Artikel zum Schlagwort Rezensionen

Ein Streitgespräch wird 20 Jahre alt

Wie trübselig wird ein Land, wenn die intellektuellen Debatten verschwinden?

Foto: Ralf Julke

Dieses Büchlein ist schon 19 Jahre alt, das Streitgespräch, dem es sich widmet, jährt sich zur diesjährigen Buchmesse zum 20. Mal. Doch das Thema, um das es kreist, ist so aktuell wie an jenem 23. März 1997, als der Verleger Joachim Jahns im academixer-Keller die beiden Schriftsteller Gerhard Zwerenz und Hermann Kant zum Zwiegespräch bringen konnte. Man wagt kaum noch Streitgespräch zu schreiben, weil selbst die deutsche Streitkultur sich in Luft aufgelöst hat. Anmelden und weiterlesen.

Mit mitleidlosen Propheten fing alles an

Wie der religiöse Extremismus in die Bibel und in die Welt kam

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs gibt Bücher zum Luther-Jahr, die passen natürlich nicht ins Konzept. Weil sie den religiösen Kitsch hinterfragen, wie Heinz-Werner Kubitza es nennt, der mit diesem Buch sein drittes vorlegt, das die Abwege der Weltreligionen(en) analysiert. Denn alles hat einen Anfang, auch der religiöse Extremismus. Was heute die Bildschirme mit Grauen erfüllt, begann vor 2.600 Jahren in einem kleinen Land im Nahen Osten. Weiterlesen.

Die Camouflage der Demokratiefeinde

Wie Deutschlands Rechtsextreme Sprache und Mythos als Tarnung benutzen

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Prof. Georg Schuppener ist Germanist an der Universität Leipzig. Intensiv beschäftigt er sich mit der Sprache der deutschen Rechtsextremisten. Ein hochaktuelles Thema – nicht so sehr wegen der Verhandlung über das NPD-Verbot. Sondern wegen der Folgen für eine Gesellschaft, in der trojanischer Sprachgebrauch die gesellschaftlichen Diskurse zerfrisst. LTI 2.0 ist wie Zuckerwatte für Sitzenbleiber. Anmelden und weiterlesen.

In einem Land weit vor unserer Zeit

Mit „Shane Calhoun“ legt Dieter Döhrel seinen ersten Western vor

Foto: Ralf Julke

Jungen haben Träume. Träume verwandeln sich in Geschichten und Filme. Als Dieter Döhrel jung war, dominierten Western aus Hollywood die deutschen Kinos und an den Kiosken gab es Fluten von Wild-West-Magazinen. Drüben im Westen natürlich. Im Osten gab es bis 1982 nicht mal Karl May zu kaufen. Was Gründe hatte. Anmelden und weiterlesen.

Joby Warricks „Schwarze Flaggen“

Das erste Buch, das die Geschichte des IS komplett, logisch und faktenreich erzählt

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Natürlich kommt Joby Warrick am 23. März auch zur Buchmesse nach Leipzig, um sein jetzt auch auf deutsch erschienenes Buch „Schwarze Flaggen“ vorzustellen, für das er 2016 den Pulitzer-Preis im Genre Sachbuch bekam. Ein Buch, das man wie einen Thriller lesen kann. Aber man liest es besser mit nüchternem Blick. Nicht das Brisante ist das Beste an dem Buch, sondern der kluge Blick des journalistischen Aufräumers. Anmelden und weiterlesen.

Ein Luther-Roman, der sich mal nicht um Luther dreht

Das ganz und gar nicht langweilige Leben von Luthers Mutter Margarethe

Foto: Ralf Julke

Luther-Romane gibt es wie Sand am Meer, auch ein paar über seine geliebte Käthe. Aber über seine Mutter hat noch niemand ein ganzes Buch geschrieben. Da muss man erst einmal drauf kommen. Aber wenn man sich – wie die beiden schreibenden Zwillingsschwestern Claudia und Nadja Beinert – in das Thema vertieft, wird ein ganzes Zeitalter lebendig. Eines, in dem es ziemlich hart zuging. Anmelden und weiterlesen.

Ein Band voller Geschichten aus dem Norden und Osten

Ratlose Durchschnittsmenschen in einer großen Einsamkeitsfabrik

Foto: Ralf Julke

Jüngst legte der Verlag Reinecke & Voß den Gedichtband „Einbildung eines eleganten Schiffbruchs“ vor, Ergebnis eines Projekts an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald. Dort werden Übersetzerinnen und Übersetzer ausgebildet für so ziemlich alles, was rund um die Ostsee gesprochen wird. Und auch vor Prosa haben sie keine Scheu – und werden zu Entdeckern. Anmelden und weiterlesen.

