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Auch 2017 war mit Sturm, Starkregen und 1,3 Grad zu viel ein typisches Klimawandel-Jahr

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    Am 25. Januar zog das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) Bilanz für das Wetter im Jahr 2017. Und die Bilanz ist eindeutig: Es reihte sich ein in die immer längere Liste viel zu warmer Jahre. Sachsen ist mittendrin im Klimawandel. Und die Landesförster bangen jetzt um die Wälder. Denn so ein Klima schafft Bruchholz und Futter für die Borkenkäfer.

    Im Detail war das Jahr ungefähr schon so, wie es zu erwarten war bei einer sich weltweit erhitzenden Atmosphäre, die aufgrund der gespeichterten Wärme auch mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Ergebnis: Stürme, lokale Starkregen, gleich mehrfach 2017 in Sachsen.

    Beim Klimawandel geht es die ganze Zeit um Energie.

    Der Sommer war dann auch der 21. zu warme Sommer in Folge. Da vergaß man beinah, dass es im April etwas gab, was fast an alte Zeiten erinnerte: Spätfröste, die auf einen viel zu warmen März folgten

    Aber das Fazit der Umweltbehörde: Unübersehbar werden Klimaveränderungen auch in unserer Region immer spürbarer. Sichtbar würden diese Auswirkungen sowohl am unmittelbaren als auch am mehrjährigen Witterungsverlauf, so das Fazit von Klima-, Wetter-, Umwelt- sowie Land- und Forstwirtschaftsexperten am Donnerstag, 25.Januar, beim 6. Jahres-Presse-Gespräch „Wetter trifft auf Klima“ in Dresden.

    Dieser Einschätzung liegt eine gemeinsame Auswertung des Landesumweltamtes Sachsen (LfULG) und des Deutschen Wetterdienstes(DWD) zugrunde. Untersucht wurde einerseits, wie sich die Witterungen und Wetterphänomene in die sächsische Klimadiagnose einordnen lassen und welche Folgen sie andererseits z. B. auf Land- und Forstwirtschaft oder auf den Wasserhaushalt hatten. Als Bezug für die Bewertung dient die Klimareferenzperiode 1961-1990.

    Das Jahr 2017 war danach mit + 1,3 Grad „viel zu warm“. Niederschlag gab es 7 Prozent mehr als im üblichen Jahresdurchschnitt, Sonnenstunden 4 Prozent.

    Differenzierter stellt sich das bei den Jahreszeiten dar.

    Seit dem Sommer 2013 waren durchgehend alle Jahreszeiten wärmer. Das ist der längste zu warme Zeitraum seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 und dokumentiert das gegenwärtig sehr hohe thermische Niveau. Darüber hinaus hat sich in den letzten drei Jahren aus der Abfolge der Jahreszeiten ein Muster abgezeichnet: Sie waren alle wärmer und mit Ausnahme des Herbstes 2017 auch sonnenreicher. Die anhaltende Trockenheit im Winter und Frühjahr 2016 wiederholte sich 2017. Darauf folgten wieder unwetterartige Gewitter mit Starkregen, Sturm, Hagel und schwülen Wettersituationen in den Sommermonaten sowie ein wechselhafter Herbst.

    Jede Jahreszeit hatte ihre Besonderheiten: Der Winter 2016/17 war mit 42 Prozent mehr Sonnenstunden „extrem zu sonnenreich“. Im Frühjahr folgte auf den mit +3,6 Grad „extrem zu warmen“ März ein folgenreiches Spätfrost-Ereignis im April. Der Mai war mit 51 Prozent weniger Niederschlag „viel zu trocken“. Der Sommer 2017 war mit +1,6 Grad „viel zu warm“ und hatte eine um 29 Prozent höhere Niederschlagssumme. Damit war der Sommer 2017 das 21. Mal in Folge wärmer und das neunte Mal in Folge niederschlagsreicher.

    Der Herbst war dann mit minus 22 Prozent „viel zu sonnenarm“ und sachsenweit zu nass. Besonders markant waren die Stürme und die 90 Prozent mehr Niederschlag im Oktober.

    „Sonnenarm“ heißt natürlich etwas völlig anderes: dicht bewölkt. Vor allem aus dem Atlantik wurden immer wieder neue, wasserreiche Luftschichten nach Mitteleuropa geschaufelt.

    Und darunter waren dann auch einige heftige Tiefdruckgebiete.

    Sachsens Wälder sind noch lange nicht für das neue Klima gewappnet

    Das Sturmtief „Herwart“ am 29. Oktober 2017 überstieg die Widerstandsfähigkeit vieler Bäume in Sachsens Wäldern. Die Schäden betrafen den gesamten Freistaat Sachsen – insgesamt sind etwa 690.000 m³ Schadholz aufzuarbeiten, melden sich auch die Landesförster zu Wort. Und sind voller Sorge, denn das Bruchholz ist Futter für einen Käfer: Die vergleichsweise günstige Ausgangssituation für den Borkenkäfer kann zusätzliche Probleme verursachen. Hintergrund ist, dass die weitere Entwicklung der Käferpopulation entscheidend von der Witterung zur Schwärmzeit der Käfer im Frühjahr 2018 abhängt.

