Macht einfach! – Leipziger Rektorinnen appellieren an junge Frauen in der Wissenschaft

Sie sind die drei Frauen an der Leipziger Hochschulfront. Beate Schücking von der Universität, Renate Lieckfeldt von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) sowie Rektorin Ana Dimke von der Hochschule für Grafik und Buchkunst trafen sich auf einer Podiumsdiksussion. Frau macht sich stark an den Hochschulen. Die L-IZ hat sich dazu gesetzt und gelauscht.
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Derzeit erlebt der deutsche Hochschulbetrieb eine Welle. Kenner reden von „Feminisierung“. Die Uni wird weiblich – auch an der Spitze. Dessen sind sich Leizpigs drei Rektorinnen, Beate Schücking von der Universität, Renate Lieckfeldt von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) sowie Ana Dimke von der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) einig.

Die Leipziger Universität, immerhin die zweitälteste in Deutschland nach der Uni Heidelberg, brauchte 602 Jahre bis eine Frau an ihrer Spitze stand. „Wir freuen uns, dass es jetzt innerhalb kürzester Zeit gleich drei Rektorinnen in Leipzig gibt“, sagte Georg Teichert, Gleichstellungsbeauftragter der Uni am Donnerstag, dem 24. November. Auf der Podiumsdiskussion, die sein Referat zusammen mit dem Verein Frauenkultur organisiert hatte, waren die Karrierechancen von Frauen in der Wissenschaft das Thema.“Ich mache eine solche Entwicklung bereits zum zweiten Mal in meinem Leben mit“, sagte Beate Schücking. Als Medizinerin gehört die 55-Jährige noch zu einer Generation in der schätzungsweise 80 Prozent der Studenten männlich waren.

„Dass sich der Beruf feminisiert hat, brachte eine verbesserte Vereinbarkeit mit dem Familienleben“, so Schücking. „Früher war es so, dass Herr Doktor eine Familie hatte, während Frau Doktor sich ausschließlich ihren Patienten gewidmet hat. Heute sind Beruf und Kind ein selbstverständlicher Anspruch aber noch immer nicht einfach umzusetzen.“

Beruf und Familie stemmen zu können, das sehen die drei Rektorinnen als eine wichtige Voraussetzung dafür an, dass zukünftig mehr Frauen eine akademische Karriere einschlagen. Renate Lieckfeldt zeigt sich durch Erfahrungen im Ausland geprägt. Sie war fünf Jahre lang Managerin bei einem Weltkonzern in den Niederlanden.

„Die Firma ist amerikanisch und das Thema Gleichberechtigung ist seit den 90er Jahren in Amerika durch. Frauen und Männer haben komplett gleiche Chancen.“ Als Lieckfeldt schwanger wurde, gratulierten ihr Kollegen und Chefs sehr herzlich. „Niemand fragte, ob ich später wieder in den Job einsteigen würde. Das war von vornherein klar.“

Dass zur besseren Vereinbarkeit aber auch die Männer gehören, daran erinnerte Ana Dimke. „Ich denke da hat sich bereits ein Bewusstseinswandel vollzogen. Die Männer meiner Generation – ich bin 44 – sind eher bereit, dasselbe in Sachen Familie zu leisten wie ihre Frauen. Ich habe auch den Eindruck, dass die Männer in Leipzig, verglichen mit Berlin, da schon emanzipierter sind.“ Für beide Geschlechter habe eine bessere Vereinbarkeit schließlich nur Vorteile.

Dass es immer noch zu wenige Frauen in Führungspositionen an Hochschulen gibt – bundesweit sind es gerade mal zehn Prozent – das gelte es nun sukzessive zu beseitigen. Alle drei sprachen sich jedoch gegen die Einführung einer Quote aus. „Will man die Quotenfrau sein? Diese Fragen muss sich jede Frau selbst stellen“, kommentierte Renate Lieckfeldt.

Beate Schücking bemerkte, dass es Sinn machen kann, Quoten in den Auswahlgremien zu haben. „Sitzen Frauen in den Berufungskommitees, dann erhöht sich im Folgenden auch der Frauenanteil an den Berufungen.“ In Osnabrück, wo Schücking zuletzt Vizepräsidentin der Uni war, hat sie lange um den Einstieg ins Gleichstellungsprogramm kämpfen müssen. „Jetzt ist man dort besorgt, wie die neu gewonnenen Top-Wissenschaftlerinnen gehalten werden können“, so Schücking.

Es gäbe eben nicht einen sondern eine Vielzahl von Gründen, warum Frauen noch unterrepräsentiert sind. Alle drei raten ihren Geschlechtsgenossinnen, nicht zuviel zu zweifeln. „Ich habe oft überlegt, warum mich die männlichen Systeme, in denen es in der Masse für Frauen noch schwerer ist, nicht behindert haben. Dabei kann ich nur sagen, dass ich konsequent meinen Weg gegangen bin, einfach gemacht habe“, so Renate Lieckfeldt.

„Macht einfach, das ist ein guter Ratschlag. Den gebe ich immer meinen Studentinnen mit“, meinte Ana Dimke. Frauen dürften sich nicht durch äußere Umstände von ihren Zielen abhalten lassen, „auch wenn die Gesellschaft immer wieder große Opfer von ihnen fordert“, sagte Beate Schücking. „Frauen sind schließlich unglaublich mutig.“


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