Klima von A bis Z: Ein Wörterbuch zur großen Klimamaschine Erde – und ein paar Blinklichter zum Klima-Streit

Übers Wetter reden wir alle. Übers Klima auch - mutigerweise, auch wenn man da so eine Ahnung hat, dass man darüber wenig, sehr wenig weiß. Ein bisschen hat man in der Schule gehört über Wasserkreislauf, Klimazonen, vielleicht auch noch die großen Meeresströmungen, die das Klima regulieren. Aber schon beim Klimawandel scheiden sich die Geister. Das knistert bis in dieses kleine Klima-Wörterbuch hinein.
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Stichworte wie Klimakiller, Klimaalarmist, Klimaskeptiker und Klimaleugner hat der Autor mit aufgenommen. Auch Klimaschutz, ein Wort, das er wie die anderen dem „medialen Jargon“ zuweist. Der 1938 geborene Energiefachmann Wolfgang Brune, der von 1965 bis 1990 in der ostdeutschen Energiewirtschaft arbeitete und von 1990 bis 2003 Geschäftsführer des Instituts für Energetik und Umwelt gGmbH in Leipzig war, ist nicht ganz unparteiisch. Auch wenn er es versucht zu sein. Denn ein verständliches Wörterbuch zu dem, was mit dem irdischen Klima passiert, tut Not in Zeiten, da viele Menschen wissen wollen: Ja, was passiert denn nun? Was passiert, wenn sich die Erdatmosphäre immer weiter aufheizt, wenn die Eismassen an den Polen abschmelzen, wenn sich auch Meeresströmungen ändern? Und welche Rolle spielt dabei der Mensch? Und was kann man ändern?

Was Brune – in vielen Stichpunkten – sehr anschaulich zeigt, ist die Funktionsweise von Energieströmen in der Atmosphäre. Denn um Energie geht es am Ende, um den Einfluss von Sonnenstrahlung, die erdeigene Energieabstrahlung, die Rolle der Luft und ihrer verschiedenen Schichtungen für diese Energieprozesse und die Rolle der Gewässer bis hin zu den Meeren und ihren gewaltigen Strömungen. Brune diskutiert die Frage, ob der steigende CO2-Gehalt für das Aufheizen der Atmosphäre eine größere Rolle spielt oder doch eher der Wasserdampf für den zunehmenden Treibhauseffekt verantwortlich ist.Wobei auch der Treibhauseffekt (in mehreren Stichworten untersucht) ja per se kein negativer ist: Er gehört schlicht zum normalen Klimamanagement der Erde. Erst die anthropogenen, die vom Menschen verursachten Einflüsse haben in den letzten 100, 200 Jahren dafür gesorgt, dass sich die Treibhausgase in der Atmosphäre (wieder) vermehren und sich der Effekt so verstärkt hat, dass sich die gemessene Durchschnittstemperatur weltweit erhöht hat.

Brune diskutiert dabei auch schon die frühe menschliche Wirksamkeit auf das Klima, insbesondere das Roden der großen Waldmassen, die nach der letzten Eiszeit vor allem die Nordhalbkugel bedeckten. Durchaus möglich scheint, dass schon das allein den Beginn einer neuen Eiszeit verhinderte.

Wobei er auch betont, was viele Diskutanten gern vergessen – dass der Beginn der menschlichen Zivilisation erst nach Ende der letzten Eiszeit so ungefähr vor 12.000 Jahren begann. Und dass alles, was wir heute als „normales Klima“ ansehen, erst die heutige Zivilisation ermöglicht hat. Der Klimawandel gehört zur Erdgeschichte. Aber das, was der jetzt wahrscheinliche Wandel des Weltklimas mit sich bringt, hat mit dem Klima, das die letzten 12.000 Jahre herrschte, dann nichts mehr zu tun.

