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In einem Jahr soll aus Matschepampe eine Kita für 135 Kinder entstehen

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    So etwas lieben Kinder: Erdbeerbowle, Süßigkeiten, zwei Lieder singen und dann richtig Matschepampe. Da hätten die Bauarbeiter der Firma Lubak ruhig einen zehn Mal so großen Bottich mit Zement hinstellen können, so viel Spaß hatten die Knirpse am Freitag, 28. Juli, bei der Grundsteinlegung für die zweite Kindertagesstätte der LWB. Die soll ganz nahe vom Bayerischen Bahnhof entstehen.

    Gleich hinter dem riesigen LWB-Wohnblock an der Windmühlenstraße. Was die Sache natürlich noch viel nützlicher macht, als es der Bau einer LWB-Kita im riesigen Kita-Bauprogramm der Stadt Leipzig sowieso schon ist. 10.000 neue Plätze in Kindertagesstätten hat Leipzig in den letzten zehn Jahren geschaffen, 5.000 davon allein in den vergangenen drei Jahren, betonte Sozialbürgermeister Thomas Fabian beim Grundsteinlegungstermin am Nachmittag in der Brüderstraße 18. Das ist zumindest die offizielle Baustelle der neuen LWB-Kita, die künftig den Namen „Mosaik“ bekommen soll.

    Bürgermeister Thomas Fabian bei seiner Rede zur Grundsteinlegung. Foto: Ralf Julke
    Bürgermeister Thomas Fabian bei seiner Rede zur Grundsteinlegung. Foto: Ralf Julke

    Was einen gleich noch an die benachbarte Kita „Einsteinchen“ erinnert. Der Ort hinter den großen LWB-Wohnblocks bietet sich geradezu dafür an, hier ruhig gelegene Infrastrukturen wie Kindertagesstätten zu bauen.

    Tatsächlich sind die Bauarbeiten für die neue, 2,4 Millionen Euro teure Kindertagesstätte schon recht weit gediehen. Die Grundplatte ist längst trocken, Teile der ersten Mauern für das Erdgeschoss stehen schon. Die Eingangssituation am noch namenlosen Weg nördlich der Kita ist schon zu ahnen. Aber jeder derart heiß ersehnte Neubau braucht seine Feier. Die Kartusche, die dann mit kindlicher Beihilfe in die Fundamentplatte eingelassen werden sollte, musste ja auch noch endgültig befüllt werden. Baupläne, LWB-Zeitung und Tagespresse steckten ja schon drin. Jetzt fehlten noch die Zeichnungen der Kinder, die sich extra hingesetzt hatten, um Bilder für die Kartusche und Zeitkapsel in die Zukunft zu malen.

    Wenn sie nur ahnten, was das bedeutet …

    Gezeichnet haben sie alle: Häuser. So ist das mit Kindern. Wenn eines eine Idee hat, machen alle mit. Falls irgendwann in vielen hundert Jahren jemand die Betonplatte aufhämmert, findet er lauter Zeichnungen von Häusern.

    Natürlich wird die Kita so lange stehen. Auch wenn derzeit in Sachsen alles so überraschend aussieht. Kaum ein Politiker, der sich nicht täglich wundert, was da alles passiert. Und dass da ständig was passiert.

    Die Baustelle zur Feier der Grundsteinlegung. Foto: Ralf Julke
    Die Baustelle zur Feier der Grundsteinlegung. Foto: Ralf Julke

    In Sachsen regieren ja die Es-passiert-nix-Politiker. Und stecken das Geld lieber in Pensionsfonds. Die grauen Haare bekommt Leipzigs Sozialbürgermeister Thomas Fabian, der vor zwei Jahren schon mal glaubte, mit einem Kita-Hauruck-Programm die Kita-Platz-Knappheit endlich in Griff zu bekommen.

    Das ging bekanntlich schief. Er hatte nur mit den in Leipzig geborenen Kindern gerechnet. Seitdem staunt er und kämmt die ergrauenden Haare. Denn seitdem hat Leipzig auch bei den unter Sechsjährigen einen positiven Wanderungssaldo. Das heißt: Jedes Jahr wandern hunderte junge Familien mit ihren Kindern nach Leipzig zu. Und brauchen natürlich auch Plätze für die Knirpse.

