Artikel zum Schlagwort Rezensionen

Ein Mädchen übt den Handstand

Warum die einen Engel sehen, die anderen Wolken und kaum jemand die unerhörte Leichtigkeit des Seins

Foto: Ralf Julke

Das Bild hat Symbolkraft: Ein Mädchen geht in den Handstand, ist noch nicht ganz ausbalanciert. Spielerisch sieht es aus, selbstbewusst, herausfordernd. „Handstand“ hat der Hallenser Künstler Uwe Pfeifer die 2011 entstandene Lithografie genannt. Und die Leipziger Dichterin Jutta Pillat war so fasziniert von diesem kleinen Kunstwerk, dass sie unbedingt einen Gedichtband draus machen wollte. Anmelden und weiterlesen.

Der zweite Band mit Sachsenmorden aus Leipzig

13 Mal Mord in allen Ecken und manchmal auch ein bitterböser Hauch Gerechtigkeit

Foto: Ralf Julke

Manche Geschichten gehen weiter, auch wenn es ein bisschen gerumpelt hat im Verlagsleben. Und es hat bei mehreren Leipziger Verlagen heftig gerumpelt in letzter Zeit. Für den fhl Verlag, der sich zuletzt auf Krimis spezialisiert hatte, bedeutete das das Finale. Aber die Krimi-Geschichte geht weiter – nun in der neu gegründeten edition krimi. Denn Mord und Totschlag sind ewige Themen. Mit einem immerhungrigen Publikum. Anmelden und weiterlesen.

Aktion Sühnezeichen, Friedliche Revolution, Runder Tisch und Ratspräsidentschaft

Die sehr zurückhaltenden Erinnerungen des Vermittlers Friedrich Magirius

Foto: Ralf Julke

Wer Peter Wensierskis Buch „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ gelesen hat, ist auch über den zarten Hinweis auf Friedrich Magirius gestolpert. Der kommt als Akteur in Wensierskis Buch eher nur beiläufig vor. Dafür gibt es den Hinweis auf Magirius’ geplante Autobiographie. Nun ist sie da. Und sie bestätigt die Position der Protagonisten aus Wensierskis Buch. Anmelden und weiterlesen.

Wenn es um mehr als Küsse und Freundschaft geht

Marten Melin erzählt über die verwirrende Welt der erwachenden Gefühle

Foto: Ralf Julke

Mit diesem Buch des schwedischen Autors Marten Melin stößt der Klett Kinderbuchverlag nach „Etwas mehr als Kuscheln“ zum zweiten Mal in den Bereich Jugendliteratur vor. Auch das ein Feld, auf dem allerlei Regeln und Erwartungen und Stereotype herrschen. Selbst im eigentlich so freizügigen Schweden. Da diskutieren die Erwachsenen heftig über Melins Bücher. Die Kinder lesen sie mit Begeisterung. Anmelden und weiterlesen.

Von Wunschnachbarn, Märchenbanden und Nadine

Wunschnachbar Traumfrau: Uli Hannemanns Weiter-spinn-Geschichten aus einem ziemlich harten Berliner Leben

Foto: Ralf Julke

Vielleicht sollte man, wenn man zu viel grübelt, lieber doch kein Autor werden? Oder gehört das viele Grübeln notwendig dazu, weil einem sonst niemand abnimmt, dass man sich wirklich ernsthaft mit dieser Welt beschäftigt? Uli Hannemann ist so etwas wie der Moll-Ton in der Lesebühne LSD, „Liebe statt Drogen“. Neben eher quietschfidelen Herren namens Strübing, Tube oder Spider. Anmelden und weiterlesen.

Zwischen Mission, Pfarrhaus und unabhängigem Denken

Wie das Theologische Seminar in Leipzig zu einer Insel wurde im Land der Kontrolleure

Foto: Ralf Julke

Der Titel ist provokant, war aber so nicht gemeint. Zumindest nicht so eindeutig. Immerhin ist das eher ein Erinnerungsbuch – von Studierenden und Dozenten des einstigen Theologischen Seminars in Leipzig, das Leser von Büchern zum Herbst ‘89 aus anderen Zusammenhängen kennen: Manche Studierende dieses Instituts spielten eine prominente Rolle in den Ereignissen vor und nach dem 9. Oktober 1989. Anmelden und weiterlesen.

Luise Boeges Geschichten aus einer Zeit ohne Berührungen

„Bild von der Lüge“ – Das befremdliche Leben als Zuschauerin und Organersatzteillager

Foto: Ralf Julke

Was lotet diese junge Dame da eigentlich aus? Der Titel verspricht eine Menge. Und die erste Geschichte in diesem Band heißt auch so und taucht auch hinab in jene jungen Jahre, in denen geistig wache Menschen meist mitkriegen, dass sie ganz gut sind im Erfinden, Schwindeln und Geschichtenerzählen. Durchaus mit kriminellem Potenzial. Autoren, die das nicht schaffen, haben ihr Metier nicht verstanden. Anmelden und weiterlesen.

