21. März ist Tag des Waldes: Ökolöwe protestiert, Uni-Wissenschaftler forschen

Am kommenden Montag, dem 21. März, ist der Tag des Waldes. Anlässlich der üppigen Baumfällungen auf und an den Leipziger Deichen mitten im Jahr der Wälder wird der Ökolöwe eine Informations- und Protestaktion auf dem Augustusplatz veranstalten. Etwas leiser protestieren Leipzigs Wissenschaftler - gegen den fortschreitenden Waldverlust weltweit.
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In jedem Jahr geht weltweit eine Waldfläche verloren, die acht mal so groß wie Sachsen ist. Ein unverantwortlicher Raubbau, findet der Leipziger Ökologe Prof. Christian Wirth. Ökologie und Biodiversität sind ein Kernthema im Zukunftskonzept der Fakultät Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie. In diesem Schwerpunkt geht es vor allem um die Erforschung der funktionellen Biodiversität: Bakterien, Pilze, Pflanzen und Tiere werden nicht nur mit modernsten molekularen Methoden erfasst, sondern in Experimenten auch ihre Bedeutung für Ökosysteme untersucht.

Beispiel dafür ist das soeben angelaufene EU-Forschungsprojekt „FunDivEUROPE“, das für „functional diversity“ steht. An sechs verschiedenen europäischen Standorten von Spanien bis Finnland wird von 24 Partnerinstituten aus 15 Ländern untersucht, ob artenreiche Wälder ökologisch besser „funktionieren“, unter anderem als Klimaregulatoren, und mehr Ökosystemdienstleistungen vollbringen als artenarme.

Dazu werden sowohl experimentelle Pflanzungen, als auch unterschiedlich artenreiche Altwälder untersucht. Gemessen wird die Holzproduktion, die Kohlenstofffestlegung, der Umsatz von Wasser und Nährstoffen, der Totholzreichtum und die Biodiversität von Tieren und Bodenpflanzen.

In diesem hochkarätigen EU-Forschungsprojekt ist Professor Wirth einer der sechs „work package leader“ und mit seiner AG Spezielle Botanik und Funktionelle Biodiversität für die Datensysteme und Datenpflege zuständig. „124 Baumarten gibt es in Europa“, erklärt der Biologe, „Aber wie sich deren Eigenschaften auf wichtige Ökosystemefunktionen auswirken, das wollen wir herausfinden“. Ziel sei es, schließlich Empfehlungen für die Forstwirtschaften zu geben. Das von der Uni Freiburg koordinierte Gesamtprojekt ist auf vier Jahre angelegt.

Bevor der Mensch die Erde besiedelte, war noch über die Hälfte der Landoberfläche bewaldet, heute nur noch 30 Prozent. Und von diesem Rest kann nur noch ein Viertel als ungestörter Urwald bezeichnet werden. Die Tropenwälder in Südostasien werden, wie auch die Wälder in Amazonien, derzeit am heftigsten geplündert. Vielerorts verschwinden sie für den Anbau von Plantagen und Weideland. Dabei sind sie zusammen mit den borealen Zonen Sibirien, Alaskas und Kanadas die letzten Urwälder unserer Erde.
„Alle Wälder in Mitteleuropa“, so Prof. Wirth, „sind durch Menschenhand verändert. Es gibt bei uns keine Urwälder mehr.“ Urwälder sind auch das Thema des Buch „Old-Growth Forests“, das Christian Wirth 2009 als Herausgeber veröffentlicht hat. „Alte Wälder binden große Mengen an Kohlendioxid“, fand der Wissenschaftler heraus. „Bisher hatte das niemand vermutet.“ Immer ging man davon aus, dass sich die Kohlenstoffbilanz in Urwäldern die Waage hält. „Bis ins hohe Alter von 600 Jahren verhalten sich Wälder wie ein Schwamm, der das Kohlendioxid förmlich aufsaugt.“ Außerdem wird extrem viel Kohlendioxid frei, wenn diese Wälder abgeholzt werden. In seinem Buch schlägt der Wissenschaftler vor, internationale Regelungen zu schaffen, die die Abholzungen verhindern. Einfach zu kontrollieren wäre das heute schon per Satelliten-Überwachung.

Denn Wälder sind nicht nur wichtige Klimaregulatoren sondern auch Hort der Biodiversität auf unserem Planeten: 80 Prozent aller Landlebewesen leben in Wäldern.

Umso erstaunlicher ist da, dass auch in Sachsen der Wald eher nicht als schützenswertes Biotop betrachtet wird. Mitten im Leipziger Auenwald sind ja im Januar und Februar die konservativen Hochwasserschutz-Vorstellungen des Freistaates Sachsen mit dem Schutz des Waldes kollidiert.

Für die Leipziger bietet der Auwald neben Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten auch Naturerlebnis pur, stellt der Ökolöwe fest. Der Auenwald versorgt die Stadt mit Frischluft, dient als Staubfilter, schützt vor dem allgegenwärtigen Verkehrslärm und bietet einer Fülle von Pflanzen- und Tierarten Lebensraum. In Zeiten des Klimawandels spielt der Auwald als CO2-Speicher eine nicht unwesentliche Rolle für Leipzig. Er verbessert das Kleinklima, weil er die Luftfeuchtigkeit erhöht und Temperaturschwankungen reguliert. Der Leipziger Auwald ist ein natürlicher Überschwemmungsraum und Regenrückhalteraum und schützt die bewohnten Gebiete bei Hochwasser vor Überflutungen. Bei Hochwasser reinigen sie das Wasser von organischen und mineralischen Stoffen. Im größeren Maßstab gesehen spielen Auwälder auch in der Trinkwasserversorgung eine wichtige Rolle. Die Grund- und Trinkwasserreserven werden nach dem Versickern und Reinigen der Niederschläge wieder aufgefüllt. Nicht zuletzt verschönert der Wald auch die Stadt.

Die Vereinten Nationen erklärten 2011 zum Internationalen Jahr der Wälder. Auch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat dafür eine große Kampagne gestartet, „Entdecken Sie unser Waldkulturerbe!“ heißt die Überschrift.

Offensichtlich benötigt die allgemeine Wertschätzung für den Wald dringend Rückenwind, stellt der Leipziger Ökolöwe fest.

Von 9 bis 18 Uhr werden Ehrenamtliche des Vereins und besorgte Leipziger und Leipzigerinnen auf dem Augustusplatz über den Zusammenhang zwischen Auwald und Hochwasserschutz, den Kahlschlag und das bisher zu wenig beachtete Hochwasserschutzkonzept für die Stadt Leipzig von 2004 informieren.

www.oekoloewe.de

Zur Website der AG Spezielle Botanik und funktionelle Biodiversität:
http://alfresco.uni-leipzig.de/spezbot


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