b@ch für uns! Eine neue poppige Marke soll junge Leute fürs Bachfest begeistern

Man sieht den Touristen das Entzücken an, wie sie da am Morgen des 14. September den Thomaskirchhof entlanggeschlendert kommen, den übergroßen Thomaskantor auf seinem Sockel stehen sehen und - gleich daneben einen bunten "Pappkameraden", der beinah so aussieht wie das berühmte Bach-Gemälde. Aber ohne Gesicht, denn da kann durchgucken, wer sich traut.
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Und sich ablichten lassen von seinen Begleitern – mit goldener Perücke vor quietschgrünem Hintergrund. Eine Woche lang wird dieser erste Sendbote des kommenden Bachfestes auf dem Thomaskirchhof stehen. Eine Gelegenheit für alle, die sich immer schon einmal im Kostüm des berühmten Komponisten und Thomaskantors sehen wollten. Vielleicht gibt’s künftig noch Gelegenheiten. „Aber daran arbeiten wir noch“, sagt Franziska von Sohl, Sprecherin des Bacharchivs. Denn insgesamt fünf solcher poppigen, peppigen Bach-Figuren gibt es jetzt – stabil, transportabel und keineswegs von Pappe.

Auch wenn Olaf Wagner, Kommunikationschef der Total Raffinerie Mitteldeutschland GmbH, am Mittwoch beim Presse-Lunch mehrfach flapsig vom Pappkameraden spricht. Darf er auch, denn sein Unternehmen ist neben der BMW Niederlassung Leipzig/Sachsen Sponsor eines neuen Schwerpunkts innerhalb des Bachfestes. Und der „Pappkamerad“ in seinen leuchtenden Farben steht genau dafür. Es steht auch drauf: „bach für uns“. Oder in der grafischen Gestaltung: „b@ch für uns“.
Und es wird im nächsten dreiviertel Jahr auch im Stadtbild sichtbar, als Plakat und Leuchtposter. Damit eine Idee in die Welt getragen wird, mit denen sich Dr. Dettloff Schwerdtfeger und die Organisatoren des Bachfestes seit mindestens zehn Jahren herumschlagen: Wie bekommt man die Kinder und Jugendlichen dazu, sich für klassische Musik im Allgemeinen und für Bach im Speziellen zu begeistern?

Ist die Musik nicht zu schwer und anspruchsvoll? Ist der Bursche mit seiner Schulmeisterperücke nicht zu steif und gar nicht flippig-jung? Ist es nicht zwangsläufig so, dass das Publikum etwas älter ist? – Nicht unbedingt. Mehrere experimentelle Projekte innerhalb des Bachfestes haben längst gezeigt, dass sich selbst Rockbands und Jazz-Musiker für Bach interessieren und für junges Publikum faszinierende Konzerte auflegen können. „Es gibt eigentlich keine Musikrichtung, in der man sich noch nicht mit Bach beschäftigt hat“, sagt Dr. Dettloff Schwerdtfeger.
Und an der Musikschule Leipzig und auch einer Handvoll Schulen mit musikbegeisterten Lehrern gibt es natürlich die intensive Beschäftigung mit der Musik des Leipziger Meisters. 2011 gab’s sogar das erste Experiment, junge Leute innerhalb eines Wettbewerbs für die kreative Interpretation der barocken Musik zu gewinnen. „BachSpiele“ hieß das Projekt, bei dem die nato sich engagierte. Mit erstaunlichem Erfolg: Zwei Teilnehmerbeiträge waren so gut, dass sie beim nächsten Bachfest auf der Bühne zu erleben sein werden.

Dann als eigenständiger Beitrag der neuen Marke „b@ch für uns!“, mit der ab 2012 alle Konzerte und Angebote für Kinder und junge Leute innerhalb des Bachfestes gebündelt werden. Und das sind – beim ersten Durchzählen – 20 an der Zahl. In neon-bunten Faltblättern werden sie in den nächsten Monaten gezielt beworben. Sie umfassen erstmals eine Kooperation mit der Musikschule bei einem Orchesterworkshop, hochkarätige Konzerte für Eltern und Kinder, eine Reise in die Welt der Orgeln, Schulkonzerte im stimmungsvollen Sommersaal des Bosehauses und natürlich wieder den Wettbewerb „Bachspiele 2012“, für den sich junge Leute zwischen 14 und 27 Jahren jetzt bewerben können. Profis und Nicht-Profis, Tänzer, Rapper, Sprayer, Slammer, Modeschöpfer … Das poppige Bildmotiv für „b@ch für uns!“, das nicht von ungefähr an den berühmtesten aller Pop-Art-Künstler erinnert, zeigt im Grunde, wohin das Ganze soll.“Wir haben uns im Vorfeld angeschaut, was andere große Musikfestivals auf dem Gebiet machen“, erzählt Heike Bronn, Inhaberin der Agentur Dreh- und Angelpunkt, die den neuen Schwerpunkt im Bachfest organisiert hat. Vorher gab’s zwar schon die Rubrik „Bach familiär“. Die wird durch das neue Angebot ersetzt.

„Denn wir haben schon ein bisschen zu unserem Erstaunen festgestellt, dass in den Konzerten dann doch viel mehr Erwachsene saßen als Kinder“, sagt Dettloff Schwerdtfeger. Was tun, war also die Frage. Wie schafft man es, Angebote zu machen, die auch Kinder und Jugendliche ansprechen? Oder eben komplette Familien? – Eine Idee: Man geht an ungewöhnliche Orte, organisiert zum Beispiel ein Zookonzert. Oder betont auch die Angebote im Hauptbahnhof, wo Kinder auch schon in der Vergangenheit eine echte bachsche Schreibwerkstatt erleben konnten. Oder geht gar mit einem Bach-Familien-Fest in den Clara-Zetkin-Park. Auch ein forum-thomanum-Tag steht auf dem Programm, bei dem die Heimstätte der Thomaner besucht werden kann.

„Das Ganze war etwas, da hab ich gleich gesagt: Klar, das unterstützen wir“, sagt Carsten Bödecker, Leiter der BMW Niederlassung Leipzig/Sachsen. Selbst Vater zweier Kinder. Die freche Journalisten-Idee, gleich noch eine poppige BMW-Edition mit dem „b@ch für uns!“-Motiv aufzulegen, fand er zwar bedenkenswert, glaubt aber nicht, dass die seriösen BMW-Käufer auf ihr gewöhntes Schwarz und Silber verzichten wollen.

Vielleicht gehört aber auch nur der nötige Mumm dazu. Ein Mumm, den die kleinen Musikfreunde in der Regel noch haben. Deswegen wurde der poppige Bach-Kamerad, der jetzt auf dem Thomaskirchhof steht, so gebaut, dass er die richtige Größe für Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 12 Jahren hat. Für die Kleineren gibt es ein kleines Podest. Erwachsene müssen sich ein wenig bücken. Aber wer tut das nicht gern, wenn er mal ein witziges Bild von sich im Outfit des Thomaskantors haben möchte – streng und würdevoll guckend oder frech, fröhlich, neugierig.

Das passt dann auch zum Motto des Bachfestes 2012 „… ein neues Lied“.

www.bach-leipzig.de


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