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Düsteres Requiem „Cosmopolis“: David Cronenbergs Antwort auf die Finanzkrise

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    Robert Pattinson ist ein Phänomen. Der Twilight-Star gilt als talentfrei, fällt bei den Kritikern regelmäßig gnadenlos durch und ergattert trotzdem eine Traumrolle nach der nächsten. In David Cronenbergs "Cosmopolis" verkörpert der 26-Jährige den zynischen Spekulanten Eric Packer. Er träumt von hartem Sex und geilt sich an riskanten Finanzgeschäften auf.

    Unterwegs in seiner Stretch-Limo zum Friseurtermin führt ihn sein Weg quer durch Manhattan. Das Herz von New York steht an diesem Frühlingstag im April 2007 vor dem Kollaps. Der Präsident ist in der Stadt, militante Globalisierungsgegner sind auf den Straßen und Rapper Brutha Fez wird unter großer Anteilnahme seiner Fans beerdigt. Packer schleicht sich durch dieses Chaos samt Leibwächtern, Frau, Liebhaberin und Leibarzt im Schritttempo voran, ohne wirklich voran zu kommen. Am Ende einer 24-stündigen Odyssee verliert er mehr, als ihm lieb ist.
    Altmeister David Cronenberg („Eine dunkle Begierde“) inszeniert, basierend auf Don DeLillos gleichnamigen Roman, ein düsteres Requiem auf die moderne Welt. Sein Protagonist betritt fahlblass die Bühne und erweckt pausenlos den Eindruck, als habe er mit sich und der Welt längst abgeschlossen. Der Regisseur erzeugt mit einer durchweg kalten, düsteren Katastrophenstimmung eine subtile Spannung, während er sich nach Freud’scher Logik fast zwei Stunden lang an Packers Seelenleben abarbeitet.
    Ein Jammer, dass ihm statt Wunschbesetzung Collin Farrell mit Robert Pattinson ein Schauspieler serviert wurde, der die psychologische Tiefe seiner hochinteressanten Rolle bestenfalls im Ansatz zu ergründen weiß. Juliette Binoche wirkt an seiner Seite wie ein lahmer Sidekick. Trotz schauspielerischer Schwächen zählt „Cosmopolis“ zu den besseren Filmen, die aktuell über die Leinwand flimmern. Dank David Cronenberg, dessen Psycho-Kniffe den Zuschauer wie gewohnt in ihren Bann ziehen. Sein Film ist eine gnadenlose Abrechnung mit Finanzkrise, neoliberaler Globalisierung und New Economy.

    Kanada/Frankreich 2012, R: David Cronenberg, D: Robert Pattinson, Juliette Binoche, Sarah Gadon, 113 Min, FSK 12.

    Cosmopolis ist aktuell zu sehen im CineStar und den Passage Kinos.

    Mehr zum Film:
    www.falcom.ch/cosmopolis

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