Da wird nun geplant, in vielen Einzelschlachten gefochten und um Konzepte rings um die innere Jahnallee gerungen. Über allem schwebt hier das „Verkehrskonzept erweiterte Innenstadt“, beginnend beim Hauptbahnhof, den Ring entlang und die entsprechenden Ausfallstraßen dazu. Während Vorabmaßnahmen Teile des Verkehrsaufkommens womöglich zuungunsten von Parkflächen auf dem Nadelöhr zwischen Zentrum und Arena für Radfahrer regeln sollen, geht es hier ab diesem Jahr ums große Ganze. Da wünscht sich mancher eine alles heilende Lösung – in Leipzig werden da meist Tunnel ins Gespräch gebracht.

Mal soll die Straßenbahn unter die Erde, mal die Autos (wie am Hauptbahnhof mittels Troglösung) und mal alles auf einmal. Nun war die AfD im Stadtrat dran, ein paar späte Vorschläge einzuwerfen. Doch gegen Ende der kurzen Debatte wurde es etwas gallig. Auf den Hinweis von Sven Morlok (FDP, Freibeuter) hin, dass die Prüfungen aller möglichen Varianten auch beim Tunnelbau unter der inneren Jahnallee bereits in der Verwaltung gelandet sind, entgegnete Tobias Keller (AfD), dass er sich doch noch einmal den Antrag seiner Fraktion genauer anschauen soll.

Und in der Tat, während die Freibeuter vor einem Jahr einen Vorschlag in die ab 2019 erst so richtig ins Laufen kommende Planungsdebatte gebracht hatten, die Straßenbahnen unter die innere Jahnallee zu verlegen (und nun darauf hoffen müssen, dass die teure Baumaßnahme überhaupt förderwürdig seitens Bund und Land Sachsen ist), will die AfD nun lieber die Autos unter die Erde bringen. Die Verwaltung hatte vorab bereits signalisiert, dass sie so oder so alle Varianten prüfen müsse, was Keller als Zusage und Erfolg für seine Fraktion einpreiste.

Doch genau genommen möchte die AfD somit das, wogegen die Händler auf der inneren Jahnallee bei ihrer Unterschriftensammlung medienwirksam Einspruch erhoben hatten. Als es darum ging, Pkw-Stellplätze vor ihren Ladengeschäften durch Radwege zu ersetzen, war das Entsetzen groß, auf die Parkplätze direkt vor der Tür wollte man aus Angst vor Kundenrückgang nicht verzichten. Der Ausgang hierbei ist noch offen, doch die Unfallstatistiken drängen weiterhin zur Eile und eine Umverlegung des Radverkehrs auf die Gustav-Adolf-Straße wird es wohl auch nicht geben.

Spannend also zu sehen was geschieht, wenn die Planungen der Stadt Leipzig 2019 voranschreiten und womöglich die Förderwürdigkeit ausgerechnet des von der AfD gewünschten Autotunnels ergeben. Oberirdisch soll dann so etwas wie eine Einkaufsstraße entstehen, eine weitere Haltestelle zwischen Leibnizstraße und Waldplatz schlugen die Blauen gleich mit vor.

Doch letztlich behielt Sven Morlok dann doch Recht. Der Stadtrat lehnte den späten AfD-Einwurf mit großer Mehrheit ab, weil sich die Stadträte einig waren, dass die Verwaltung bereits beauftragt ist, alle Varianten im Rahmen des „Verkehrskonzept erweiterte Innenstadt“ zu prüfen.

Auch daraufhin, ob der oder die Tunnel den sogenannten „Faktor 1“, also die Hürde von Kostenaufwand und Nutzen überspringt und entsprechend mit Steuergeldern finanziert werden kann. Da dürfte man um die rund 15.500 täglichen Pkw an der inneren Jahnallee ebenso wenig umhinkommen, wie an die rund 800 Straßenbahnen und die zirka 4.000 Radfahrer täglich zu denken. Und die Luftbelastung entlang der dicht bewohnten Straße. Wenn nicht noch ein paar Fußballspiele und Events in der Arena und dem Stadion dazukommen.

Aber gut, dass das Thema im anlaufenden Kommunalwahlkampf (26. Mai 2019) noch einmal angesprochen wurde. Ein Leipziger Klassiker in Sachen Konkurrenz der einzelnen Verkehrsarten bei gleichzeitigem Platzmangel ist es jetzt schon.

Die Debatte am 13. Februar 2019 im Stadtrat

Video: Livestream der Stadt Leipzig

Warum die Gustav-Adolf-Straße keine Lösung für die Probleme an der Inneren Jahnallee darstellt

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