Podiumsdiskussion am 29. Oktober im Café Tiefensee: „Polen: Der unbekannte Nachbar?“

Am Mittwoch, 29. Oktober, um 19:00 Uhr wird Wolfgang Tiefensee, MdB (SPD), im BüroCafé Tiefensee, Gottschedstraße/Ecke Zentralstraße in Leipzig, mit dem Botschafter der Republik Polen in Deutschland, Dr. Jerzy Marganski, und Friedrich Magirius, Superintendent i. R. und Stadtpräsident a.D., über die deutsch-polnischen Beziehungen diskutieren. Interessierte Leipzigerinnen und Leipziger sind herzlich eingeladen, sich zu informieren und mitzudiskutieren.

Seit der sogenannten „EU-Osterweiterung“ spielt Polen für die europäische Einigung eine ganz besondere Rolle: Was seit den europäischen Einigungsbemühungen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges das besondere Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich war, setzt sich nun nach Osten in der (auch geschichtlich) besonderen Beziehung zwischen Deutschland und Polen fort. Zusammen bilden Deutschland, Frankreich und Polen das „Weimarer Dreieck“. Zudem ist Polen heute NATO-Mitglied und ist seit dem Beginn der Krise in der Ukraine auch strategisch ins Blickfeld gerückt, denn die neue Aggressivität Russlands weckt alte polnische Ängste: Oft musste Polen fürchten, zwischen Deutschland und Russland bzw. der Sowjetunion zerrieben zu werden und seine Souveränität zu verlieren, mehrfach wurde das Land unter seinen Nachbarn aufgeteilt. Es stellt sich daher die Frage, welche Bedeutung das deutsch-polnische Verhältnis heute nicht nur für den europäischen Einigungsprozess spielt, sondern auch für die politischen Verwerfungen, die die Krise zwischen der Ukraine und Russland ausgelöst hat.

Polen und Deutschland verbindet eine lange, extrem wechselvolle Geschichte: Schon lange vor der Entstehung polnischer und deutscher Nationalstaaten bestanden enge kulturelle, politische und gesellschaftliche Verknüpfungen, wie es sie so zwischen Deutschland und Frankreich entlang der starren Rheingrenze so oft nicht gab. Nur die dynastischen Territorialkonflikte störten das friedliche Zusammenleben. Auch nach der Entstehung von Nationalstaaten schwankte das Verhältnis zwischen „Polenschwärmerei“ (etwa von der Julirevolution von 1830 bis zur Deutschen Revolution 1848/1849) und der von Bismarck eingeleiteten und vom Deutschen Ostmarkenverein fortgesetzten Politik des Kulturkampfes und der Germanisierung polnischer Gebiete. Im Jahre 1939 schließlich wurde Polen schließlich zum Opfer des Rassenwahns der Nationalsozialisten: Polen hörte (wie so oft in seiner Geschichte) auf zu bestehen und wurde zum Schauplatz der Vernichtungslager. Kein anderes Land neben der Sowjetunion wurde durch das Deutsche Reich im Laufe des Zweiten Weltkrieges so misshandelt. Noch immer prägen diese Erfahrungen die heutigen deutsch-polnischen Beziehungen.

Die Veranstaltung wird durchgeführt in Kooperation mit dem Polnischen Institut Berlin, Filiale Leipzig.


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