Ein Pakt mit frappierenden Folgen

Wie die deutschen Nazis bis 1939 Hollywood zensieren und manipulieren konnten

Foto: Ralf Julke

Es gibt Geschichten, die passen nicht ins übliche Erklärungsmuster. Man hat zwar von dem filmsüchtigen Herrn Hitler gehört, der sich in privater Abgeschiedenheit an Mickey-Mouse-Filmen ergötzte. Aber eigentlich hat man ja sonst das Bild im Kopf: In deutschen Kinos liefen in der Hitlerzeit nur UFA-Filme. Mit heldenhaften Wochenschauen davor. Aber alles war ein bisschen anders. Und beklemmender, wie Ben Urwand herausgefunden hat. Anmelden und weiterlesen.

Schluss mit der Beweihräucherung der Friedlichen Revolution

Peter Wensierski erzählt, wie eine Gruppe junger Leipziger die schönste Rebellion der deutschen Geschichte ins Rollen brachte

Foto: Ralf Julke

Es ist kein Zufall, dass dieser Buchtitel Assoziationen weckt. So ganz sachte an Milan Kunderas „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“. Nicht nur bei der Wortwahl, die natürlich verblüfft, nachdem Berge von Büchern die Vor-Zeit der Friedlichen Revolution eher als düster, beklemmend, trist gezeichnet haben. Und nun das: das Porträt einer Gruppe junger Menschen, die ihre Lust am Leben in eine Rebellion verwandelte. Anmelden und weiterlesen.

Agent im Dienste des KPD-Spionagechefs

Oskar Quengels Lebensbeichte in einer blutigen und opportunistischen Zeit

Foto: Ralf Julke

Im Leipziger Bookra Verlag passiert eine Menge Geschichte. Und Geschichtsaufarbeitung. Auch auf Feldern, um die sich sonst eher wenige Leute kümmern, weil es irgendwie nicht opportun ist, nicht zeitgemäß. Wer beschäftigt sich denn noch mit der Geschichte der kommunistischen Partei in Deutschland? Gar mit ihrem fatalen Scheitern beim Machtantritt der Nazis. Max Brym tut’s. Denn da gibt es einiges abzurechnen. Anmelden und weiterlesen.

Was die Mode streng verhüllt

Nora Gomringers beherzter Ausflug in unsere Welt der Masken, Larven, Täuschungen und der verschwundenen Frauen

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Es ist nur eine Trilogie? Das ist ja schrecklich! Ungeheuerlich! Wie kann sie nur! – Aber sie kann. Sie kann es wirklich. Das hat Nora Gomringer von Papa und Mama gelernt und selbst gewirkt mit emsiger Geduld, viel Fleiß und kühner Treuherzigkeit. Das hier ist das dritte Buch ihrer „Trilogie der Oberflächen und Unsichtbarkeiten“. Man könnte auch sagen: der Maskeraden unserer Zeit. Anmelden und weiterlesen.

Eine kluge These, aber leider nicht ganz stimmig

Wie die Schießpulvertechnologie den Europäern half, die Welt zu unterjochen

Foto: Ralf Julke

Der Titel klingt spannend, die Frage überzeugend. Denn wer sich die Weltgeschichte anschaut, der wundert sich ja tatsächlich: Warum haben ausgerechnet die Europäer mit ihren winzigen Staaten ein halbes Jahrtausend lang die Welt kolonialisiert und teils viel reichere und kulturvolle Länder erobert und beherrscht? Steckt dahinter vielleicht ein Gesetz? Dutzende Wissenschaftler haben sich darüber schon den Kopf zerbrochen. Anmelden und weiterlesen.

Vom Verlieren und Wiederfinden

Das abenteuerliche Leben einer Brotdose und die beiläufige Frage nach dem Wert der Dinge

Foto: Ralf Julke

Wer Vater ist, der kann was erleben. Und er wird irgendwann ein begnadeter Logistiker. Denn das muss einer werden, der sich kümmert, wenn die Kinder in die Schule kommen. Schule ist heutzutage vor allem eine Materialschlacht. Und ein logistischer Kraftakt. Das wissen auch die Kinder, wenn sie jeden Tag ihren Container in die Schule schleppen. Wenn sie Glück haben, steckt eine liebevoll gepackte Brotbüchse drin. Sächsisch: Brotschie. Anmelden und weiterlesen.

Noch ein erhellender Briefwechsel aus finsterer Zeit

Wie funktioniert ein Justizbeamter in einer völlig durchherrschten Gesellschaft?

