Helfer in Liebertwolkwitz brauchen selbst Unterstützung: Das Katzenheim am Rande der Stadt

Die Katze, ein gefährliches Wesen. Zumindest berichtete so ähnlich eine große Tageszeitung in der vergangenen Woche, als eine Frau von einer Katze angefallen wurde. Schade, dass eine Katze nicht reden kann. In Liebertwolkwitz schützen 15 Katzenfreunde 75 Katzen und versuchen, ihnen ein einigermaßen normales Leben zu ermöglichen - soweit es die Finanzen zulassen.
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Auf ungewöhnlichem Wege geht es zu einem ungewöhnlichen Leipziger Verein. Durch ein verrostetes Tor kurz vor dem Ortseingangsschild Großpösna führt ein unscheinbarer, gut befahrbarer Schotter- und Feldweg an einem Hundeplatz vorbei zur Interessengemeinschaft Katzenschutz e.V.: Zwei Häuser, ein alter Bauwagon, aus dem jeden Moment Peter Lustig springen könnte, ein wenig Wiese und ein paar Bäume formen das Ambiente für die Heimat von zahlreichen Katzen.

Die Interessengemeinschaft Katzenschutz macht ihrem Namen alle Ehre. Sie hat Interesse: Interesse daran, dass Katzen geholfen wird. Fast verhungerten Katzen aus Abrisshäusern. Katzen, deren Halter nicht mehr für sie sorgen können, oder Katzen, die schlechtweg ausgesetzt worden sind. Davon gibt es in Leipzig nach wie vor allerhand. Nicht immer gehen Finder mit ihnen so sorgsam um wie die IG Katzenschutz.Um die 75 Katzen tummeln sich aus den verschiedensten Gründen in ihren Gebäuden. „Es kam auch schon mal eine Frau auf das Gelände gefahren, lud eine Katze im Körbchen ab, stieg wieder in ihr Auto und fuhr weg“, erzählt Michael Clemens, einer der insgesamt 15 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins. Er hat heute Dienst auf dem Gelände, ist seit dem frühen Vormittag hier, hat alle Zimmer und die Freigehege der Katzen gereinigt, Futter hingestellt, die Näpfe abgewaschen. Eigentlich sind die ehrenamtlichen Helfer immer zu zweit, nur heute ist Clemens ausnahmsweise mal allein. Doch der Katzenliebhaber, der zu Hause selbst drei Katzen hat, hat trotzdem alles im Griff und Zeit für eine Führung durch die Häuser.

Zu jedem der acht Zimmer in den beiden Flachbauten gehört ein überdachtes und eingezäuntes Freigehege mit unzähligen Decken, Gartenstühlen, Klettermöglichkeiten. Bis zu fünf Katzen tummeln sich hier oder in ihrem Zimmer, wo jede mindestens ein eigenes Körbchen hat und sich an den vorhandenen Kratzbäumen die Krallen wetzen kann. Es ist erstaunlich ruhig in den Räumen, die alle durch eine Glastür einsehbar sind, beim Betreten verschwinden die meisten Tiere. Nur die ganz gemütlichen Stubentiger bleiben liegen und gucken skeptisch.Idealerweise sollen sie hier nicht ewig leben, aber vermittelbar sind trotzdem nicht alle. „Wenn Leute hierherkommen, um eine Katze zu holen, dann muss die die schönste von allen und sehr jung sein. Für die Alten, die auch mal ein Leiden haben, interessieren sich kaum Leute“, erzählt Clemens.

Jeden Samstag ist das Gelände offen für Interessenten, die gegen eine Schutzgebühr Tiere mitnehmen können. Derzeit sind 18 Stubentiger vermittelbar, die anderen werden wohl ihr restliches Leben mit Clemens und den anderen Helfern verbringen. Chronische Bindehautentzündung, Unsauberkeit, Scheu oder einfach das Alter – der Ablehnungsgründe gibt es viele in einer Gesellschaft, deren Mitglieder immer nur das Schönste und Beste haben wollen. Die ehrenamtlichen Helfer machen keine Unterschiede. Mittwochs kommt sogar eine Helferin für zwei Stunden nur zum Schmusen mit den Katzen in die Häuser, der sogenannte Streicheldienst. Sie kommt zu allen Katzen.Doch bei allem Enthusiasmus, den die IG, bei der zwei Tierarzthelferinnen den Hut auf haben, seit 2001 an den Tag legen, gibt es natürlich auch immer wieder schwer überbrückbare Probleme, und wie bei fast jedem Verein ist das zuallererst der schnöde Mammon. Die Führung geht am Futterregal vorbei. Schätzungsweise 70 400g-Dosen stehen hier im obersten Fach. Es wird in knapp zwei Tagen leer sein. Eine Dose kostet mindestens 40 Cent.

In jedem Zimmer müssen mehrere Katzenklos stehen, die zwar die Katzen froh machen dürften, aber eben auch befüllt werden müssen. Das Katzenstreu kostet, die Entsorgung auch. Der große Container auf dem Gelände ist mehrmals im Jahr voll, für die Entsorgung nimmt die Firma einen relativ geringen Preis, er ist aber trotzdem noch deutlich dreistellig. Finanziert wird alles über Spenden, zum Großteil von den Helfern selbst.

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„Das Katzenfutter ist fast alle. Ich werde morgen mit dem Auto kommen und neues mitbringen“, sagt Clemens. Jeder bringt zudem regelmäßig Katzenfutter mit. Beim Heizöl funktioniert das allerdings nicht, genau das wird aber demnächst wieder gebraucht. Derzeit ist der Tank so gut wie leer. Der Tierarzt lebt auch nicht von der Luft allein. Zudem müsste ein Teil der Freigehege irgendwann saniert werden.

Zusammen haben die Mitglieder IG bisher zahlreiche Probleme lösen können – zum Wohle der Katzen. Wie es einer Interessengemeinschaft Katzenschutz würdig ist, aber „wir würden uns schon sehr freuen, wenn uns Leute in Form von Geld- oder Sachspenden helfen könnten“, bittet Clemens, der sich kurz darauf verabschiedet. Zeit für die letzte Fütterung, das Regal wird leerer.

www.katzenschutz-leipzig.de


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