Diskussion um Leipziger Wohnungsmarkt

Wohnungsgenossenschaften melden noch Leerstand von 7,7 Prozent und bezahlbare Preise

Für alle LeserNach dem Beschluss der Leipziger Linken zu ihren „Wohnungspolitischen Leitlinien“ kochten die Emotionen hoch in Leipzig. Insbesondere SPD und CDU warfen der Linken überzogene Forderungen vor. Immer wieder Streitthema ist die tatsächliche Leerstandsquote in Leipzig. 3 Prozent, sagten Leipzigs Statistiker nach der letzten Schätzung. Aber das war eben nur eine Schätzung. Denn eine offizielle und amtliche Zählung leerstehender Wohnungen gibt es nicht.

Die städtischen Statistiker können die wahrscheinlichen Leerstände nur abschätzen aus einem Vergleich der offiziell am Markt gezählten Wohnungen und der amtlich registrierten Wohnhaushalte. Aber nicht jeder Haushalt ist eine Wohnung. Gerade in studentischen Quartieren leben in einer Wohnung meist mehrere Wohnparteien. Und andererseits ist nicht jede gemeldete Wohnung auch verfügbar – zum Beispiel, weil sie noch nicht saniert ist.

Am Freitag, 12. Mai, meldeten sich nun die Wohnungsgenossenschaften der Plattform „wohnen bei uns“ zu Wort und meldeten: Von Wohnungsknappheit kann bei uns keine Rede sein. In der Plattform sind die Leipziger Wohnungsgenossenschaften UNITAS, VLW, BGL, WOGETRA sowie Leipzigs größter Wohnungsgenossenschaft KONTAKT vereinigt. Sie können zumindest alles genau beziffern, was in den eigenen Beständen passiert.

Nach ihrer Einschätzung habe Leipzig flächendeckend bezahlbaren Wohnraum. Durchschnittlich zahlen Mieter großer Wohnungsgenossenschaften 4,75 Euro pro Quadratmeter. 12.000 Wohnungen liegen stadtweit sogar noch darunter.

Und was aus ihrer Sicht augenfällig ist: Preisunterschiede zwischen den Stadtteilen gibt es kaum. Zumindest was ihren Bestand von insgesamt 40.000 Wohnungen betrifft. Besonders steche hervor: Mieten im mittleren Segment zwischen 4,50 und 5,50 Euro pro Quadratmeter finden sich quer über ganz Leipzig verteilt. Es gibt nur eine minimale lageabhängige Ausdifferenzierung der Miete.

Die Wohnlage ist also augenscheinlich nicht das ausschlaggebende Kriterium für die Miethöhe.

„Das bedeutet unter anderem: ein funktionierender Mietspiegel muss auf Ausstattung statt Lage setzen“, betont Jörg Keim, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Kontakt e. G. im Hinblick auf den anstehenden Stadtratsbeschluss. So liege selbst die Durchschnittsmiete im teuersten Stadtteil Mitte bei 5,35 Euro pro Quadratmeter, im günstigsten Stadtteil Nord-Ost allerdings nur 72 Cent darunter. Wohlgemerkt: im Bestand der Wohnungsgenossenschaften. Die sorgen ganz ähnlich wie die stadteigene LWB dafür, dass übers Stadtgebiet weiter Wohnungen zu günstigen Konditionen angeboten werden und die Mietpreise für die nicht so zahlungskräftigen Leipziger im bezahlbaren Rahmen bleiben.

„Ob ein Mieter das Maximum in Leipzig von 11,20 Euro pro Quadratmeter oder das Minimum von 2,99 Euro zahlt, hängt zuerst vom Ausstattungs- und Modernisierungsgrad der Immobilie ab, in der er lebt und nicht vorrangig von der Lage“, betont Jörg Keim.

Leipziger würden bezahlbaren Wohnraum auch künftig stadtteilübergreifend finden, betonen die Genossenschaften. Aktuell verfügen allein die fünf Wohnungsgenossenschaften nach der jüngsten Erfassung noch über einen Leerstand von 7,7 Prozent, wovon 5,2 Prozent sofort verfügbar und der Rest mittelfristig aktivierbar seien.

„Diese Werte weisen auf einen funktionierenden Wohnungsmarkt hin. 40.000 Wohnungen bilden einen repräsentativen Marktausschnitt“, erklärt Wolf-Rüdiger Kliebes, Vorstand der VLW Vereinigte Leipziger Wohnungsgenossenschaft e. G.. „Wir können die teilweise sehr aufgeregte Diskussion um drohende Wohnungsnot auf einem angespannten Wohnungsmarkt anhand unserer Zahlen nicht nachvollziehen. Wohnungspolitische Diskussionen von Mietpreisbremse über Mietspiegel bis zur Förderung müssen wesentlich faktenbasierter und weniger ideologisch geführt werden als bisher.“

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