Finale nach zehn Jahren: Am 29. November steigt der Aller-Aller-Letzte Windorfer Abend

Jedes Ding hat seine Zeit. Und zehn Jahre sind schon eine erstaunlich lange Zeit. Zehn Jahre lang war der "Windorfer Abend" der kulturelle Höhepunkt in Großzschocher-Windorf. Am Donnerstag, 29. November laden Ingolf Bauer und seine Mitstreiter zum letzten Windorfer Abend ein. Dem aller-aller-letzten Windorfer Abend.
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„Nach mehr als zehn Jahren haben wir, ein Kreis von Freunden aus der Region Süd-West, beschlossen, dass es nun genug ist. Schon vor fünf Jahren meinte ein Journalist, dass hier wohl die am längsten bestehende Veranstaltungsserie Leipzigs sei. Na dann jetzt erst recht. Es war für uns Macher eine schöne Zeit mit vielen interessanten Themen und Gästen“, resümiert der Musiker, Moderator und Kultur-Organisator die zurückliegende Zeit. „Wirtschaft, Politik, Sport und Kultur boten immer neue Anknüpfungsmöglichkeiten. Prominente Gesprächspartner wie z.B. Fred Delmare, Gunter Böhnke, Dieter Bellmann oder auch Michael Weichert, Christine Dölle, Erika Zuchold, der unvergessene Günter Grabbert und und und… – sie waren natürlich das Salz in der Suppe von so manchem Abend.“

Natürlich war es eine Erfolgsgeschichte, die sich auch an den fast immer ausgebuchten Plätzen ablesen lässt. „Wir wissen, dass viele der Zuhörer traurig sind, dass es nun vorbei ist. Sie mochten das besondere Format der Show, unsere weit gefächerten musikalischen Ideen, unsere Art zu talken und das angenehme Ambiente im Hotel Windorf. Wir möchten uns bei der Familie Fröhlich auch recht herzlich für die uneingeschränkte Unterstützung bedanken. Aber nichts währt unendlich. Wir hören auf und bedanken uns gern bei allen treuen Besuchern im Südwesten Leipzigs und darüber hinaus.“

Familie Fröhlich betreibt das Best Western Hotel Windorf, wo der rappelvolle Kulturabend regelmäßig stattfand. Der eben nicht nur Prominente zum Gespräch einlud. Wäre er nur das gewesen, der Abend hätte sich wenig von anderen Formaten in der Stadt unterschieden. Doch Bauer und seine fünf Mitstreiterinnen und Mitstreiter waren auch neugierig. Sie luden sich Gesprächspartner aus Großzschocher und Umgebung ein, um die Entwicklungen in diesem ganz besonderen Leipziger Winkel zu beleuchten – über Erfolge zu sprechen (wie die weiterhin unvergleichliche Chronik Großzschocher-Windorf) und über Dinge, die besser werden könnten. Man lud Originale und originelle Unternehmer aus der Region ein – kümmerte sich auch um Lamas, Wein und Schlösser. Wer vorher noch keine Lust hatte, aus seinem Großzschocher mal raus zu kommen, bekam sie.Und wenn es nur die Anregung war, mal den Pleißeradweg Richtung Süden zu fahren oder zum Weinverkosten an die Saale. Natürlich waren auch Weinköniginnen da, Archäologen und Autoren.

Die Organisation war nicht immer einfach, weil die sechs Macher des Abends sich immer wieder selbst übertreffen wollten. Da schätzten sie ihre Leistung oft viel geringer ein, als sie war.- „Aber gut. Da gab es eben auch diesen ‚Heimatbonus‘, ohne den wir vielleicht schon eher aufgehört hätten. Die meisten am Gelingen des Abends Beteiligten sind in Großzschocher und Umgebung groß geworden und haben einen engen Bezug zu diesem Stadtteil. Das war nicht ohne Gewicht. Wir haben also auch für viele Freunde, alte Bekannte und nette Anwohner diese 10 Jahre durchgehalten. Wurzelpflege, wenn man so will“, schreibt Bauer in einem richtig großen Statement zum Abschied. „Zudem war es in Summe eine ausgesprochen gute Erfahrung, diese besondere Show so und genau so gemacht zu haben. Ich denke übrigens, dass das spezielle Format des Windorfer Abends so noch kaum da gewesen ist und dass es, aufgrund unseres besonderen Potentials, auch nicht gleich Nachahmer finden kann. Moderation, Musik, regional bezogene Songs, Videokunst, außergewöhnliche multimediale Präsentationen und ein Musiker- und Sängerteam (Cassiopeia LE) in dieser Kombination und quasi aus einer Hand soll uns erst einmal jemand nach machen. (Bleibt die Frage, ob das wirklich jemand braucht? Da wäre ich eher pessimistisch.)“

Genau dieser letzte Satz: Das ist Ingolf Bauer. Natürlich braucht das keiner. Jedenfalls nicht, wenn man den Maßstab von Rendite und möglichen Einnahmen nimmt. Aber um so eine Rendite ging es nie. Zehn Jahre lang war der Windorfer Abend auch ein Ersatz für das, was dem Ortsteil verloren gegangen ist. Und anderen Ortsteilen ebenso. Wenn in Leipzig über Kultur debattiert wird, denken alle immer gleich an Oper und Gewandhaus. Und nicht an das Leben in den Ortsteilen, die damit wenig bis gar nicht beglückt wären, gäbe es nicht immer wieder Enthusiasten, die etwas auf die Beine stellen und dabei auch noch Stimmung machen wie Bauer und seine Musiker.

Zum letzten Windorfer Abend gibt es die bewährte Mischung. Aus Knautkleeberg kommt Andreas Kühn, der als Fahrrad-Experte auch der allererster Talkgast 2002 war. Es kommt der oft und gern eingeladene Maler Rainer Pleß und die ebenso gern eingeladene Grit Triebe vom Elster-Wein-Gut. Was mit dem „running gag“ der Veranstaltung zu tun hat, denn in Großzschocher-Windorf ist man der festen Überzeugung, dass Windorf einmal ein Weindorf war und die Wingert-Gasse an die Weingärten des Mittelalters erinnert, die es gab, bevor die Kleine Eiszeit die Gegend weinunverträglich machte.

Der Letzte Windorfer Abend findet am Donnerstag, 29. November, um 19.30 Uhr im Best Western Hotel Windorf statt. Einlass ist ab 19 Uhr. Es gibt nur noch wenige Karten an der Abendkasse.

Und wer die ganze lange Abschieds-Nachdenk-Rede lesen will, findet sie hier: www.igsbauer.de/seite14.htm


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