Wie aus der Reformation auch noch ein Stück Emanzipation wurde

Die ganz und gar nicht unverhoffte Liebesgeschichte von Katharina und Martin Luther

Foto: Ralf Julke

Es gibt einige berühmte Liebespaare in der deutschen Geschichte. Luther und seine Käthe gehören dazu. Auch wenn es anfangs gar nicht danach aussah, dass dieser wortgewaltige Mönch und Theologieprofessor aus Wittenberg die kleine, selbstbewusste Nonne zur Frau nehmen würde. Da musste frau schon selbst aktiv werden und der Geschichte einen gehörigen Schubs geben. Anmelden und weiterlesen.

Wie ein erstaunliches Familienfundstück lebendig wird

Marlies Sonnemann rekonstruiert das erstaunliche Leben des Porzellanmalers und Wattefabrikanten Heinrich Theodor Hoffmann

Foto: Ralf Julke

Eigentlich glaubt man diese Welt zu kennen: das mittlere Europa im Vormärz, die beginnende Zeit der Eisenbahn, das blumige Biedermeier. Wir kennen die Schriftsteller aus dieser Zeit und die wichtigsten politischen Akteure. Aber über das Leben der wirklich einfachen Leute wissen wir wenig. Sie schreiben keine Romane, Tagebuch schon gar nicht. Der Lebensbericht eines Porzellanmalers wird zur faszinierenden Fundgrube. Anmelden und weiterlesen.

Zu Besuch in der Sammlung von Paul de Wit

Ein Gästebuch erzählt von den Besuchern des ersten Leipziger Musikinstrumentenmuseums am Thomaskirchhof

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Leipzig ist auch eine Stadt der Sammler. Manche Leute steckten ihr Geld in riesige Sammlungen: Bücher, Bilder, Münzen, Trophäen, Mineralien ... Solche privaten Sammlungen sind die Keimzellen unserer heutigen Museen. Das gilt auch für das Musikinstrumentenmuseum, in dem als Kern die Sammlung von Paul de Wit steckt. Aber die war eigentlich schon weg aus Leipzig. Eine entfleuchte Legende. Anmelden und weiterlesen.

Auf biblischen Spuren

Ein dicker Roman über den nicht kleinzukriegenden Apostel Paulus

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Es ist ein durchaus ehrgeiziges Projekt, das sich der St. Benno Verlag da vorgenommen hat mit der Sammlung von Romanen über bekannte biblische und religiöse Gestalten. Sozusagen ein thematisch gebündeltes Lesefutter für Leute, die sich gern hineinversetzen wollen in diese Gestalten: Wie war das damals wirklich? Eine ganz verzwickte Frage. Auch beim Apostel Paulus. Anmelden und weiterlesen.

In einer Welt, in der Menschen ohne Moral bestimmen, was Moral ist

Erstaunlich vertraute Töne von jungen Dichtern aus dem Ostseeraum

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Der Untertitel stimmt – und führt doch erst einmal in die Irre. Denn so ein wenig erwartet man bei „Gedichten aus dem Ostseeraum“ eine Anthologie von jungen deutschen Dichtern aus Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Von denen hat man wirklich lange nichts gehört. Aber in diesem Fall ist das Ganze viel größer gedacht. Anmelden und weiterlesen.

Durch die Hölle

Cornelia Lotters Roman über die dramatischen Folgen falscher Erinnerungen und eines schlimmen Verdachts

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Mit Krimis hat sie sich einen Namen gemacht. Mit Krimis, die vor allem die Abgründe in den Mittelpunkt stellen, die im Menschen schlummern. Die Cornelia Lotter gar nicht erfinden muss. Sie machen unsere Gesellschaft zum Pulverfass. Erst recht, wenn es dabei um scheinbar selbstverständliche Dinge geht wie Vertrauen, Sicherheit und Erinnerung. Kann man Erinnerungen fälschen? Ja. Anmelden und weiterlesen.

Das mathematische Kapitel in der Geschichte des Teubner Verlages

Das Leben und die Tragik des Verlegers Alfred Ackermann-Teubner

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Es ist noch keine große Biografie, eher eine kleine. Gerhard Ackermann und Jürgen Weiß ging es eher um das Jubiläum, das eigentlich keines ist. Eher einer der tragischen Momente in der Geschichte des Teubner Verlags in Leipzig, als Alfred Ackermann-Teubner vor genau 100 Jahren aus dem Verlag ausschied. Womit der Teubner Verlag seine Spitzenposition als Mathematik-Verlag einbüßte. Anmelden und weiterlesen.

