Global Space Odyssey: Eine friedliche Demo und mehr Teilnehmer 2011 + Bildergalerien

Sie rollt wieder durch die Messestadt - die Global Space Odyssey ist seit 13 Uhr vom Connewitzer Kreuz auf dem Weg zum Lindenauer Markt, um anschließend am Richard-Wagner-Hain auszuklingen. Dort wartet auch die Popoolär-Bühne mit illustren Leipziger Acts. Doch bis dahin wummern elektronische Klänge durch Leipzigs Straßen. Eine Livebegleitung.
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Es geht um Freiräume und um Subkultur. Die Leipziger Jugendlichen und Engagierten versuchen mit der Global Space Odyssey auf eine prekäre Situation in Leipzig aufmerksam zu machen. In Zeiten, wo das NPD-Zentrum in der Odermannstraße fast schon städtischer „Schutzraum“ geworden ist, dagegen kulturelle Freiräume wie das Superkronik und die Tangofabrik schließen mussten oder müssen, wird es eng mit der Subkultur in Leipzig. Slogans wie „Kultur ist mehr als Oper und Gewandhaus“ bringen es auf dem Punkt. Während Kulturbetriebe um die Jugend zu buhlen versuchen, wollen junge Leute ihre eigenen Freiräume haben.
Schätzungsweise die gleiche Anzahl an Demonstranten wie im Vorjahr – ca. 3.000 Menschen – ziehen momentan, kurz vor 15 Uhr zum City-Ring im Leipziger Zentrum, um dann über die Jahnallee zum Lindenauer Markt zu kommen. Laut Grünen-Stadtrat für den Leipziger Süden, Norman Volger ist die Zahl der Anwesenden schwer zu schätzen. Ständig kommen neue Leute hinzu, gehen aber wieder welche ab. Volger stellt nur fest, dass Jahr für Jahr mehr Polizei hinzu gezogen wird, was seiner Ansicht nach nur provozierend wirkt.

Auch wenn die BeamtInnen freundlich schauen und mitlaufen, werden sie von den Demonstrationsteilnehmern schlicht ignoriert. Der laute Kulturzug GSO verläuft bislang friedlich und ruhig. Und mit der entsprechenden öffentlichen Wirkung für die Anliegen.
15:25 Uhr Jahnallee
Es dröhnt, es drückt, junge Menschen tanzen. Die Global Space Odyssey hat die Jahnallee erreicht. Aufgrund der Vorjahresbilder kann man eher davon ausgehen, dass an diesem angenehmen Tag ohne Regen und mittleren Temperaturen mehr junge Leute als noch im vergangenen Jahr den Weg auf die Straße – zur Demonstration gefunden haben. Für fast eine halbe Stunde lang geht nichts mehr am Nadelöhr zwischen der Haltestelle Leibnizstraße und dem Waldplatz.

15:50 Uhr
Auch die polizeiliche Präsenz hält sich, verglichen mit der Teilnehmerzahl letztlich in Grenzen. Vorausfahrende Polizeifahrzeuge sperren Kreuzungen, eine Kette von Beamten läuft vor dem Zug her. Während die Demonstranten eher mit dem Tanzen beschäftig sind, regeln die Bamten den Verkehr und wirken eher als Aufpasser, denn als Einsatzpolizei. Keiner der Beamten trägt echte Einsatzmonitur – es sieht nach einer von allen Seiten ermöglichten friedlichen und fröhlichen Party aus.
Nachtrag am Rande: Ein etwa 50-jähriges Ehepaar steht während des Durchzuges an der Jahnallee. Darauf angesprochen, ob sie erschrocken seien wegen des Auflaufes oder sich gestört fühlen, lautet die Antwort mit einem Schmunzeln: „Wir sind doch extra hergekommen, um uns das hier anzuschauen, junger Mann. Das ist doch toll.“

17:02 Uhr: Die GSO zieht über die Brücke am Elsterflutbecken Jahnallee Richtung Lindenauer Markt, wo sie einen Schwenk machen wird, um zum Richard-Wagner-Hain zu ziehen. Der Tross wird gegen 18:30 Uhr dort erwartet. Inzwischen treffen mehr Leute auch hier ein, um bei entspannten elektronischen Klängen auf den Picknickdecken zu sitzen und mit Kindern zu spielen. Die kleine Popoolär-Bühne ist als Zelt auch aufgebaut. Organisator Lutz Leukhardt freut sich auf das erste Popoolär-Konzert mit der größtmöglichen Fanzahl von Tausenden Besuchern. Die erste Band KlezzKavice ist auch schon eingetroffen.
19 Uhr: So schön kann also eine Demo sein. Laut, bunt und friedlich – so beziehen die meist jungen Leipziger Position – und haben Spaß dabei. Würde man bereits jetzt schätzen wollen, käme man wohl sicher auf den einen oder anderen mehr als noch 2010.

Eine Party-Demo wächst und hat es seit diesem Jahr geschafft, noch mehr, vielleicht am Schluss bis zu 5.000 Menschen mitzuziehen. Nachdem die meisten, größeren Wagen ab etwa 18 Uhr an der Klingerbrücke abgestellt und „zurückgebaut“ werden, versammeln sich immer mehr Menschen, teils mit einem Grill in der Hand am Elsterufer zu einem milden Sommerabend mit Live- und Konservenmusik. Währenddessen steuern einige Einsatzfahrzeuge der Leipziger Polizei erstmal die Tankstelle an der Marschnerstraße an – viel zu tun hatten sie heute nicht.Bis hier hatte die Polizei keinerlei Probleme, die Teilnehmer hielten sich auf dem Zug quer durch Leipzig mit dem Alkohol zurück und es scheint bereits jetzt sicher – im nächsten Jahr dürfte der bunte Umzug eine Wiederholung erfahren. Dann weiß sicher auch das Rentnerpärchen am Straßenbahnhof Angerbrücke vorher Bescheid. Zirka 17 Uhr auf einer Bank sitzend, gabs erst Verärgerung über die Straßenbahnverspätungen zu hören, dann die Frage, ob es wieder die blöden Nazis seien und ein zustimmendes Lächeln am Ende des Gespräches. Man war auch mal jung und es sei gut, da kann man auch mal eine halbe Stunde auf die Bimmel warten – dann kam die Straßenbahn angerollt.
21 Uhr: Die GSO feiert am Richard-Wagner-Hain. Nachdem im Laufe der vorhergehenden Demonstration eine Schweigeminute wegen der Anschlagsopfer in Norwegen eingelegt worden war, ist nun die Stimmung wieder ausgelassen. Offenbar konnten einige der größeren LKW nicht wie geplant, bis zum Elsterufer fahren, weil den Veranstaltern der Schlüssel für das Öffnen der Poller fehlte, weshalb sie wie bereits berichtet, den Heimweg antreten mussten.
Also steigt die Party auf der grünen Wiese mit vielen jungen Leuten an den Veranstaltungszelten, wo Klezmer, Dub und Techno die Leute zum Tanzen bringen. Ab 22 Uhr startet dann die GSO Party im Werk II mit verschiedenen DJs. Die Polizei hat sich inzwischen weitgehend zurückgezogen, der Arbeitstag für die meisten Beamten ist bei dieser durchgehend friedlichen Demonstration nun beendet.

Weitere Informationen zur Werk II-Party
www.werk-2.de Global Space Odyssey

Zur Seite der GSO im Netz
www.gso-le.de
Einfach zum Vergrößern die Vorschaubilder anklicken:

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