Mit „Platzhirsch“ Michael Ernst durchs Gondwanaland (1): Fraß und Spaß

Als Bereichsleiter für den Themenbereich Gondwanaland hatte Michael Ernst seit der Eröffnung im Juli ordentlich Arbeit zu verrichten. Mittlerweile hat sich der Andrang leicht gelegt, Tierpfleger Michael Ernst hat wieder mehr Zeit. Zum Beispiel, um mit L-IZ.de über den täglichen Spaß der Dianameerkatzen und den täglichen Fraß der Totenkopfaffen zu schwatzen.
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Locker und entspannt sitzt er auf der Terrasse im Gondwanaland. Michael Ernst erreicht nach dem enormen Ansturm auf die größte Tropenhalle Europas wieder etwas schneller seine Ziele in seinem neuen Bereich, muss sich zumindest unter der Woche nicht mehr den Weg bahnen, wird nicht mehr so häufig angesprochen. Aber er wird es noch. „Können wir mal ein Foto mit Ihnen und meinem Kleinen machen?“, fragt eine Mutter. „Na klar“, antwortet Michael Ernst zuvorkommend, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen. Eine Erinnerung daran, wo er gerade stehengeblieben ist, braucht er nicht. Tiere und der Zoo sind sein Metier, da steckt er drin.
Er kennt seine Schützlinge. Hinter ihm ist die Insel auf der sich die Totenkopfäffchen austoben, möglicherweise auf der Suche nach einem kleinen Snack. „Die Insel ist die einzige Anlage im Gondwanaland, die frei von Wollläusen ist“, schmunzelt Ernst, denn keine andere Affenart benötigt soviel tierisches Eiweiß in ihrem Futter, 80 Prozent sollten es schon sein. So werfen Ernst und die anderen Tierhelfer den Affen regelmäßig Eidechsen oder kleine Schlangen zum Fraß vor, wohl wissend, wie sich die Affen in der freien Wildbahn ernähren. „Da räubern die auch Vogelnester aus. Wenn der Vogel auf seinem Ei sitzen bleibt, dann wird er gleich mitgefressen.“ Drei bis fünfmal täglich wird die komplette Gruppe von acht Äffchen gefüttert. Manchmal ist auch Katzen- oder Hundefutter dabei – „als Leckerli“. Alle Äffchen stammen aus dem Zoo Halle, die Eingewöhnung in der Tropenhalle verlief ordentlich. „Je höher eine Art entwickelt ist, desto schwieriger wird es auf der individuellen Ebene, die Tiere an eine neue Umgebung zu gewöhnen“, erläutert Ernst.

Zunächst sahen die acht Äffchen die neue Umgebung nur durch das Käfiggitter, nach einiger Zeit wurde wechselweise immer die Hälfte der Gruppe zum Schauen für eine gewisse Zeit auf die Insel gelassen. „Wir wussten aber, dass die große Gruppe immer zusammenbleiben will und sich deshalb die vier Freigelassenen sowieso nicht so weit vom Käfig entfernen werden“, so Ernst. Irgendwann kam der Tag, an dem dann alle aus dem Käfig durften. „Als Tierpfleger hat man einfach im Gefühl, wann der richtige Zeitpunkt ist.“ Seitdem hangeln sich die nur bis zu 1,1 Kilogramm schweren Primaten über ihre eigene Insel. Demnächst bekommen sie noch ein paar Freunde dazu, drei Äffchen aus dem Tierpark Nordhorn haben sich angesagt.
Perspektivisch sollen sich im Gondwanaland immer zwischen zehn und fünfzehn dieser Äffchen tummeln. „Mehr vertragen auch die Pflanzen auf der Insel gar nicht.“ Schon jetzt haben hier Insekten keine Chance. Fliegen, Spinnen oder eben Läuse wandern sofort ins Maul der Affen, die im Englischen aufgrund ihrer flinken Bewegungen „squirrel monkeys“, also Eichhörnchen-Äffchen, genannt werden. Im Deutschen hat sich der Name Totenkopfaffen durchgesetzt. „Warum das so ist, findet jeder raus, der mal in das Gesicht der Affen guckt. Das sieht aus, als wenn die eine Totenkopfmaske auf hätten“, findet nicht nur Michael Ernst.

Bei den Dianameerkatzen ist die Namenserklärung da schon etwas spitzfindiger, denn sie beruht wahrscheinlich auf einem Missverständnis. Ernst ist sich jedenfalls sicher, dass es mit der Katze, wie wir sie kennen, nichts zu tun haben kann. „Es gibt keine Gemeinsamkeiten zwischen den Tieren.“ Möglicherweise ist der Name von „markata“ aus dem Sanskrit abgeleitet, was „Affe“ bedeutet, vielleicht auch aus dem burischen „meerkat“, was eigentlich für „Tier, was übers Meer kam“ steht und irgendwann falsch übersetzt wurde. Letzterer Version folgt auch Michael Ernst.

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Den Altweltaffen, die vorwiegend in Westafrika leben, wird es schnurzegal sein, woher ihr Name stammt. In einem Gehege mit den Zwergflusspferden machen sie in den Bäumen auch so ordentlich „Ballett“ und beziehen bei ihren Aktivitäten auch ihre Mitbewohner mit ein. „Die finden das immer wieder ganz witzig, dass sich unten etwas bewegt worauf man etwas werfen kann“, berichtet Ernst. Zu einem Schlagabtausch sei es allerdings noch nie gekommen. „Die Affen sind den Zwergflusspferden ziemlich egal.“ Klappert einmal der Schieber hinter den Kulissen des Gondwanalands haben die Dianameerkatzen sowieso ihr Gelände verlassen, denn dann gibt’s was zu beißen. Abends gern mal ein Stück gekochtes Rindfleisch oder ein wenig Ananas.

Wenn das Gondwanaland abends schließt, bekommen alle Tiere ihre letzte Mahlzeit für den Tag, die Tierpfleger gehen ihre letzte Runde. Zur Ruhe kommt die Tropenhalle allerdings nie. „Im tropischen Regenwald ist nachts auch mächtig was los“.

VGWortLIZ

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