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist wohl wirklich so: Erst die Enkel arbeiten auf, was den Großeltern passiert ist. Die Kinder sind noch selbst zu sehr betroffen. Deswegen kommt jetzt der dritte Briefwechsel aus der NS-Zeit in einem hiesigen Verlag heraus. Scheinbar etwas anders als jene Briefwechsel „kleiner Leute“, die im Sax Verlag erschienen sind. Auch Wieland Menzel wurde auf dem Dachboden fündig. Weiterlesen.

Pferde, Geheimnisse und drei, vier tollkühne Mädchen

Der unerwartete Bestseller einer 14-jährigen Autorin

Foto: Ralf Julke

Es war ein Experiment, auf das sich der Lychatz Verlag da im vergangenen Jahr eingelassen hat: Er nahm ein echtes Jugendbuch ins Programm. Geschrieben von einer 14-jährigen Autorin, was nicht allzu oft passiert. Hätte ja auch schiefgehen können. Doch zur Leipziger Buchmesse liegt das Buch nun schon in der dritten Auflage vor, erzählt Verleger Sven Lychatz. Die junge Autorin hat ihre jungen Leser(innen) gefunden. Anmelden und weiterlesen.

Raus aus der Konsum-Falle

Wie man den Müll aus unserem Leben entfernt und dabei immer reicher wird

Foto: Ralf Julke

Bücher zu den Problemen der Wegwerf- und Wachstumsgesellschaften haben wir an dieser Stelle schon mehrere besprochen. Selbst den meisten Ökonomen ist nicht bewusst, dass unser Wachstumsdenken vor allem eines verursacht: Berge von Müll. Und zwar nicht irgendwelchen Müll, sondern hochgiftigen, unverweslichen, nicht recyclebaren Müll. Wir müssen uns ändern. Wir dürfen es sogar. Ein richtiges Buch für alle, die raus wollen aus der Mühle. Anmelden und weiterlesen.

Mord in der Buchstadt

Uwe Schimuneks neuer Krimi entführt die Leser ins Leipzig des Jahres 1907

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Seine Liebe zur Geschichte hat der Leipziger Krimi-Autor Uwe Schimunek schon in den Katzmann-Krimis ausgelebt, die im Jaron Verlag erschienen. 2016 startete er eine eigene historische Krimi-Reihe zu seiner Heimatstadt Leipzig. Im ersten Band – „Mörderisches Spiel in Leipzig“ – ging es um Fußball. Nun im zweiten Band bekommt es Polizeireporter Edgar Wank mit der mörderischen Seite der Buchstadt Leipzig zu tun. Anmelden und weiterlesen.

Ein kleines Buch, das ein paar großmäulige Männer zutiefst verärgern wird

Die Zukunft der Menschheit muss weiblich sein

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Dass die Menschheit, so im Großen und Ganzen betrachtet, ziemlich kaputt ist, kann man eigentlich nicht leugnen. Sie zerstört gerade einen einmalig schönen Planeten mit all seinen unersetzlichen Ressourcen. Und die Lösungsansätze sind oft genug noch rücksichtsloser, ziemlich katastrophal. Das könnte mit den narzisstischen Muttersöhnen zusammenhängen, die überall das Sagen haben, vermutet Christoph-Maria Liegener. Anmelden und weiterlesen.

Ein neuer Aphorismenband von Gunter Preuß

Die Freude an kleinen Denkanstößen, frechen Karambolagen und einem unerschütterlichen Pessimismus

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Was macht man eigentlich, wenn es da draußen keine richtige gesellschaftliche Diskussion mehr gibt, in der kluge Menschen gute Argumente austauschen? Wenn alle nur noch plappern und glauben, in social media würden sie geradezu in Weisheit baden? Man nimmt sich raus und macht es ganz klassisch in der Tradition von Lichtenberg und Schopenhauer: Man schreibt Aphorismen. Band um Band, wie Gunter Preuß. Anmelden und weiterlesen.

Ein lebendiger Mensch bleiben in schäbigen Zeiten

Titus Müller lässt das Jahr 1953 mit der ganzen Farbenfreude des Historikers wieder lebendig werden

Foto: Ralf Julke

Es gibt sie noch, die Autoren im Land, die sich nachdenklich mit unserer jüngeren Geschichte beschäftigen. Vielleicht ein bisschen viel mit dem Osten, viel zu wenig mit dem Westen, wo man gern professoral vor sich hinphilosophiert. Aber wahrscheinlich ist es derzeit wirklich so: Die DDR bietet den spannenderen Stoff. Oder mal so gesagt: Die Bewohner des so gern verachteten Ostens haben gelebt und haben richtig Weltgeschichte zu spüren bekommen. Das ist Stoff für richtig dicke Romane. Anmelden und weiterlesen.