Bildungscampus Leipzig: Drei Notlösungen und eine fehlende Prüfungsordnung

Am Freitag, 22. Juni, stellte Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer zusammen mit Uni-Rektorin Beate Schücking das Konzept für die Erweiterung der Lehramtsausbildung in Leipzig vor. Das Projekt bekam gleich den schönen Namen "Bildungscampus". Die Lehramtsausbildung wird wieder von Master aufs Staatsexamen umgestellt. Nur an Räumen fehlt es irgendwie.
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„Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, an der Universität Leipzig eine stabile, qualitativ hochwertige und quantitativ nachhaltige Lehrerbildung anzubieten, die auch die Lehrerfort- und -weiterbildung sowie die Qualifizierung von Seiteneinsteigern einschließt“, sagte Sabine von Schorlemer zum Pressetermin in Leipzig.

Das mit dem Bildungscampus klingt schon ganz nett. Dumm nur, dass der Freistaat Sachsen gerade erst Räume auf dem geplanten Campus an der Jahnallee an die private Handelshochschule abgegeben hat. Dumm auch, dass sich die notwendige Erweiterung eben doch nicht einfach über die Sommerferien erledigen lässt.

Die Zielvereinbarung, die das Wissenschaftsministerium mit der Uni Leipzig zusammen unterschrieben hat, sieht nun vor, dass das Sächsische Staatsministerium der Finanzen die für den Aufbau des „Bildungscampus‘ Sachsen“ erforderlichen Baumaßnahmen auf dem Campus Jahnallee sicher stellt. Bis zur Fertigstellung der Bauarbeiten, die bis zum Jahr 2015 geschafft sein sollen, ist eine Interimslösung erforderlich, um die zusätzliche Zahl von Studienanfängern auffangen zu können. Dazu soll in nächster Zeit ein Gebäude angemietet werden.

Holger Mann, Sprecher für Hochschule und Wissenschaft der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, war das noch immer zu unkonkret. „Langsam sollte die Wissenschaftsministerin konkreter werden! Wie schon vor Wochen begrüßen wir, dass unserer Forderung, die Immatrikulationszahlen im Lehramt deutlich auszuweiten, nunmehr gefolgt wird, aber wirklich Neues oder gar belastbare Fakten wurden heute nicht verkündet“, erklärte er am Freitag.

Zur Ankündigung von voraussichtlich drei Interims-Quartieren für die Lehramtsstudierenden erklärt Mann: „Es ist ein Skandal, dass der Freistaat erst Liegenschaften freigiebig der HHL überlässt, um dann seinen zukünftigen Lehrernachwuchs in Container zu stecken. Qualitativ hochwertige Lernumfelder sehen sicherlich anders aus und werden dem Anspruch ‚Bildungscampus Sachsen‘ nicht gerecht. Eine verbindliche Aussage von Wissenschaftsministerin von Schorlemer und ihrem Amtskollegen Unland zu Baumaßnahmen ist notwendiger denn je.“Zudem verweist Mann auf die nach wie vor bestehenden Problematiken: „Die Staatsregierung hat die akkreditierten Bachelor- und Masterstudiengänge ohne Not abgewickelt. Jetzt schafft sie es nicht, die Lehramtsprüfungsordnung (LAPO) vor Immatrikulation ins Staatsexamen vorzulegen. Die Leidtragenden sind wieder einmal die Hochschulen und Studierenden. Man darf gespannt sein, ob die Ministerin bewussten Rechtsbruch in Kauf nimmt, da laut Hochschulgesetz der Lehrbetrieb erst aufgenommen werden darf, wenn die Studien- und Prüfungsordnungen in Kraft getreten sind.“

Was zuvor Kultusministerin Brunhild Kurth mit ihrer Notfallübung zur Sicherung des Lehrerbedarfs im Schuljahr 2012/2013 praktiziert hatte, scheint nun auch bei der Lehrerausbildung selbst die Norm zu werden: Die Probleme, deren Lösung von der Opposition nun seit zwei Jahren dringend angemahnt werden, werden in Feuerwehraktionen angepackt, Notlösungen werden eiligst aus dem Boden gestampft – doch nicht einmal die notwendigen Regelungen und Ordnungen existieren. Es ist, als wären die Dresdner Ministerien zwei Jahre lang einfach in Schockstarre verfallen und hätten auf Weisung des Finanzministers alle Zukunftsplanungen eingestellt.

Und jetzt wird das – in wahrscheinlich keineswegs billigen Hauruck-Aktionen – irgendwie versucht noch hinzubiegen.

Doch auch die Leipziger Studierenden hatten am Freitag bemängelt, dass die Lehramtsprüfungsordnung (LAPO) nicht einmal in Rohform zu diesem Termin vorlag.

„Solange wir noch keine LAPO haben, an die wir uns ja bei Erstellung der Studiendokumente halten müssen, ist es nahezu unmöglich, die neuen Studiengänge einzurichten,“ kritisierte Florian Sperber, Referent für Hochschulpolitik des StudentInnenRates der Uni Leipzig (StuRa). „Wir sehen nicht, dass es bis zum Beginn des Wintersemesters gelingen wird, gültige Dokumente zu verfassen. Ohne sie fehlt die rechtliche Grundlage für das Studium und die Uni bewegt sich am juristischen Abgrund!“

Und ob der Finanzminister tatsächlich genug Geld bereit stellt, um wenigstens den Notstart abzusichern, bezweifelt Holger Mann. „Auch bei anderen Fragen zur Finanzierung bleiben die Aussagen der Ministerin fragwürdig. Von der Einwerbung von Drittmitteln aus einer Lehrerexzellenzinitiative zu sprechen, während in Berlin noch nicht mal ein Euro Haushaltsmittel dafür bereit gestellt ist, ist fahrlässig“, sagt er. „Zu hinterfragen ist auch, wo und wie so schnell qualifiziertes Personal eingestellt werden soll, wenn man ordnungsgemäße Berufungs- und Einstellungsverfahren durchführen möchte. Bislang konnte man von noch keiner einzigen öffentlichen Ausschreibung lesen.“

Und während das Wissenschaftsministerium noch im Frühjahr nicht einsehen wollte, dass am Standort Leipzig in Sachen Lehramtsausbildung schleunigst gehandelt werden müsste (die Pläne der Uni-Leitung für einen Leipziger Bildungscampus lagen ihm da längst auf dem Tisch), hat Sabine von Schorlemer augenscheinlich im Mai der HHL noch versprochen, dass sie aus dem Gebäudebestand am Campus Jahnallee weitere Räume zur Verfügung gestellt bekäme.

Eine entsprechend kritische Anfrage hat Holger Mann deswegen extra gestellt. Die Kleine Anfrage „Sicherung der Raumkapazitäten für das Lehramt und die Sportwissenschaft am Campus Jahnallee in Leipzig“ soll noch in dieser Woche von der Staatsregierung beantwortet werden.

Die Kleine Anfrage von Holger Mann als PDF zum download.


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