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Dienstag, 19. Januar 2021

Sebastian Feydt, Pfarrer der Frauenkirche, predigt zum Bethlehem-Jubiläum: Die erste Gemeinde ist wie die große Liebe

Von Marko Hofmann

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    Leipziger Christen, aufgepasst: Am Sonntag, 8. Januar, predigt der 1. Pfarrer der Dresdner Frauenkirche in der Stadt. Sebastian Feydt darf die Predigt beim Festgottesdienst zum 100-jährigen Bestehen seiner ehemaligen Gemeinde, der Bethlehemgemeinde, in der Peterskirche halten.

    Wie die Um- und Einstellung auf das wichtige Amt verlief, wie sein heutiges Verhältnis zu seiner ersten Gemeinde ist und wie er sich auf ein Treffen mit Barack Obama vorbereitet, verriet er L-IZ.de.

    Herr Feydt, 2007 verließen Sie die Bethlehemgemeinde Richtung Dresdner Frauenkirche. Haben Sie sich seitdem über das Geschehen in Ihrer alten Gemeinde informiert?

    Da die erste Kirchgemeinde etwas wie eine erste große Liebe darstellt, habe ich die Entwicklung der Gemeinde natürlich mit großem Interesse beobachtet. Ich freue mich über die vielen Kindertaufen und ich bin dankbar, dass die bestehende Arbeit mit älteren Menschen fortgesetzt wird. Durch die Besetzung der Pfarrstelle wurde kontinuierlich weitergearbeitet. Viele haben ihre Bindung zur Gemeinde in den letzten Jahren ausgebaut; das wird in der Festschrift zum Jubiläum der Gemeinde herausgestellt.
    Wie fällt Ihr persönliches Fazit nach fünf Jahren an der Dresdner Frauenkirche aus?

    Die Arbeit an der Frauenkirche als einer der beiden Pfarrer und als Sprecher der Geschäftsführung der Stiftung Frauenkirche Dresden ist eine wirklich große Herausforderung. Nach der feierlichen Weihe 2005 hat sich die Frauenkirche als ein geistliches Zentrum, als Kirche, als ein Zentrum der Musik und als ein Ort der Verkündung des Evangeliums erwiesen. Gleichzeitig ist sie der heutigen Zeit ein Symbol des Friedens und der Versöhnung. Dass nach wie vor jährlich zwei Millionen Menschen dieses Gotteshaus besuchen, zeugt von der Bedeutung der Kirche für Dresden, Sachsen und darüber hinaus. Ich empfinde es als eine große Ehre, dass ich in dieser Kirche geistlichen Dienst tun darf. Es ist eine überaus erfüllende Aufgabe, deren Vielfältigkeit ich schätze.

    In Leipzig hatten Sie keine Kirche, aber eine Gemeinde, in Dresden haben Sie eine wunderschöne Kirche, aber keine Gemeinde. Wie haben Sie sich darauf eingestellt?
    Der Wechsel war schon eine große Umstellung für mich. In der Frauenkirche haben wir eine „Gemeinde bei Gelegenheit“ und die Aufgabe besteht darin, die Gemeinde im konkreten Moment, also in einem Gottesdienst, in einer Andacht, in einem Konzert oder in einem geistlichen Impuls anzusprechen. Manchmal bedauere ich, nicht mehr persönlichen Kontakt mit den Besuchern der Frauenkirche aufbauen zu können, aber gleichzeitig gibt es hier mehrere hundert ehrenamtlich Wirkende, die mit uns gemeinsam die Frauenkirche als einen Ort geistlichen Lebens gestalten. Diese Gruppe ist unsere Gemeinde vor Ort. Durch die vielen Taufen von Kleinkindern und Erwachsenen, die zahlreichen Gottesdienste zur Eheschließung und Trauungen gibt es außerdem eine Vielzahl von Kontakten hier in der Region und deutschlandweit.