    Deswegen ist Fabian froh, dass die stadteigene LWB nun auch Kitas baut. 2016 hat sie die erste mit 102 Plätzen an der Elsterstraße eröffnet. Auch da in Kinder-Laufnähe zu großen LWB-Wohnblocks. Logisch, dass die Eltern dort glücklich sind.

    Logisch auch, dass die Stadt über den Aufsichtsrat Einfluss nahm und die LWB bat, dranzubleiben und noch mehr Kitas zu bauen. Die an der Brüderstraße ist jetzt die zweite.

    Rechnerisch eigentlich die dritte, sagt LWB-Geschäftsführerin Iris Wolke-Haupt. Denn die Wohnungsbaugesellschaft hat seit 2004 auch 50 Wohnungen für Tageseltern zur Verfügung gestellt. Die letzte gerade im Frühjahr. Wahrscheinlich wirklich die letzte. Denn auch die Wohnungen werden knapp. Damit sind noch einmal 250 Kinder in Tagesbetreuung, also so viele wie in einer großen Kita.

    Dabei wird es nicht bleiben. Auch nicht bei der nächsten LWB-Kita, die in Lößnig gebaut wird. Dorothee Dubrau, Baubürgermeisterin und Vorsitzende des LWB-Aufsichrates, sprach am Freitag von noch mehr Kitas, die die LWB bauen werden. „Da sind wir im Gespräch“, sagt sie.

    Denn auch ihr Kollege Fabian stellt zerknirscht fest: Es muss im selben Tempo weitergebaut werden. Was die Stadt aus dem Boden gestampft hat, reicht nicht. Noch immer stehen Eltern ohne Platz für ihr Kind da. Die gute Nachricht hat er jetzt aus dem Liegenschaftsamt der Stadt bekommen: „Das Liegenschaftsamt hat 13 weitere Grundstücke ausgemacht, auf denen wir Kitas bauen können.“ Zusätzlich, wie er betont. Zusätzlich zu den Dutzenden Kitas, die sowieso schon in der Kita-Planung stehen.

    Wer will fleißige Handwerker seh'n ... Foto: Ralf Julke
    Wer will fleißige Handwerker seh’n … Foto: Ralf Julke

    Er durfte dann auch als Erster Kladderadatsch auf die im Betonsockel versenkte Kartusche schmeißen. Unterstützt von vier strengstens ausgewählten Kindern, die extra passende Bauarbeiter-Schutzbekleidung in Kindergröße bekamen: orange Westen, gelbe Helme. Sollte ja nix passieren.

    Aber wie erwähnt: Wenn Kinder erst einmal mit Matschepampe arbeiten dürfen …

    Es dauerte gar nicht mal einen Moment, da machten fast alle Kinder mit bei Matschepampe. Das Loch schloss sich im Handumdrehen. Und es schmatzte schön. Wer von den Erwachsenen noch ganz würdig seinen Teil zum Kartuschenbegräbnis beitragen wollte, musste sich unter die Kinder mischen und mitmachen. Es war also ein richtig schöner Freitagnachmittag: kindgerecht und völlig ohne Würde. Die Sonne schien auch noch.

    Und die Bauarbeiter grinsten sich eins, denn jetzt haben sie ein Jahr Zeit, die einstöckige Kindertagesstätte für 135 Kinder (davon 46 Krippenkinder) fertig zu bauen. Im August 2018 soll das Gebäude bezugsfertig sein. Es wird, das betonte Dorothee Dubrau, in dieser Art das letzte sein. Die Stadt wächst. Aber eben nicht in die Breite. Das heißt: der Platz wird knapper. Also wird man künftig keine flachen Kitas mehr bauen, sondern den raren Platz mehrfach und mehrstöckig nutzen – zum Beispiel mit mehreren Etagen Wohnungen obendrauf.

    Kein Wunder also, dass Kinder in Leipzig ständig Häuser malen. Es ist das aktuelle Topthema: Überall wird gebaut. Und zwar künftig immer höher. Der Nachwuchs ist bereit. Und was singt der bei solchen Gelegenheiten? – „Wer will fleißige Handwerker sehn?“

    Alle.

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