Offen ist, wie heftig es wird. Darüber streiten sich die Forscher. Denn die Erdatmosphäre ist natürlich kein lineares mathematisches Modell. Es ist ein halboffenes System mit vielen Wechselwirkungen. Energieströme spielen dabei eine wesentliche Rolle. Und der Mensch betreibt auch dann „Geoengineering“, wenn er es nicht bewusst so nennt. Die Entwaldung der Erde ist ein Beispiel dafür. Das Auffüllen von CO2 in der Atmosphäre ist ein zweites. Die „Bemühungen, das gegenwärtige Erdklima aufrechtzuerhalten“, hält Brune für gutgemeint – aber wohl auch wirkungslos.

Dass er so ganz unparteiisch nicht ist, macht er eigentlich im Kapitel „Energiewirtschaft und Klima“ deutlich. Auch er sieht die Zukunft der Energiegewinnung in Verfahren, die ohne fossile Energieträger auskommen, aber „auf Basis hoch-energieverdichteter Materiebindungsenergie“ arbeiten. Da spricht der Fachmann für große Kraftwerke – in diesem Fall also Kernkraftwerke und künftig, wenn das den Technikern überhaupt je gelingen sollte, der Kernfusion und ähnlichen Verfahren.

„Die bisher alleinige Blickrichtung auf erneuerbare Energien ist wegen deren niedriger Energiedichte und des potentiellen Konflikts mit der Nahrungsmittelwirtschaft wenig zielführend“, schreibt er. Aber damit hat er augenscheinlich seinen Fokus ganz auf der Biomasse.Im Grunde würde sich das Thema Energie für ein eigenes Wörterbuch eignen – das durchaus auch einmal alle Kontroversen zur heutigen Diskussion aufgreifen kann. In diesem kleinen Klima-Guide stört der Versuch, Partei zu ergreifen, eigentlich nur. Verdienstvoller ist der kompakte Versuch, dem lesenden Laien näher zu bringen, wie der große Erdthermostat tatsächlich funktioniert. Und welche Prozesse Einfluss auf ihn nehmen. Und damit auch das Wahrnehmen, dass die menschliche Zivilisation in einem klimatisch sehr kurzen und stabilen Zeithorizont zur Blüte gelangt ist – und dass das möglicherweise nur unter solchen Bedingungen auch geschehen konnte. Katastrophen eingeschlossen.

Die Chance, die Grundbedingungen für diesen klimatischen Zustand zu stabilisieren, hat die Menschheit wahrscheinlich verpasst. Und ob gezieltes „Geoengineering“ helfen kann, das klimatische System wieder zu „normalisieren“, dürfte zumindest fraglich sein. Denn wenn Veränderungsprozesse im Weltklima erst einmal im Gang sind, kann man sie nicht mehr bremsen. 90.000 Jahre lang war in der Vergangenheit jeweils der Zyklus, der eine neue Eiszeit einleitete. 10.000 Jahre brauchte es, eine neue (Zwischen-)Warmzeit in Gang zu setzen.

Die Epoche, in der wir augenblicklich leben, wird zwar als Holozän bezeichnet. Aber selbst die Forscher streiten sich darüber, ob diese kurze Zeitspanne nicht doch nur eine weitere Zwischeneiszeit ist, ein Inter-Glazial, – und ob menschliches Tun nicht dazu geführt hat, den Eintritt der nächsten Eiszeit zu verhindern oder auch nur zu verzögern.

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Aber da kommt man endgültig in ein völlig offenes Diskussionsfeld. Da kann man sich freilich an einen der Ratschläge halten, die Brune immer wieder einstreut: Man muss messen, beobachten, auswerten. Immer wieder aufs Neue. Und sich auch immer wieder korrigieren, wie es der IPCC, der Weltklimarat immer wieder tut, wenn sich Theorien und Interpretationen als nicht haltbar erweisen. Das Erdklima ist ein komplexes System. Und wir leben mittendrin, sind keine unabhängigen Beobachter, sondern Bewohner des Treibhauses. Was wir tun, schlägt auf uns selbst zurück. Oder auf unsere Kinder und Enkel.

Wenn man all die Teile, in denen der Autor diskutant wird, herausdenkt aus dem kleinen Wörterbuch, dann bekommt der Leser eine recht deutliche Vorstellung davon, was in der irdischen Atmosphäre tagtäglich an Wechselwirkungen passiert.

www.wolfgang-brune.eu


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