Mehr als Musik: Die SKiLLZ! Awards geben der HipHop-Szene Leipzigs eine Bühne

Für alle LeserHipHop ist mehr als nur Rap. Hinter dem Genre versteckt sich eine Kultur, die verschiedene Künstler/-innen vereint und auch in Leipzig präsent ist. Seit 2015 rollen die SKiLLZ! Awards für diese Szene den roten Teppich aus. Im Interview mit der Leipziger Internet Zeitung erzählt Mitbegründer Tobias Bieheim über die Geschichte der Awards, die pandemiebedingte Absage der diesjährigen Veranstaltung und wie es um die Zukunft der Kulturbranche steht.
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SKiLLZ! gibt es nun schon seit fünf Jahren. Was ist die Vorgeschichte hinter den Awards?

Wir haben uns von der Bier-Idee am Tisch zu einem HipHop-Award im UT Connewitz für die Stadt Leipzig entwickelt. Wir wollten die verschiedenen Künstler aus der Szene zusammen auf einen roten Teppich bringen, um sie zu verbinden und den anderen in und außerhalb der Stadt nahezubringen.

Dabei war es egal, ob klassicher Boom-Bap-Rap, Straßenrap, HipHop-Tanz, Beatbox, portabler Turntablism, synthesizerhafte Produzenten oder Writer. Grundlage dafür bildeten die Magazine rapcircus.de und raputation.de. Wir haben Logo, Figur und eben einen Acrylblock entworfen, der in verschiedenen Kategorien als Award überreicht wurde.

Skillz steht für HipHop und die Kultur, die er geschaffen hat. Was umfasst diese Kultur für euch? Welche Elemente bringt ihr in die Awards mit ein?

Wir finden, dass die Kultur als solche ganz schön in den Hintergrund gerückt ist. Ich selbst komme aus einer Zeit, in der die einzelnen Elemente wie Rap, HipHop- und Breakdance, Graffiti, Turntablism bzw. DJing und Beatbox in einem Raum, der Cypher, stattgefunden haben. Sie waren verbunden und kreative Ausdrucksmöglichkeit. Man hat sich gegenseitig mit Energie befeuert und damit auch inspiriert.

Heute hat sich jedes Element einzeln für sich entwickelt. Deshalb ist unser großes Anliegen, das Gemeinsame wieder zu verbinden, ebenso wollen wir die Veränderungen und aktuelle Entwicklungen mit einbeziehen: Beatproduzenten, Modelabels, politische Diskussionen und vieles mehr gehört ebenso dazu wie die Ursprungskultur der 80er Jahre.

Skillz Gruppe. Foto: Marcel Gershon

Skillz Gruppe. Foto: Marcel Gershon

Finanziell konntet ihr euch letztes Jahr mit einer Party im Absturz auf der Karl-Liebknecht-Straße über Wasser halten. Wie sieht es dahingehend dieses Jahr unter diesen widrigen Umständen aus?

Dieses Jahr war es erst mal wie jedes Jahr. Wir wussten nicht, ob wir überhaupt irgendetwas an finanziellen Mitteln bekommen. Wir haben es wieder an verschiedenen „Ecken“ versucht. Ein kleines Einkommen war auch durch Merch möglich, den man auf www.skillzleipzig-shop.de erhalten kann. Insgesamt haben wir in den fünf Jahren ein Jahr ohne Förderung gearbeitet – in Vertrauen auf die Einnahmen durch den Eintritt.

Dann haben wir zwei Jahre Förderung bekommen, dann wieder nicht – da gab es dann auch keinen Eintritt mehr. Es ist ein Glücksspiel und wir reden hier natürlich nur von den wirklich fixen Grundkosten. Von Arbeitszeit, Gagen und so weiter wollen wir gar nicht erst anfangen. Die Party wie 2019 war so wirklich einmalig und ist vielen im Gedächtnis geblieben.

Auch die Online-Version der Awards musste leider abgesagt werden und richtet damit all eure Energie auf das kommende Jahr. Was habt ihr für 2021 bisher geplant bzw. angedacht?

Unser aktueller Plan war bis vor ein paar Tagen erst mal 2020. So viel gibt es da gerade noch nicht zu sagen, nur dass wir die spannenden Themen aus den Podiumsdiskussionen nicht verpulvern, sondern aufheben wollen: HipHop in der DDR, Leipziger HipHop History Part II, Sample-, Künstler- und Verwertungsrechte sind nur einige davon. Vielleicht wächst das Ganze aber auch auf zwei Tage und das Team vergrößert sich. Dahingehend gibt es gerade einige Ideen.

Wie kann man euch als HipHop-, Musik- und Kultur-Fan oder kulturell bzw. politisch engagierte Person helfen, die Pandemie zu überstehen? Was wäre euch noch wichtig zu sagen in diesen dunklen Zeiten für die kreative, bunte Branche?

Wichtig ist, nicht aufzugeben. Wenn man wirtschaftlich davon abhängig ist, sollte man versuchen andere und neue Wege zu gehen. Das kann auch unheimlich befreiend sein. Und da wir alle vor dem gleichen Schicksal stehen, sollten wir wieder mehr zusammenhalten – und auch schauen, wo wir uns verbinden können. Musik kann deine Stimmung verändern, Lachen und Tanzen sowieso.

Klingt einfach, aber die kleinen Dinge helfen dir. Ich würde mich auch freuen, wenn noch mehr größere Künstler/-innen ihre politische Verantwortung wahrnehmen.

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