Diesmal hat es nicht Sachsen und Leipzig betroffen, sondern vor allem den Harz und Niedersachsen. Tagelang hielten Starkregenfälle und Überschwemmungen in ihrem Gefolge das mittlere Deutschland in Atem. Vorher haben Starkregenfälle immer wieder Straßen in Berlin unter Wasser gesetzt. Natürlich sind das die Folgen des Klimawandels. Und Leipzig wird damit künftig auch immer häufiger zu tun bekommen.

Was der zuständige Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal sogar weiß. 2016 ließ er extra eine 36-seitige Broschüre veröffentlichen, die beschreibt, was mit dem Klimawandel alles auf Leipzig zukommt und wie sich die Stadt daran anpassen muss. Die entsprechende Homepage zum Klimawandel der Stadt betont zwar, dass Anpassungsstrategien an den Klimawandel keine kommunale Pflichtaufgabe sind.

Aber das spiegelt nur den immer wieder ausgebremsten Prozess politischer Ehrlichkeit wider. Gerade auch in aller Banalität mit der Dieselaffäre beobachtbar: Alle wissen, wie schädlich die alten Technologien sind – aber statt das Notwendige zur Umstellung zu tun, macht der zuständige Minister Politik für die großen Konzerne.

Und Klimawandel? Selbst der Freistaat Sachsen hat das Thema auf dem Bildschirm. Regelmäßig verkündet auch der „Umweltminister“, dass Sachsens Wälder, Flüsse und Landwirtschaft dem Klimawandel angepasst werden müssen – aber es passiert nicht. Man duckt sich weg und knickt vor alten Lobbys ein, die ihre Pfründe verteidigen, obwohl auch ihnen die Existenz unterm Hintern weggeschwemmt wird, wenn die immer häufigeren Starkregen übers Land kommen oder zunehmende Trockenheit die Ernten und die Wälder gefährdet.

Und Leipzig?

Mit Freiwilligkeit hat die Anpassung der Stadt an absehbare Extremwetterereignisse nichts mehr zu tun. Wenn Leipzig für ihre Bürger lebbar bleiben soll, muss jetzt gehandelt werden.

Doch noch immer ist Vieles noch reine Absichtserklärung, kritisieren die Grünen: Die aktuellen Starkregenereignisse sollten auch die Stadt Leipzig sorgen. Obwohl diese von den höchsten Regenmengen aktuell gar nicht betroffen war, kam es auch hier zu Überflutungen und vollgelaufenen Kellern. Klimasimulationen legen zudem nahe, dass solche Unwetterlagen künftig noch häufiger vorkommen dürften. Leipzig als wachsende Stadt stehe hier vor besonderen Herausforderungen. Eine zunehmende Versiegelung von Flächen und der Rückgang des Baumbestandes in der Stadt vergrößern aktuell das Problem.

Dabei steht auch in Rosenthals Broschüre, dass der Klimawandel auch beim Städtebau zwingend mitgeplant werden muss. Da geht es um Hitzeentlastung von Stadtquartieren, um Straßenbäume und Ersatzpflanzungen, aber auch die Berücksichtigung eines „klimawandelangepassten Regenwassermanagement bei allen Planungen, Sanierungen und Bauten (z. B. durch Regenwasserversickerung, -speicherung, Dachbegrünung, Fließgewässerrenaturierung)“.

Nicht genug, findet Stefanie Gruner, Sprecherin des Grünen-Kreisverbandes.

„Eine wassersensible Stadtplanung sollte mehr Flächen ausweisen, die im Notfall überflutet werden können, ohne dass große Schäden entstehen. Neben Rückhalteräumen und Grünanlagen sollte der Fokus auch auf Gründächer gelegt werden. Diese verzögern bei Starkregen die Wasserweiterleitung und strecken somit den Zeitraum, in dem das Wasser abfließt“, benennt sie ein paar Punkte, die zwar immer wieder diskutiert werden, aber nur sehr zögerlich auch umgesetzt werden. „Unversiegelte Böden, aber auch Gründächer, saugen Wasser wie ein Schwamm auf. Zudem könnten beispielsweise tiefergelegte Flächen in Parkanlagen als Rückhalteflächen angelegt und genutzt werden. Auch die wasserspeichernde Funktion von Stadtbäumen und auch des Auwaldes muss in einer Strategie zur Klimaanpassung berücksichtigt werden.“

Womit sie dann ein Thema anspricht, das in den Leipziger Klimaschutzkonzeptionen gar nicht vorkommt: Die Revitalisierung des Auenwaldes, der heute schon zu wenig Wasser hat, weil er vom Flusssystem abgeschnitten ist.

„Allerdings nützen die besten Strategien nichts, wenn sie nicht umgesetzt werden“, sagt Stefanie Gruner. „Die Stadt Leipzig hat zwar vor etwa einem Jahr eine Broschüre herausgegeben, die einen bunten Blumenstrauß von möglichen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Klimawandel beschreibt. Aber nicht nur, dass Maßnahmen gegen den Klimawandel an sich und Maßnahmen zur Anpassung an denselben vermischt werden. Es bleibt auch vieles im Unklaren“, benennt sie das Hauptproblem der Broschüre.

Sie zeichnet keine Konsequenzen auf, bleibt auch bei stadtübergreifenden Themen im „freiwilligen“ Bereich.

„Es müssen jedoch konkrete Maßnahmen in der Realität angegangen werden. Für die Gründächer gibt es noch nicht einmal eine schriftliche Strategie, obwohl die Erstellung einer solchen bis Ende 2016 vom Stadtrat beschlossen wurde. Sie lässt seit Monaten auf sich warten, wie die Grüne Fraktion bereits vor Wochen angemahnt hat“, kritisiert Gruner. „Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist Daseinsvorsorge. Sie ist genauso wichtig wie Klimaschutz. Anpassungsprojekte in den Kommunen können zudem auch vom Bund gefördert werden. Diese Möglichkeit sollte verstärkt geprüft werden. Insbesondere bei kommunalen Neubauten und Sanierungen, etwa bei Schulen und Kindergärten, sollten Gründächer eine größere Rolle spielen.“

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