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Kirchliche Erwerbsloseninitiative Leipzig: Seit 20 Jahren für andere da

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    Der von der Politik bejubelte Aufschwung ist auch bei der Kirchlichen Erwerbsloseninitiative angekommen. "Leute, die bisher Hartz IV bekommen haben, haben jetzt Arbeit und Hartz IV", heißt es in der Beratungseinrichtung in der Ritterstraße 5. Etwa 6.000 Menschen suchen hier jährlich in existenziellen Fragen Rat und Unterstützung.

    „Ist die Tatsache, dass die Arbeit der KEL ungebrochen notwendig ist, ein Grund zum Feiern?“, fragt man sich in diesen Wochen im Haus gleich neben dem Nikolaieck. „Beraten, Begleiten und Begegnen“, so beschreibt das Team um Heike Knechtel sein Aufgabenspektrum. Es geht um Fragen rund um das Arbeitslosengeld II, um Hilfe beim Ausfüllen von Formularen oder Verfassen von Bewerbungen, um Schuldnerberatung oder die Begleitung bei Behördengängen.

    Darüber hinaus reklamiert Heike Knechtel für die kirchliche Institution auch einen politischen Auftrag. So wird sie nicht müde, von der Politik ein Bekenntnis zum sozialen Arbeitsmarkt einzufordern. Man müsse „Beschäftigungsfähigkeit“ und „Arbeitsfähigkeit“ voneinander trennen, erklärt sie beim Pressefrühstück, denn es gebe in Deutschland Menschen, „die für den Arbeitsmarkt nicht geeignet sind, wie wir ihn heute kennen“.

    Die Praxis des örtlichen Jobcenters, wie die Leipziger ARGE jetzt heißt, kennt die resolute Frau von der KEL aus den Schilderungen der Ratsuchenden, wie aus ihrer Mitarbeit im Beirat der Behörde in der Georg-Schumann-Straße. In Leipzig werde „die Sanktionspolitik hochgefahren, und man ist auch noch stolz darauf“, kritisiert sie die Politik des örtlichen Jobcenters gegenüber den Unterstützungsempfängern. Auch deshalb plädiert Heike Knechtel für ein Bedingungsloses Grundeinkommen: „Dann fällt die ganze Tyrannei weg, und wir haben wieder selbstbestimmte Menschen.“Das Haus in der Ritterstraße ist nun schon fast zwei Jahrzehnte ein Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen. Als Arbeitslosigkeit 1990/91 auch in der Messestadt urplötzlich zum massenhaften Schicksal wurde, konnte und wollte sich die Gemeinde an der Nikolaikirche dieser gesellschaftlichen Herausforderung nicht tatenlos entziehen. Der damalige Nikolaipfarrer Christian Führer und eine Gruppe von Betroffenen baute die Initiative auf.

    Die KEL besteht nun 20 Jahre. Bereits zwei Jahrzehnte wird hier Dienst am Nächsten geleistet. Orientierung gibt dabei ein Leitspruch von Dietrich Bonhoeffer: „Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.“ Oder um es mit den Worten von Heike Knechtel zu sagen: „Wertschätzung kostet kein Geld“. Man könne den Menschen sehen, müsse keinen Behördenkatalog abarbeiten, ergänzt KEL-Mitarbeiterin Dorothea Klein.

    Den von der Politik bejubelten Aufschwung „merken wir daran, dass Leute, die bisher Hartz IV bekommen haben, jetzt Arbeit und Hartz IV haben“, so Dorothea Klein weiter. Im Juli 2010 habe es in Leipzig 7.000 Vollzeitbeschäftigte gegeben, die zusätzlich Hartz IV-Leistungen bekamen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, nennt Heike Knechtel bedrückende Zahlen. Aktuelle Daten hätte ihr das Jobcenter noch nicht übermittelt. Hier könne die Politik unmittelbar Abhilfe schaffen: mehrere in der Runde nennen den „Mindestlohn“ als überfälligen Problemlöser. Und da wäre noch das Leipziger Sozialticket, das vor allem diese so genannten Aufstocker nutzen, und für dessen Einführung und Erhalt sich die KEL gemeinsam mit anderen eingesetzt hat.Auf der anderen Seite werden schrittweise die Wirkungen des sächsischen Kürzungshaushaltes spürbar. So kann die KEL ihr gerade begonnenes Projekt zur Insolvenzberatung nicht weiterführen. Beim Diakonischen Werk als großer evangelischer Wohlfahrtsorganisation, die viele sozialstaatliche Aufgaben subsidiär wahrnimmt, seien die Einschnitte in Sachsen schon spürbar. Die KEL würde hingegen zu gut 70 Prozent aus Mitteln der evangelisch-lutherischen Landeskirche finanziert. „Die KEL steht auf gesunden Füßen, weil sich die Landeskirche klar positioniert hat“, unterstreicht Heike Knechtel.

    So wird der 7. Februar auch ein Tag des Dankes an alle sein, die sich in den letzten zwanzig Jahren für Menschen in materieller Bedrängnis und für die KEL eingesetzt haben. Neben dem traditionellen Friedensgebet um 17 Uhr in der Nikolaikirche wird zuvor eine kleine Dankeschön-Veranstaltung stattfinden.

    www.ke-leipzig.de

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