Am Mittwoch, 13. Oktober, veröffentlichte das Statistische Landesamt eine scheinbar recht unscheinbare Meldung mit der Überschrift: „Industrieumsatz im Landkreis Zwickau nahezu fünfmal so hoch wie im Landkreis Leipzig“. Was aber eigentlich nichts Neues ist, seit das Gebiet des Landkreises Leipzig fast völlig von Industrie entblößt wurde. Viel eher zeigt die Meldung, wie abgängig Sachsen vom Automobilbau ist.

Zwickau: Zentrum des sächsischen Automobilbaus

Und das kann zu einem richtigen Problem werden, wenn das Automobil aufhört, ein gefragtes Exportgut zu sein. Von den gut 32,6 Milliarden Euro Gesamtumsatz der sächsischen Industrie im 1. Halbjahr 2021 wurden rund 16 Prozent bzw. 5,2 Milliarden Euro im Landkreis Zwickau erwirtschaftet, teilt das Statistische Landesamt mit. Damit war er nahezu fünfmal so hoch wie im Landkreis Leipzig. Dort stand mit 1,1 Milliarden Euro der niedrigste Umsatzwert zu Buche.

Statistische Geheimniskrämereien

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, der durch zeitweise Betriebseinschränkungen in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie geprägt war, ließ sich für alle sächsischen Kreise ein Umsatzzuwachs in der Industrie feststellen. Dieser reichte von nominal gut einem Prozent in der kreisfreien Stadt Dresden bis zu annähernd 77 Prozent im Landkreis Zwickau, wo die Entwicklung besonders stark durch die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen bestimmt ist. Und der Automobilbau spielt nicht nur in Zwickau eine enorme Rolle.

Nur „verschwindet“ er in den Umsatzbilanzen von Leipzig und Dresden regelrecht, weil die konkrete Angabe der hier ansässigen Automobilbauer „jedoch der statistischen Geheimhaltung unterliegt“. Die Umsätze von Porsche und BMW in Leipzig verschwinden also im gelben Balken „Übrige“, dürften sich aber einer ähnlichen Dimension bewegen wie die des VW-Werks in Zwickau.

Umsatz in der Industrie in Sachsen im 1. Halbjahr 2021 nach Kreisfreien Städten und Landkreisen sowie ausgewählten Wirtschaftszweigen. Grafik: Freistaat Sachsen, Statistisches Landesamt
Umsatz in der Industrie in Sachsen im 1. Halbjahr 2021 nach kreisfreien Städten und Landkreisen sowie ausgewählten Wirtschaftszweigen. Grafik: Freistaat Sachsen, Statistisches Landesamt

Starke Zuwächse in Leipzig

Was dann auch zu den besonders starken Zuwächsen in Leipzig beitrug, die das Statistische Landesamt für 2021 vermeldet: „Überdurchschnittliche nominale Umsatzzuwächse um jeweils rund ein Drittel gab es auch in den Kreisfreien Städten Chemnitz und Leipzig und im Landkreis Mittelsachsen (Sachsen gesamt: + 27 Prozent; Deutschland: + 15 Prozent). Dabei gingen vom Auslandsgeschäft in der Regel stärkere Entwicklungsimpulse (Sachsen gesamt: +45 Prozent; Deutschland: +19 Prozent) als vom Inlandsgeschäft aus.“

Und weiter: „Die Exportquote, der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz, war im 1. Halbjahr 2021 im Landkreis Bautzen mit knapp 22 Prozent am geringsten und in der Landeshauptstadt Dresden mit nahezu 56 Prozent am höchsten (Sachsen insgesamt: 41 Prozent; Deutschland: 52 Prozent). Dies erklärt sich mit deutlichen Unterschieden in den Industriestrukturen der einzelnen Regionen.“

Anschluss an das Niveau vor Corona – mit Ausnahmen

Was eben auch heißt, dass der um über 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegene Gesamtumsatz in Leipzig ähnlich stark wie in Zwickau von den Verkäufen der Autobauer im In- und Ausland bestimmt wird. Die im ersten Halbjahr erzielten 4,6 Milliarden Euro lagen nicht nur 31,7 Prozent gegenüber dem Ergebnis im ersten Halbjahr 2020, sondern auch 2,7 Prozent über dem Ergebnis des 1. Halbjahres 2019. Was eben auch bedeutet, dass die sächsische Industrie in fast allen Kreisen wieder an das Vor-Corona-Niveau angeschlossen hat.

Es gibt nur drei Ausnahmen: Die in Dresden angesiedelte Industrie lag mit 2,8 Milliarden Euro Umsatz immer noch um 14 Prozent unter dem 2019er Ergebnis. Chemnitz lag mit 1,6 Milliarden Euro um 5 Prozent drunter und auch die Sächsische Schweiz/Osterzgebirge lag noch um 0,6 Prozentpunkte drunter.

Leipzig als Nummer 2 im Freistaat

Die Auflistung zeigt freilich auch, dass Leipzig nach Industrieumsatz schon lange die Nummer 2 in Sachsen ist – hinter Zwickau. Und von den 4,6 Milliarden Euro Umsatz sind allein 2,3 Milliarden Euro Auslandsumsatz.

Wobei der Blick auf die Industrie nicht trügen darf. Die 64 Milliarden Euro Industrieumsatz machten 2020 nur etwa die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (125,6 Milliarden Euro) aus. Andererseits zeigen 29,8 Prozent Anteil des Autobaus am Industrieumsatz Sachsens, wie abhängig der Freistaat sich vom Autobau gemacht hat.

Und die starke Schwankung im Corona-Jahr 2020 geht in großen Teil auf ein Stocken im Handel mit Kraftfahrzeugen zurück. Der Maschinenbau kam mit weniger als 4 Milliarden Euro Umsatz nicht einmal auf die Hälfte der Umsätze im Automobilbau, die bei fast 10 Milliarden Euro lagen.

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