AWO-Umfrage zum Rechtsextremismus bestätigt: Den Meisten ist die unterschwellige Menschenfeindlichkeit bewusst

"Rechtes Gedankengut droht immer gesellschaftsfähiger zu werden, das haben auch die Bürger erkannt", erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler angesichts der Umfrageergebnisse des neuesten AWO-Sozialbarometers. Dafür wurden im Januar repräsentativ 1.000 Personen befragt. Und während Politiker im Land gern noch herumdrucksen, sehen die meisten Bürger das Problem sehr realistisch.
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Demnach denken 71 Prozent der Bürger, dass Fremdenfeindlichkeit und rechtsextremes Gedankengut in unserer Gesellschaft weiter verbreitet sind, als viele Menschen annehmen. Nur 27 Prozent der Bürger finden, dass solche Ansichten und Meinungen ausschließlich bei Randgruppen Anklang finden.

TNS-Infratest hatte den Befragten tatsächlich diese ganz einfache Wahl gelassen. Im Fragebogen hieß es: „Bitte sagen Sie mir, welcher der beiden Meinungen Sie eher zustimmen: a) Fremdenfeindlichkeit und rechtsextremes Gedankengut ist in unserer Gesellschaft weiter verbreitet als viele Menschen denken, b) Fremdenfeindlichkeit und rechtsextremes Gedankengut stoßen in unserer Gesellschaft nur bei Randgruppen auf Sympathie.“Dabei stimmten im Osten der Republik sogar 79 Prozent der Aussage zu, rechtsextremes Gedankengut sei in unserer Gesellschaft weiter verbreitet als viele Menschen denken. Frauen stimmten signifikant häufiger zu als Männer und (nur auf den ersten Blick eine kleine Überraschung) Menschen mit geringerem Haushaltseinkommen deutlich stärker als solche mit höheren Einkommen. Entsprechend hoch (91 Prozent) war die Zustimmungsrate bei Wählern der Linkspartei. Und – das war dann keine Überraschung – deutlich niedriger (58 Prozent) die Zustimmung bei CDU-Sympathisanten.

Man merkt: Der mediale Hype um die dubiosen Thesen des Thilo Sarrazin war so unberechtigt nicht – der Mann spielte bei seinen quasi-wissenschaftlichen Thesen mit Vorurteilen und Ängsten. Und Ängste machen gerade verunsicherte Menschen anfällig für Argumente, die mit Rationalität nichts mehr zu tun haben. Dass diese Ängste und Vorurteile in weiten Teilen der Gesellschaft unterschwellig vorhanden sind, haben die verschiedenen Studien belegt, die Oliver Decker und Elmar Brähler von der Abteilung Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Uni Leipzig in den letzten Jahren vorgelegt haben.Und es sind eben nicht nur rechtsextreme Parteien, die aus diesen Vorurteilen Kapital schlagen. Doch gerade sie versuchen damit, auch im politischen Alltag Fuß zu fassen, sich in Parlamenten zu etablieren und als Alternative zu bürgerlichen Parteien anzubieten.

„Wir müssen die Zivilgesellschaft stärken und diese menschenverachtende Ideologie zurückdrängen“, erklärt Margit Weihnert, sächsische AWO-Landesvorsitzende. „Seit dem Magdeburger Appell 2007 macht sich die Arbeiterwohlfahrt als Verband gezielt auf den Weg, um rechtsextremem Gedankengut mit den Mitteln der Sozialen Arbeit entgegenzutreten. Demokratie und Soziale Gerechtigkeit bedingen einander. Menschenverachtung richtet sich immer zuerst gegen die Schwächsten einer Gesellschaft.“

In Sachsen wird die Arbeit unter anderem durch das Projekt „Soziales Engagement stärken“ – Aufbau von demokratiefördenden Strukturen in der AWO in Sachsen unterstützt. Durch Schulungen in den Einrichtungen, professionelles Freiwilligenmanagement und die Unterstützung bei der Planung von Themenwochen oder thematischen Festen vor Ort sollen die Beschäftigten, Ehrenamtlichen und Mitglieder besonders im ländlichen Raum Sachsens sprachfähig für Demokratie gemacht werden. Das Projekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren und endet im Juni 2013. Gefördert wird es durch das Bundesministerium des Innern im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“.

Doch wirklich hilfreich ist die Landesregierung dabei nicht, kritisiert Weihnert: „Wir brauchen mehr und angemessen geförderte präventive Arbeit gegen Rechtsextremismus. Gerade in Sachsen mit einer stark organisierten rechtsextremen Szene können wir uns bürokratische Hürden und eine realitätsferne sogenannte ‚Extremismusklausel‘ nicht leisten. Zur Prävention gehören auch zukunftsfeste und engmaschige Jugendhilfestrukturen im Land. Deren massiven Kürzungen seit 2010 sind ein Bärendienst für die Demokratie in Sachsen.“

www.awo-sozialbarometer.org

www.awo-sachsen.de


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