Tierleben-Erzähler, Zoodirektor, Tierbeobachter

Eine Biografie, die vor allem die Strapazen der Reisen des Forschers Alfred Brehm beschreibt

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Eigentlich war 2016 kein Alfred-Brehm-Jahr. Aber es erschienen dennoch zwei Alfred-Brehm-Bücher in Leipzig. In Zeit- und Selbstzeugnissen rekonstruierte Hans-Dietrich Haemmerlein das Leben des berühmten Tierforschers für den Sax Verlag. Die Edition am Gutenbergplatz hat jetzt einen Titel in ihr Programm aufgenommen, der 1984 erstmals im Leipziger Brockhaus-Verlag erschienen war. Anmelden und weiterlesen.

Mit Manfred Rudersdorf auf Denkmalsuche

Wie Leipzigs Bürgertum sich im 19. Jahrhundert seinen Klassiker-Kanon im Stadtbild schuf

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Band 3 der „Schriften des Leipziger Geschichtsvereins“ ist schmal und voller Fotos. In einer Rede zum Tag der Stadtgeschichte im November 2015 hat sich Manfred Rudersdorf mal auf den Weg gemacht und die Leipziger Innenstadt besichtigt, genauer: ihre Denkmäler. Die stehen ja nicht ohne Grund da. Die Leipziger wollten mit ihnen auch nicht nur ein Zeichen setzen, sie erinnern auch an wichtige Männer. Anmelden und weiterlesen.

Band 2 der großen Leipziger Stadtgeschichte

Über ein Leipzig, das sich in 300 Jahren zur modernen Stadt mauserte

Foto: Ralf Julke

Und, was schenken wir unseren Lieben zu Weihnachten? Eigentlich ist es unmöglich, dass einem nichts einfällt. Schon gar in der Buchstadt Leipzig, die 2015 das 1.000. Jahr ihrer Ersterwähnung feierte. Was dann auch in ein Projekt mündete, wie es sich Menschen, die auf Geschichte neugierig sind, wünschen: vier dicke Bände Stadtgeschichte. Der zweite liegt jetzt vor. Anmelden und weiterlesen.

Systematische Tabubrüche und ein Sprachrecycling der rechtsradikalen Art

Das Wörterbuch des besorgten Bürgers: Die sprachliche Analyse einer „Volksbewegung“, die keine ist

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Das Wort Empörung fehlt tatsächlich noch im „Wörterbuch des besorgten Bürgers“, das von vier Leipziger Autoren im Ventil Verlag veröffentlicht wurde. Empört war postwendend der sächsische AfD-Vize Dr. Thomas Hartung. Aber eher über einen Artikel auf „bento“. Ob er das Wörterbuch selbst gelesen hat? Eher unwahrscheinlich. Dazu ist es zu deutlich in der Analyse dessen, was AfD & Co. derzeit in Deutschland treiben. Anmelden und weiterlesen.

Eine Auseinandersetzung über ein brisantes Zeitthema

Sind Religion und Politik unvereinbar? Oder: Wer zerstört eigentlich die Gesprächsgrundlage unserer Gesellschaft?

Foto: Ralf Julke

Wenn sich Philosophen den Kopf zerbrechen, kann es passieren, dass Fragen offenbleiben. So ist es auch dem Leipziger Sozialwissenschaftler, Politikwissenschaftler und Philosophen Henry Lewkowitz seit 2014 ergangen, als er sich für seine Masterarbeit mit der (Un-)Vereinbarkeit von Politik und Religion beschäftigte. Wie schon Dutzende Philosophen vor ihm. Anmelden und weiterlesen.

Eine Liebesgeschichte mit dramatischen Finale

Der Roman über die letzten Monate im Leben des Malers Nicolas de Staël mit frappierenden Illustrationen aus einem Leipziger Atelier

Foto: Ralf Julke

Es gab eine Zeit, da gab es tatsächlich ein Europa des Geistes, der Begegnungen, der großen intellektuellen Auseinandersetzungen: in der Kunst, der Literatur, der Philosophie. Da las man auch in Deutschland noch italienische und französische Autoren, war dieser Kontinent kein zum „Wirtschaftsraum“ reduziertes Projekt. Wie lang das her ist, merkt man selbst beim Lesen dieser Geschichte über eine große Liebestragödie. Anmelden und weiterlesen.