Kita-Plätze: Unterschriftensammler aus der Südvorstadt wollen Erweiterung der Kita „Konfuzius“ verhindern

Ein DIN-A4-Blatt sorgt seit dem vergangenen Wochenende im Leipziger Süden für Aufregung. Während das Rathaus von empörten Eltern und sich empört gebenden Politikern belagert wird, die der Verwaltung vorwerfen, sie hätte nicht schnell genug ausreichend Kita-Plätze geschaffen, ruft das Blatt zur Unterschriftensammlung gegen eine Kita-Erweiterung auf.
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Es geht um die Pläne, die Kindertagesstätte des Vereins zur Unterstützung berufstätiger und alleinerziehender Eltern e. V., die 2009 in der Lößniger Straße 6 nahe am Bayerischen Bahnhof eröffnet wurde, 2013 zu erweitern. Der Leipziger Süden gehört zu den Stadtquartieren, die schon seit Jahren ein Problem mit zu wenig Betreuungsplätzen haben.

Die Kindertagesstätte mit dem eindrucksvollen Namen „Konfuzius“ bietet aktuell 155 Plätze. Sie soll durch einen Anbau um 89 Plätze auf dann 244 Plätze erweitert werden. Das genutzte Gelände soll dann 3.000 Quadratmeter umfassen, die Außenfläche 2.500 Quadratmeter. Den beiden Autoren des Flugblattes – Michael Bauch und Renate Nolte – geht es scheinbar um die schiere Größe der Kindertagesstätte. Sie zählt jetzt schon zu den größten in der Stadt. Und sie würde „in ein bestehendes Wohngebiet hineingezwängt“. Und außerdem würde ja auf dem Gelände des Bayrischen Bahnhofs demnächst noch eine Kindertagesstätte gebaut.Sie halten die „Nutzung für nicht gebietsverträglich“. Aber einen anderen Grund für die Aktion lassen sie zumindest durchblicken: „Die Räume werden in den Abendstunden an verschiedene Gruppen vermietet, so dass neben der KiTa-Nutzung regelmäßige Musik- und Tanzveranstaltungen in den Abendstunden und an den Wochenenden stattfinden.“

Die beiden Unterschriftensammler sind Betroffene. Der Architekt Michael Bauch ist bei der Klose Immobilien GmbH & Co. KG, die in der Lößniger Straße 4 ihr Büro hat, tätig. Auch Renate Nolte ist Architektin. Ihr Büro hat sie auf der gegenüberliegenden Seite des Karrees in der Arthur-Hoffmann-Straße 47.

Trotzdem wirkt ihre Aktion in einer Zeit, in der die Stadt Leipzig mit aller Not dringend benötigte Kinderbetreuungsplätze schaffen muss, etwas skurril. So sieht es auch die Leipziger Kita Initiative.“Das ist ein Schlag ins Gesicht, vor allem für die Eltern aus der Südvorstadt, die dringend Kita-Plätze benötigen“, erklärt Susann Böhm, von der Leipziger Kita Initiative. „Die Südvorstadt ist einer der kinderreichsten Stadtteile Leipzigs und das ist auch gut so! Ich bin empört über die Unterschriftenaktion zweier Anwohner gegen die Kita-Erweiterung. Gerade jetzt sollten doch alle Kräfte gebündelt werden, um den Kita-Ausbau voranzutreiben.“

Die neu entstehenden Betreuungsplätze würden dringend benötigt.

„In was für einer Gesellschaft leben wir, in der man sich über Kinder aufregt, nicht aber über den Lärm einer benachbarten Müllentsorgungseinrichtung?“ fragt Susann Böhm weiter. „Kinder gehören zur Gesellschaft, genauso wie Rentner und andere Gruppen. Die Forderung nach einer Verbannung aus einem Wohngebiet ist diskriminierend und dem gesellschaftlichen Zusammenleben nicht förderlich.“

Könnte man ja auch fragen, warum man gegen die Bespielung der Kita-Tagesstätte in den Abendstunden und am Wochenende nicht anderweitig protestiert?

„Kinder haben in der Regel einen den Ruhezeiten entsprechenden Tagesrhythmus, im Gegensatz zu anderen Lärmbelastungen“, stellt Christian Ehle von der Leipziger Kita Initiative fest. „Ich kann nicht verstehen, wie sich Anwohner gegen eine Kita-Erweiterung aussprechen, zumal die Kita schon existiert und die anscheinende Belastung ohnehin schon vorhanden ist. Auch das Argument mit der noch zu realisierenden Kita am Bayrischen Bahnhof ist untragbar. Es fehlen in Leipzig über 2.000 Betreuungsplätze, vor allem in kinderreichen Stadtteilen – dies kann nur behoben werden, wenn alle an einem Strang ziehen.“

Für Ehle ist die Unterschriftensammlung auch unsolidarisch. „Für uns Eltern ist es zur Zeit eine Qual, einen Kita-Platz zu finden. Nachdem das Problem von der Politik seit Jahren verschlafen wurde, ist es für uns unzumutbar, wenn sich nun auch noch Anwohner gegen Kitas aussprechen“, sagt er. „Das ist realitätsfern und zeugt von fehlendem Verständnis. Kinder sind die Zukunft. Und zwar von allen.“

Die Planungsliste der Stadt: www.leipzig.de/imperia/md/content/51_jugendamt/2011_12_12_neubau_kita.pdf

Der Aushang gegen die Kita-Erweiterung als PDF zum download.


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