensleistung immer geringer wird, halte ich für eines der zentralen Probleme. Der Ton in unserer Gesellschaft ist rauer geworden. Menschen werden ausgegrenzt und herabgewürdigt, weil sie anders sind oder weil es schlicht den eigenen Interessen nützt. Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung, Bildungsgrad oder Einkommen passiert auch in Deutschland jeden Tag.

Ich will Gesetze, die den Menschen die Möglichkeit geben ihr Leben nach eigenen Wünschen und Möglichkeiten zu gestalten. Denn die Freiheit und die Möglichkeiten zu haben, um genau dies zu tun, treibt viele von uns um.

Den Menschen in dieser Form stärker in den Mittelpunkt unserer Politik zu stellen, macht sich rasch an ganz knallharten Politikfeldern fest. Wie sieht es z.B. beim Thema Rückkehrrecht in die Vollzeitbeschäftigung für diejenigen aus, die für eine begrenzte Zeit teilzeitbeschäftigt sein mussten oder wollten? Wie mit variablen Möglichkeiten für Homeoffice-Arbeit, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern?

Freiheit hat aber auch viel mit Sicherheit zu tun: Die Polizei muss deshalb ordentlich arbeiten können. Ich will nicht nur, dass die Arbeit der Polizei mehr Wertschätzung erfährt; sie braucht auch die besten Werkzeuge. Ich will deshalb mehr Überwachungskameras erlauben. Ich will außerdem mehr Richter und Staatsanwälte beschäftigen, damit die Strafverfolgung funktioniert.

Was glauben Sie in Berlin speziell für Leipziger Belange tun zu können?

Leipzig steht als wachsende Stadt in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen. Mehr Kinder benötigen einen Schulplatz. Mehr Familien suchen bezahlbaren Wohnraum. Mehr Menschen brauchen sichere und gerecht bezahlte Arbeit. Als Abgeordneter des Bundestages werde ich mich dafür einsetzen, dass Leipzig auch in den nächsten Jahren 20 Mio. € durch den Bund für den sozialen Wohnungsbau erhält, und dass die Bundesmittel für den Bau und die Renovierung von Kindergärten erhöht werden.

Ich will mich aber auch für die Wirtschaft einsetzen – denn nur eine starke, innovative Wirtschaft kann gute Löhne für gute Arbeit zahlen. Dazu gehört die Unterstützung der Elektromobilität genauso wie der Bürokratieabbau für Handwerker und Kleinunternehmen, von denen wir immerhin fast 12.000 haben. Die meisten davon sind Kleinbetriebe mit 1-5 Mitarbeitern. Dazu gehört die Bäckerei genauso wie der Künstler aus Plagwitz. Ich will, dass neue Gesetze stärker darauf geprüft werden, welche Auswirkungen sie gerade auf solche Unternehmen haben.

Leipzig muss als Innovationsstandort gefördert werden. Deshalb will ich mich dafür einsetzen, dass ein eigenes Forschungsinstitut gegründet wird, das sich mit Fragen der Nutzung der Elektromobilität und Batterieforschung beschäftigt. Ein solches Institut wäre eine zukunftsorientierte Ergänzung der hervorragenden Wissenschaftsstruktur in unserer Stadt.

Den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen, heißt auch, sich fortbilden zu können. Ich will, dass die Agentur für Arbeit in Leipzig ihr Projekt zur Fortbildung und Qualifizierung erfolgreich abschließt und dann ausbauen kann.

Wie stehen Sie selbst zur Demokratie derzeit in Deutschland – gibt es hier Veränderungsbedarf?

Deutschland hat weltweit den Ruf als eine starke Demokratie. Die Menschen beneiden uns um unsere Freiheiten und Rechte. Sie sehen Deutschland durchaus auch als eine Art Vorbild. Gleichzeitig haben wir gefährliche Entwicklungen zu verzeichnen. Im Jahr 2016 stieg die Zahl der Anschläge mit ausländerfeindlichem Hintergrund in Deutschland auf ein Rekordhoch. Die freie Presse wird offen als Lügenpresse verunglimpft und Fahrzeuge der Polizei werden in Brand gesteckt. Demokratische Volksvertreter werden aggressiv angepöbelt und attackiert.

Für mich ist Leipzig immer auch ein Ort der Demokratie. Denn hier haben sich die Menschen 1989 entschieden, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und für Demokratie zu streiten. Auch damals war die Zukunft ungewiss und die Herausforderungen riesig. Die Leipzigerinnen und Leipziger wussten jedoch, dass sie keine andere Zukunft akzeptieren würden als diejenige, die ihnen ihre Grundwerte von Freiheit und Gerechtigkeit garantiert.

Ich bin davon überzeugt, dass es in Deutschland eine große Mehrheit gibt, die genauso denkt. Bei allen Schwächen und Herausforderungen: Unser Land ist eine stolze Demokratie mit stolzen Demokraten.

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Zeitungsarchiv. Foto: Ralf Julke

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