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22 Bändchen zum Länderspiel: Israel als Insel-Plakat-Motiv

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    Und noch ein Insel-Plakat. So exzessiv wurde wohl noch nie der Geburtstag einer Buchreihe gefeiert wie der 100jährige der einst in Leipzig begründeten Insel-Bücherei. Das Leipziger Institut für Buchwissenschaft hat schon zwei Plakatserien zu diesem Thema veröffentlicht. Nun kommt - aus ganz besonderem Anlass - noch eines: ein Israel-Plakat. Denn heute ist das Länderspiel Israel - Deutschland in Leipzig.

    Anders freilich als die vorhergehenden Plakate wird es nicht an einem öffentlichen Stand verkauft oder in allen Buchhandlungen geflaggt. Wer eines haben möchte, kann es aber direkt über die Homepage der Buchwissenschaftler bestellen. Gedruckt wurden diesmal vorerst nur drei Exemplare.

    Und natürlich zeigt es eigentlich eher keine Israel-Titel. Wer weiß, ob in der Insel-Reihe überhaupt jemals so viele Titel von Autoren aus Israel erschienen sind. Da säße wohl eher ein Verlag wie Diogenes direkt an der Quelle.

    Aber natürlich spiegelt sich im Programm der Insel-Reihe auch und zuallererst die jüdische Geschichte in Deutschland und die wesentliche Rolle von Autoren für die jüngere deutsche Literatur, die von den kulturfeindlichen Nationalsozialisten vertrieben wurden. Stefan und Arnold Zweig sind da zu nennen. Aber auch mit dem Werk international erfolgreicher Künstler mit jüdischen Wurzeln hat sich die Reihe immer wieder beschäftigt – man findet Isaac Bashevis Singer auf dem Plakat, Marc Chagall, Anatoli Kaplan, Scholem-Alejchem und – er hat ja den Nationalsozialismus nicht mehr erlebt – Franz Kafka.
    Aber auch jüngere Vertreter der deutschen Geistesrepublik wie Norbert Elias und Teofila und Marcel Reich-Ranicki sind vertreten. Womit der wesentliche Aspekt der Auswahl deutlich wird – nämlich wie wichtige Autoren mit Wurzeln in der jüdischen Kultur für die Vielfalt, Welthaltigkeit und Emotionalität der deutschen Literatur immer waren. Deswegen ist es kein Zufall, dass Rahel Varnhagen hier ebenfalls mit einem Bändchen auftaucht.

    Aber auch Erzählungen von Martin Buber findet man, altjüdische Legenden und eine Verdeutschung des „Buchs Ijob“. Womit man denn schon bei den Wurzeln wäre und der Tatsache, dass mit dem Alten Testament der gesamte Kanon alter jüdischer Religionsdichtung zum wesentlichen Bestandteil der deutschen Literatur geworden ist. Dank Luther und trotz Luther, muss man ja sagen. Denn diesen Erzählkanon erschloss ja erst seine sprachgewaltige Übersetzung. Aber durch seine starke Anlehnung an Paulus kam auch der paulinische Antisemitismus in Luthers Werk.

    Da vergessen auch tiefgläubige Leser gern, dass fast alle Helden und Heldinnen aus der Bibel – bis hin zu Jesus und allen seinen Jüngern – Juden waren. Keine Juden und auch keine Christen waren die Herren Pontius Pilatus, Herodes und Co. Und zu Unrecht wäscht sich Herr Pilatus bis heute die Hände in Unschuld.

    Die 22 ausgewählten Titel geben natürlich nur einen kleinen Ausschnitt aus der europäischen Literatur und Kunst jüdischer Autoren und Künstler. Zumeist auch aus Kulturen, die mit den großen Pogromen und Vertreibungen von der Landkarte verschwunden sind – wie die Bukowina, die hier mit einem Gedichtbändchen vertreten ist.

    Wer das Plakat ordern will: www.uni-leipzig.de/~buchwiss/

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