Naturkundemuseum Leipzig: Engagierte Bürger legen Konzept vor und machen neuen Standort-Vorschlag

Leipzigs Bürgern liegt ihr Naturkundemuseum am Herzen. Das haben auch die Stadtoberen zu spüren bekommen, als man der Meinung war, das Haus als Nebensache abtun, ja, gar schließen zu können. Der vielstimmige Aufschrei aus des Volkes/Wählers Munde rückte das Haus jedoch wieder ganz nach oben auf die Liste der zu erledigenden Angelegenheiten des Kulturdezernats.
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Jetzt hat der Arbeitskreis Naturkundemuseum beim Forum Bürgerstadt sogar ein Konzept für das Naturkundemuseum vorgelegt.

Michael Reinhardt, Koordinator des Arbeitskreises: „Das Konzept ist lediglich eine Anregung von Leipziger Bürgern, was in der Region Leipzig als das Besondere an einem Naturkundemuseum heraus- und dargestellt werden soll. Wir betonen, dass es nicht als fertiges Konzept zu verstehen ist. Genauso wenig wird hier die Frage der Finanzierung beachtet. Ziel und Zweck unserer Arbeit ist es alleine, „den Motor am Laufen“ zu halten, der zu einem zukunftsfähigen Konzept führen soll.“

Die Ziele des Arbeitskreises seien es, das Naturkundemuseum zu erhalten und mit zu gestalten. Die Sammlung, die regionale Forschung sowie die zahlreichen am Naturkundemuseum tätigen Fachgruppen sollen erhalten werden. Weiter soll für alle Besucher ein attraktives Bildungsangebot geschaffen, das öffentliche Interesse geweckt und der Bekanntheitsgrad erhöht werden.

Michael Reinhard: „Wir legen besonderen Wert darauf, dass ein Dialog mit allen Beteiligten geführt wird. Also mit Experten, Freunden und Förderern sowie Bürgern und Schulen, die alle ihre Wünsche, Ideen und Meinungen einbringen, damit ein ganzheitliches Konzept entstehen kann.“In seinem Konzept legt der Arbeitskreis auch eine Begründung vor, warum Leipzig das Naturkundemuseum braucht. So sei es als Bildungseinrichtung für Natur- und Umweltbildung ebenso wichtig wie als Bestandteil eines vielfältigen Kultur- und Bildungsangebotes der Stadt. Hier erfahre man Wichtiges zur Wechselbeziehung zwischen Natur und Kultur, die Entwicklung der regionalen Kulturräume werde aufgezeigt genauso wie das Museum ein Archiv der Natur darstellt, mit der Verpflichtung, zu sammeln und zu bewahren.

Darüber hinaus diene die regionale Forschung als Grundlage für globale Fragestellungen. Auch bei den Besonderheiten, die das neue Museum auszeichnen können, stützt man sich im Arbeitskreis auf regionale Alleinstellungsmerkmale wie den Auwald, die ausgedehnte Braunkohleregion sowie die daraus resultierende Nachfolgelandschaft „Neuseenland“ und die einmalige Sammlung „ter Meer“, bestehend aus wertvollen Präparaten.

Bezüglich des Auwaldes stellt man sich unter anderem eine lebensgroße, begehbare Auwald-Darstellung als einladendes Entrée des Museums in die weiteren Ausstellungen vor. Ein weiterer Schwerpunkt soll die weltweit größte und einzigartige Sammlung des Präparators H.H. ter Meer bilden. Seltene Exponate ausgestorbener Tiere sowie der künstlerische Aspekt und die einmalige Bedeutung des Werkes stellen laut Arbeitskreis eine große Attraktion dar. Ob Darstellung des Präparationsvorgangs via Animation, Vorträge über die Geschichte der Präparationskunst, eine Mitmachwerkstatt, Präparate zum Anfassen oder Schaukästen mit „Zoomfunktion“, dem Gestaltungspielraum seien da keine Grenzen gesetzt.Besonders spannend verspreche das Konzept der Zeitreise zu werden. Hier stellt man sich vor, die Epoche von der Kohlezeit bis hin zum Neuseenland anschaulich zu gestalten. Begonnen bei einem Zeitraum von vor rund 45 Millionen Jahren (Eozän) bis zu den Tagebauen und Folgelandschaften der Jetztzeit könnten laut Arbeitskreis jeder Etappe eigene Ausstellungsräume zugeordnet werden, die optisch, akustisch, olfaktorisch (vom Geruch her) und haptisch (vom Tasten her) die Besonderheiten dieser einzelnen Zeiträume darstellen. Hinzu kämen nach den Vorstellungen des Arbeitskreises Sonderausstellungen als wichtiger Baustein für ein aktuelles, abwechslungsreiches Angebot. Diese könnten mit Präsentationen neuester Forschungsergebnisse und Schauveranstaltungen zu den verschiedensten Themen ergänzt werden und somit für noch mehr Anziehungskraft sorgen.

Auch der Vernetzung mit anderen Institutionen der Regionalforschung und Umweltbehörden misst man großes Gewicht bei. So könnte das Museum als zentrales Netzwerk zum Beispiel für die Uni, den botanischen Garten, der HTWK, dem Zoo, dem Umweltforschungszentrum oder dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie dienen. Weiterhin wäre das Museum als Anlaufstelle zur Information über weitere Museen, Aktivitäten und Bildungsangebote mit Schwerpunk Natur im Leipziger Raum denkbar.

Eine weitere Idee des Konzeptes ist eine interaktive Internetseite „Naturkundewerkstatt Leipzig“. Ein virtueller Rundgang durchs Museum soll die Aufmerksamkeit für das Museum steigern, öffentliches Interesse wecken, Bürgerwünsche aufnehmen und als mögliche Plattform für Spendenaktionen dienen. Ein größere Rolle bei der Mitgestaltung und Ideengebung sollen laut Konzept auch die Leipziger Schulen beziehungsweise deren Schüler spielen. Marion Hoffmann vom Arbeitskreis: „Immerhin handelt es sich bei rund 40 Prozent der Museumsbesucher um Schüler. Somit gewinnt der Bildungsauftrag des Museums an Bedeutung.“

Neben den schon bekannten, bereits in der Diskussion stehenden Standorten macht der Arbeitskreis mit dem Ehemaligen VEB Leipziger Kommissions- und Großbuchhandel (LKG) in der Prager Straße einen neuen, durchaus interessanten Vorschlag. Die Lage sei zentral und gut erreichbar, konzeptkonforme Flächen für Ausstellungen, Forschung, Archive, Mitarbeiter sowie entsprechende Servicestellen und Sonderausstellungen seien hier gegeben. Über die wirtschaftlich-sachliche Eignung müsste ein unabhängiges und geeignetes Expertengremium eine Wirtschaftsanalyse vornehmen, so Michael Reinhardt.

Das gesamte Konzept als PDF zum Download.


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