Kirchenbauwerke gehören zu vielen Ortschaften. Sie sind bekannt als Wahrzeichen, Ortsmittelpunkt oder Orientierungsmarke. Die Gotteshäuser haben architektonisch, kunsthistorisch und regionalgeschichtlich vielfältige Bedeutung. Diesmal geht es um eine Kirche am Ostrand von Leipzig.

Die Kirche zu Baalsdorf ist das Kirchengebäude der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens in Baalsdorf, einem Stadtteil von Leipzig am östlichen Stadtrand. Das Gotteshaus steht direkt auf dem Anger, es ist das älteste Gebäude des Dorfes.

Geschichte

Baalsdorf wurde etwa zur Mitte des 12. Jahrhunderts gegründet. Mitten auf dem Dorfanger wurde eine sogenannte Schrotholzkirche oder „Pfostenkirche“ – eine aus grob behauenem Holz gefügte Kapelle – errichtet. Später, um 1220, entstand wohl um die Kapelle herum aus Feldsteinen, Ziegelsteinen, Lehm und Mörtel eine steinerne romanische Chorturmkirche. Romanische Bausubstanz ist im Kirchturm und im Langhaus zu finden.

Beim Umbau 1748 erhielten Fenster und Portal Gewände aus Rochlitzer Porphyr. In der Apsis gibt es eine Seccomalerei: Nach Ansicht von Fachleuten schuf diese etwa 1415 ein Künstler, dessen Stil von böhmischen Meistern geprägt war. Sie wurde 1956–1958 entdeckt und fachgerecht freigelegt und zeigt Christus als Weltenherrscher, umgeben von Johannes dem Täufer, Maria, Petrus und Paulus. Die Besonderheit ist dabei Petrus, der als Kritik am Papsttum blind dargestellt wurde.

Kirche Baalsdorf. Don-kun, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35529750
Kirche Baalsdorf. Don-kun, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35529750

Bei der Renovierung des Innenraumes der Kirche zu Baalsdorf im Jahr 2013 wurde der mehrfach umgebaute barocke Altaraufsatz entfernt, um so wieder den Blick auf die Apsis zu ermöglichen.

Bauwerk

Die Chorturmkirche wurde 1548 umgebaut. 1748 wurde sie neu ausgestattet und die Fenster vergrößert. Der Kirchturm hat einen quadratischen Grundriss mit Apsis. Es handelt sich um einen verputzten Bruchsteinbau, Kirchturm und Kirchenschiff haben ein Walmdach. Der Innenraum ist flachgedeckt mit dreiseitiger Empore, Wandmalereien, Altar, Kanzel und Taufe.

Orgel

Die Orgel schuf 1883 Orgelbaumeister Richard Kreutzbach aus Borna. Das Instrument verfügt über zwei Manuale, Pedal und elf Register. Die Firma Schmeisser betreute die Orgel 1917, 1931 und 1932. 1942 wurde ein Elektroventilator von der Firma Plagens aus Berlin-Friedenau eingebaut. 1966 erfolgten Reinigung, Reparatur und Imprägnierung von Hermann Lahmann. 1996 reinigte Siegfried Creutz aus Nentmannsdorf die Orgel und setzte sie instand.

Kreutzbach-Orgel. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=199686055
Kreutzbach-Orgel. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=199686055

Geläut

Bis 1917 hatte die Kirche ein dreistimmiges Bronze-Glockengeläut mit einer sogenannten „Heinrichsglocke“ (mittlere Glocke): die große Glocke von 1496 (1,095 Meter Durchmesser, etwa 83 cm Höhe) mit der Inschrift: „O König der Herrlichkeit, Jesus Christus, komm mit Frieden“, die mittlere Glocke aus dem 13. Jahrhundert (85 cm Durchmesser, etwa 65 cm Höhe) mit der Inschrift: „Durch Heinrich dem Sohn des Thidericus gemacht“ und die kleine Glocke aus dem 15. Jahrhundert (48 cm Durchmesser, etwa 40 cm Höhe) ohne Inschrift.

Am 10. September 1917 mussten diese drei historischen Bronze-Kirchenglocken (Gesamtgewicht 1.035 kg) im Ersten Weltkrieg als sogenannte Metallspende des Deutschen Volkes an das Lager der Kriegsmetall-Aktiengesellschaft für Rüstungszwecke abgeliefert werden.

Am 31. Oktober 1917 wurden als Ersatz drei Eisenhartgussglocken der Firma J. F. Weule aus Bockenem geweiht: die große Glocke mit Schlagton C, die mittlere Glocke mit Schlagton F und die kleine Glocke mit Schlagton As.

Blick auf Empore und Orgel. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=199686048
Blick auf Empore und Orgel. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=199686048

Als diese Glocken das Ende ihrer Nutzungsdauer von 100 Jahren erreicht hatten, sollte so bald wie möglich ein neues Geläut aus Bronze gegossen werden. Am 7. September 2020 wurden nach fast 103 Jahren die alten Glocken zu einer Andacht auf dem Friedhof letztmals geläutet und außer Dienst genommen.

Im Jahr 2017 gab es erstmals den Gedanken, die verschlissenen Eisenhartgussglocken außer Dienst zu nehmen, neue Bronzeglocken gießen zu lassen und den Kirchturm zu sanieren.

Am 11. September 2020 war im Beisein einiger Gemeindeglieder Glockenguss in der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher. Da die große Glocke beim ersten Guss misslang, musste sie am 18. Dezember 2020 erneut gegossen werden.

Altar samt Altarnische mit historischer Seccomalerei von 1415. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=199686054
Altar samt Altarnische mit historischer Seccomalerei von 1415. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=199686054

Am 17. Februar 2021 nahm der Glockensachverständige Roy Kreß die Werksabnahme der Glocken in der Glockengießerei vor. Am 16. März 2021 erfolgte deren Anlieferung, am 21. März 2021 die Glockenweihe, am 22. März 2021 wurden die Glocken in ihre Glockenstube gehoben. Am 4. April 2021, zum Ostersonntag, erklangen erstmals die neuen Bronze-Kirchenglocken.

Kirchgemeinde

Die Kirche gehört zur Kirchgemeinde Baalsdorf-Mölkau, seit 1. Januar 2021 zugehörig zum Evangelisch-Lutherischen Alesius-Kirchspiel Leipzig.

Koordinaten: 51° 19′ 23,5″ N, 12° 28′ 57,9″ O

Kirche Baalsdorf auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_Baalsdorf

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