Das zentralbosnische Travnik ist eine von Leipzigs Partnerstädten. Leben erhält so eine Partnerschaft durch Kontakte zwischen den Menschen. Noch besser sind gemeinsame Projekte. So tanzen seit 2008 Jugendliche aus beiden Städten miteinander. Mit Ruth Schlorke vom Grünauer Kreativzentrum sprach L-IZ über das gemeinsame Tanzprojekt.

Nichts hält eine Partnerschaft lebendiger und frischer als gemeinsame positive Erlebnisse. Das Tanzen ist in besonderer Weise dazu geeignet, eine Verbindung zwischen Menschen aufzubauen. Von einer solchen Verbindung durch Tanz wird auch die Partnerschaft zwischen Leipzig und Travnik getragen.

Die Idee wurde am Rande einer Jugendweiheveranstaltung 2006 in Leipzig geboren, erinnerte sich Ruth Schlorke. Mit “Colours of Dance” bestritt die Tanzpädagogin einen Teil des Festprogramms. Festredner war an diesem Tag der grüne Landtagsabgeordnete Michael Weichert, der sich von Anbeginn an um Kontakte nach Travnik kümmerte, Unterstützung organisierte, Begegnungen ermöglichte.

Gemeinsam begann man 2008 ein Tanzprojekt mit dem Arbeitstitel “Begegnen, wieder sehen, weitergehen”, das die Entwicklung von Nachkriegsjugendlichen in Bosnien-Herzegowina zum Thema hatte. Und so fuhr die Grünauerin Ruth Schlorke im Frühjahr vor drei Jahren mit Teilen ihrer Company zur Eröffnung des Leipziger Platzes nach Travnik. Bereits zur damaligen Eröffnungszeremonie präsentierten die Tänzerinnen vom Grünauer Kreativzentrum zusammen mit dem örtlichen Tanzensemble unter der Leitung von Maja Djuric eine gemeinsame Choreographie.Seitdem ist der Kontakt nicht mehr abgerissen. Im Juni 2008 nahmen die Travniker Künstlerinnen an der Festwoche zum 15. Geburtstag des Kreativzentrums in der Garskestraße teil. Als dann im Folgejahr 2009 das Grünauer Tanz- und Musikfest seine Premiere hatte, traten die Travnikerinnen wieder auf.

Daraus entwickelte sich schrittweise die Tradition, dem Grünauer Tanz- und Musikfest einen Länderschwerpunkt zu widmen. Zum Auftakt 2009 war dies naheliegenderweise Bosnien-Herzegowina, wie Ruth Schlorke erzählt. Im Vorjahr stand unser Nachbarland Polen im Fokus. Hier bot das Engagement der Stadtwerke Leipzig in der Region Gdansk die Anknüpfungspunkte.

Wenn am letzten Juniwochenende das diesjährige 3. Grünauer Tanz- und Musikfest eröffnet werden wird, heißt der Länderschwerpunkt Ukraine. Den Anlass bildet das anstehende Jubiläum der Städtepartnerschaft mit der ukrainischen Hauptstadt Kiew, die vor 50 Jahren geschlossen wurde. Und 2012 soll dann die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba im Mittelpunkt stehen.Nun ist Grünauer Tanz- und Musikfest doch ein recht langer Name. JuniFreunde ist da als Bezeichnung eingängiger und schlägt zugleich den Bogen zu dem Anspruch, Künstler aus Leipzigs Partnerstädten in das Fest einzubinden. “Es macht einfach Freude, sich Gäste einzuladen”, so Ruth Schlorke. Mit dem Länderschwerpunkt erhielten JuniFreunde ein Highlight. “Der Begriff JuniFreunde hat so Lebendigkeit bekommen”, unterstreicht die Mitorganisatorin des Festes.

JuniFreude habe “in den zurückliegenden Jahren die Kulturlandschaft des Stadtteils Grünau, insbesondere auf interkultureller Ebene, gestaltet und einen positiven Beitrag zur Darstellung des Stadtteils geleistet”, lobt denn auch Schirmherrin Dr. Gabriele Goldfuß. In ihrem Grußwort zum diesjährigen Festival hebt die Leiterin des städtischen Referates für europäische und internationale Zusammenarbeit zugleich den “sehr wichtigen Beitrag zum internationalen Erfahrungsaustausch” hervor, den JuniFreunde leisten.

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Nun sind die Kontakte zwischen den Tänzerinnen und Tänzern aus Leipzig und Travnik nicht auf das Fest JuniFreunde beschränkt. So gewann eine gemeinsame Company im November 2009 bei den 9. Offenen Thüringer Tanzmeisterschaft in Erfurt und wurde mit der Choreographie “Magie der Nacht” Publikumsliebling.

Zwei Mal im Jahr ist Ruth Schlorke in Travnik. Beim jüngsten Besuch in diesem Frühjahr konnte die Zusammenarbeit des Kreativzentrums mit der Stadt Travnik bis 2013 festgeschrieben werden. Diese Verbindlichkeit und Langfristigkeit in den Verträgen hat die Leiterin des Grünauer Kreativzentrums sehr beeindruckt. “Dass man sich auf Augenhöhe begegnet, war eine wunderbare Erfahrung”, sagt die Tanzpädagogin über ihre Gespräche mit Travniks Bürgermeister Tahir Nendo, der zwischenzeitlich in die dortige Kantonsverwaltung gewechselt ist. Nun sind im Haushalt von Travnik bis 2013 Mittel für ein gemeinsames Tanzprojekt mit den Leipzigern gebunden. Und natürlich sollen in zwei Jahren, wenn das Kreativzentrum 20 Jahre alt wird, die Freunde aus Travnik wieder mit dabei sein.

www.kreativzentrum-gruenau.de

www.junifreunde.de

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