    Die Frauenkirche hat daher eine sehr große Gemeinde, die uns weniger durch Präsenz als viel mehr durch ihr Gebet trägt. Manchmal vermisse ich natürlich die Arbeit mit Konfirmanden und das Gespräch mit älteren Gemeindegliedern, wie früher in der Bethlehemgemeinde.

    In Ihrer bisherigen Amtszeit sind Sie mit einer Reihe von Prominenten zusammengekommen. Der amerikanische Präsident Barack Obama, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und auch die niederländische Königin Beatrix I. besuchten die Frauenkirche mit Ihrer Begleitung. Wie bereiten Sie sich auf solche Treffen vor?

    Die Besuche solch prominenter Persönlichkeiten zeigen die Bedeutung des Wiederaufbaus der Frauenkirche für Dresden, Sachsen und international: Der Wiederaufbau war ein Symbol des zusammenwachsenden Europas und steht heute für ein Friedenszeichen in Gestalt einer Kirche. Sie sind einerseits sehr aufregend und verlangen andererseits ein hohes Maß an Professionalität. Die Vorbereitungen hierzu geschehen immer in enger Abstimmung mit den Stiftern der Frauenkirche, dem Freistaat Sachsen, der Stadt Dresden und der evangelischen Landeskirche.

    Weit über das eigentliche Besuchsprogramm hinaus muss zumeist sehr viel geplant und organisiert werden – und sichergestellt, dass die vielen Fäden immer wieder zusammenlaufen. Dieser Einbezug in alle Phasen der Vorbereitung erleichtert es mir aber dann, den jeweiligen Gast mit der nötigen Ruhe, Aufmerksamkeit und Freude zu empfangen – trotz aller Anspannung, die natürlich immer mitschwingt.

    Während es Ihrer ehemaligen Gemeinde nicht an jungen Gemeindegliedern mangelt, ist die Alterung der Gemeinden auf dem Land deutlich vorangeschritten. Wie könnte es die evangelische Kirche aus Ihrer Sicht schaffen, die Jugend wieder in die Kirche zu bringen?

    In der Landeskirche und in den Kirchgemeinden haben wir Anteil an der demografischen Veränderung in unserem Land. Diese birgt Chancen und Risiken, die jeweils gesehen werden müssen. Wo ältere Menschen ihre Heimat behalten, wird es darauf ankommen, ihnen ortsnah die Möglichkeit einer geistlichen Beheimatung in einer Kirchgemeinde zu ermöglichen. Dort wo junge Leute leben, arbeiten und ausgebildet werden, gehört die evangelische Kirche mit ihren Angeboten hin: offen für alle, die auf der Suche nach Werten, nach Halt, nach einem stabilen Gerüst in ihrem Leben sind und nah am Pulsschlag der Zeit und an den Fragen der jungen Generation.

    Beispielhaft dafür ist unser Projekt „EVA“, eine „Peace Academy“ für junge Leute an der Frauenkirche, wo sich junge Menschen aus verschiedenen Nationen Fragen wie der der Versöhnung zuwenden.

    Am Sonntag werden Sie nach fast fünf Jahren wieder in Ihrer alten Gemeinde predigen. Mit welchen Gefühlen bereiten Sie sich auf diesen Gottesdienst vor?

    Die Einladung, im Festgottesdienst der Bethlehemgemeinde predigen zu dürfen, hat mich sehr gefreut. Seit einigen Tagen kenne ich nun auch die wunderbare Festschrift. Nicht nur sie, sondern auch persönliche Kontakte haben bei mir Erinnerungen geweckt. Ich freue mich sehr auf die Begegnung mit den Gemeindemitgliedern – auf die, die ich noch kenne und auf die, die ich kennen lernen werde.

    Hinweis: Der Festgottesdienst der Bethlehemgemeinde am Sonntag, 11 Uhr, findet aus Platzgründen in der Peterskirche statt.

    Weitere Informationen
    www.bethlehem-leipzig.de

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