Hochschulbericht: Sachsen kleckert bei Studienberechtigung und Finanzausstattung der Universitäten hinterher

Am Freitag, 18. Mai, veröffentlichte das Statistische Bundesamt seine Broschüre "Hochschulen auf einen Blick". Eine stolze Studentin auf dem Titelbild. Eine kleine Freudennachricht: "2010: 39 % aller Hochschulabschlüsse in der Regelstudienzeit erworben". Natürlich kommt auch Sachsen drin vor. Und gehörte schon damals bei wichtigen Faktoren zu den Schlusslichtern. Bei Studienberechtigung, Promotionsquote und Finanzausstattung der Universitäten zum Beispiel.
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Die Studienberechtigtenquote ist – seit die CDU in Sachsen regiert – Jahr für Jahr ein Streitthema. Immer wieder sind den Bildungspolitikern der CDU die Übergangszahlen von der Grundschule ans Gymnasium zu hoch, wird an den Kriterien für die Bildungsempfehlungen geschraubt, als könne man dadurch junge Leute vor einem falschen Bildungsweg bewahren. Statt die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler an Sachsens Schulen ihr Potenzial entfalten können.

Vor zwei Jahren wurde deswegen wieder einmal an den Kriterien geschraubt. Mit dem Effekt, dass die Empfehlungsquote fürs Gymnasium wieder leicht sank und Sachsen da blieb, wo es auch in den Vorjahren war: bei den Schlusslichtern, bei den vier Bundesländern, in denen die Studienberechtigtenquote unter 45 Prozent blieb. Die anderen sind Bayern, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

„Sachsen braucht dringend einen Wandel in der Bildungs- und Hochschulzugangspolitik, welche die Benachteiligung unserer Schüler_innen und Absolvent_innen überwindet. Noch werden die Bildungspotentiale vieler junger Menschen aus Sachsen durch die Staatsregierung verspielt. Das kann sich Sachsen mit seiner demografischen Entwicklung und einsetzendem Fachkräftemangel nicht leisten“, sagt dazu Holger Mann, Sprecher für Hochschule und Wissenschaft der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag. „Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Studienberechtigtenquote oder Erreichen der Regelstudienzeit sind ein deutliches Alarmsignal, die vorhandenen Schulen und Hochschulen weiter zu öffnen und die Qualität der Lehre in den Blick zu nehmen. Des weiteren müssen neue Schulformen, transparentere Bildungsübergänge und bessere Hochschuleingangsphasen gefördert werden, die soziale Ausgrenzung und das frühe Scheitern von Karrieren verhindern.“

Der Wissenschaftsrat empfiehlt eine Studienberechtigtenquote von 50 Prozent. Sechs Bundesländer schafften das 2010: Baden-Württemberg, Hessen, das Saarland, Nordrhein-Westfalen, Bremen und Hamburg.“Davon ist Sachsen weit entfernt“, stellt Mann fest. „Bei den Finanzen und der Betreuung der Studierenden laufen die Universitäten längst auf ‚Überlast‘. Das Land zieht sich hier immer mehr aus seiner Förderung zurück. Seit Beginn der neuen Legislatur hat sich die Finanzierung pro Studierenden an den Universitäten um zirka 15 Prozent verringert. Auch der geringe Anteil abgeschlossener Promotionsverfahren lässt auf schlechte Betreuungsstrukturen und zu geringe Mittelausstattung der Universitäten schließen. Auch hier ist dringender Handlungsbedarf angesagt, gerade, weil diese rückständige Politik die gerade einsetzende positive Bevölkerungsentwicklung in Sachsen wieder torpediert.“

Und während das Statistische Bundesamt es schon lobenswert fand, das 39 Prozent der Studierenden ihr Studium tatsächlich in der Regelzeit beenden konnten, rangiert Sachsen auch hier unter den Schlusslichtern. Nur 34 Prozent schaffen es hier im vorgegebenen Zeitrahmen. Aber auch das Dranhängen von zwei Semestern für die notwendigen Prüfungen reicht dann bei Vielen immer noch nicht aus. Deutschlandweit sind 74,7 Prozent der Studierenden nach zwei zusätzlichen Semestern fertig, in Sachsen sind es knapp 73 Prozent.

Und das, obwohl die Betreuungsrelation 2010 im deutschen Vergleich zumindest noch einen Mittelfeldplatz ergab. An den Universitäten lag die Relation bei 17,4 Studierenden auf eine wissenschaftliche Vollzeitkraft (Bundesdurchschnitt: 17,9), an den Fachhochschulen bei 28,9 dafür schon deutlich schlechter als im Bundesdurchschnitt. Da waren es 23,7. Was auch hier schon zeigt, dass der Freistaat seine Hohelieder auf die ach so wichtige MINT-Ausbildung im „Technikland“ Sachsen schon 2010 nicht ernst nahm – denn die meisten MINT-Berufe werden an diesen Fachhochschulen ausgebildet.

Dass stattdessen die Wissenschaftsministerin sogar noch Kürzungen im Lehrpersonal verlangte, spricht Bände.

Und das auch im Zusammenhang mit dem hohen Wanderungsplus, das der Freistaat bei Studierenden auch 2010 hatte: Der Freistaat gehörte zu den Bundesländern, die 2010 durch seine Attraktivität als Studienort einen signifikanten Wanderungsgewinn auswies. So etwas ist ein harter und wichtiger Standortfaktor – dass gerade hier die so wirtschaftsverliebte Staatsregierung holzt und spart, sagt eine Menge über die Zukunftsvisionen dieser Regierung, die vom Technikstandort schwäzt, aber nicht einmal weiß, was sie dafür stärken und schützen muss.

Auch bei einem Anteil von Bildungsausländern von 8,6 Prozent stand Sachsen 2010 gar nicht so schlecht da. Wirkliche Ausreißer waren hier tatsächlich nur das Saarland (24,6 Prozent) und Bremen (14 Prozent). Der Bundesdurchschnitt lag bei 7,6 Prozent.

Dass Sachsen schon damals sein Lehrpersonal knapp hielt, zeigen die Ausgaben pro Studierenden an Universitäten. Da lag Sachsen mit 6.180 Euro auf dem drittletzten Platz. Weniger gaben nur noch das Saarland und Brandenburg aus. Der Bundesdurchschnitt lag bei 8.540 Euro.

Bei Fachhochschulen lag Sachsen dafür drüber, was zuallererst an der notwendigen technischen Grundausstattung gerade der MINT-Studienfächer liegt. 4.760 Euro gab Sachsen pro Studierenden an Fachhochschulen aus (Bundesdurchschnitt: 3.890 Euro). Und das Bundesamt für Statistik betont auch, welche Fächer hier besonders für hohe Aufkommen sorgen: Die Fächergruppen Mathematik und Naturwissenschaften schlagen zum Beispiel im Bundesdurchschnitt mit 8.100 Euro pro Studierenden zu Buche, die Ingenieurwissenschaften mit 6.600 Euro.

Dafür spart Sachsen schon seit Jahren beim Lehrpersonal und hängt bei diesen Ausgaben dafür weit hinterher – unterboten nur noch vom Saarland und von Brandenburg.

Der Bericht „Hochschulen im Blick“: www.destatis.de

Die Zahlen zur „Hochschulfinanzstatistik“: www.destatis.de


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