    Hieran bemesse sich zugleich die Zeit, die landesweit für die Aufarbeitung des Sturmholzes bleibt. Im besten Fall fahre der Borkenkäfer bis dahin in der Baumrinde mit dem Holz-Lkw aus dem Wald. Durch die Schäden des Sturmtiefs „Friederike“ am 18. Januar 2018 freilich werde der Abstransport zusätzlich erschwert.

    Das hat "Friederike" getan. Foto: Marko Hofmann
    Das hat „Friederike“ getan. Foto: Marko Hofmann

    Was die Förster nicht erwähnen: Sie haben es landesweit fast überall immer noch mit den alten industriellen Monokulturen zu tun. Borkenkäfer lieben Monokulturen.

    Dass im Sachsenwald so eine Panik herrscht, hat eben damit zu tun, dass der Waldumbau noch längst nicht aus den Kinderschuhen heraus ist. Wirklich an die neuen klimatischen Belastungen angepasst ist der Sachsenwald noch lange nicht.

    Sachsens Landwirtschaft leidet unter fehlender Vielfalt

    Und auch die Landwirtschaft hatte die Extremereignisse irgendwie zu verkraften. Auch wenn die Meldung des LfULG eher die notwendige Analyse unterlässt. Sie zeigt eher, wie stark Sachsens Umweltpolitik von Wirtschaftsinteressen dominiert wird und wie sehr die Landwirtschaft bestimmt, wie es im sächsischen Umweltschutz weitergeht – oder eben nicht.

    „Bei den meisten Kulturen im sächsischen Gartenbau lagen die Ergebnisse um ein Fünftel bis ein Drittel niedriger als die fünfjährigen Mittelwerte. Die Ertrags- und Qualitätseinbußen wurden durch Hagel oder Starkregen, insbesondere aber durch das Spätfrost-Ereignis im April 2017, verursacht. Der für den Weinbau insgesamt positive Witterungsverlauf führte mit rund 26.000 Hektolitern zu einer guten Ernte. Die voraussichtliche Gesamternte 2017 ist etwas geringer als im Vorjahr aber deutlich höher als der Durchschnitt der letzten Jahre. Der Flächenertrag wird voraussichtliche bei durchschnittlich 53 Hektoliter pro Hektar liegen.

    Für die Landwirte war das durchschnittliche Ertragsniveau für Winterraps 2017 enttäuschend niedrig. Witterungsbedingte Schäden traten infolge des Spätfrost-Ereignisses im April, der Frühjahrstrockenheit im April/Mai sowie durch Hagel und Starkregen mit Windböen im Sommer auf. Dagegen konnten für Kartoffeln und Zuckerrüben die jeweils zweitbesten Hektarerträge seit 1991 in Sachsen erzielt werden. Die durchschnittlichen Erträge für Winterweizen, Sommer- und Wintergerste in Sachsen waren 2017 niedriger als in den drei Vorjahren, lagen jedoch über dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Letzteres gilt auch für Silo- und Körnermais.“

    Lokaler Starkregen und weniger Feinstaub

    In den Monaten Mai, Juni, Juli traten eine Reihe von kleinräumigen konvektiven Starkregen-Ereignissen in Sachsen auf, die teilweise zu kleinräumigen Hochwassern führten. Lokal können die Folgen solcher Starkregen überaus beträchtlich sein, so wie bei dem verheerenden Ereignis vom 14.Mai 2017 im Bereich Spitzkunnersdorf/Leutersdorf in der Oberlausitz, erklärt das LfULG. Speziell für solche kleinen Einzugsgebiete baut das LfULG derzeit ein neues Hochwasserfrühwarnsystem auf.

    Darüber hinaus entwickelt es im EU-Projekt RAINMAN entsprechende Konzepte für ein verbessertes Risikomanagement in der Pilotregion „Oberlausitz“. Hierzu sollen künftig auch Ergebnisse aus dem jüngst gestarteten Forschungsvorhaben des LfULG zu konvektiven Niederschlägen beitragen. Die Grundwassertrockenheit der letzten beiden Jahre hat sich 2017 durch mehr Niederschläge leicht entspannt.

    Gerade der warme Winter 2016 / 2017 hatte auch einen positiven Effekt: Der dritte milde Winter in Folge hatte positive Auswirkungen auf die Luftqualität in Sachsen. Nach 2015 und 2016 wurde auch 2017 der Tagesgrenzwert für Feinstaub PM10 an allen sächsischen Luftmessstationen eingehalten.

    Aber: Das ist keine Nachricht zum Entspannen. Denn die niedrigen Feinstaubwerte gab es nur, weil (auch ostwärts der sächsischen Grenze) viele Feuerungsanlagen außer Betrieb blieben und keine feinstaubbelasteten Luftmassen nach Sachsen drängten. Was aber wieder nicht nur mit der Wärme zu tun hatte, sondern auch mit dem Ausbleiben von kalten Luftströmungen aus dem russischen Raum.

    Die Bilanz: Entspannung gibt es im Klimawandel nicht. Und in vielen Teilen ist die Anpassung Sachsens an die möglichen Klimafolgen noch ganz am Anfang, oft viel zu zaghaft begonnen, oft genug ausgesessen und aufgeschoben. Munter wird Sachsens Politik immer erst, wenn es zu Extremereignissen kommt. Bei 1,3 Grad zu viel zuckt der „Umweltminister“ die Schultern und macht einfach weiter wie bisher.

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