Preis der Leipziger Buchmesse 2012: Nominierungen stehen fest – und Belletristik bleibt wohl Geschmackssache

Am Donnerstag, 9. Februar, verkündete die Leipziger Buchmesse die Nominierungen für den diesjährigen "Preis der Leipziger Buchmesse". Und wer darauf gewartet hatte, jetzt würden die faszinierendsten Leseerlebnisse des vergangenen Jahres auftauchen, der wurde enttäuscht. Drei der nominierten Titel im Bereich Belletristik waren noch gar nicht auf dem Markt.
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Das ist durchaus möglich. Denn eingereicht werden dürfen alle Neuerscheinungen, die bis zur Buchmesse im März im Handel sind. Dass sich die Auswahl aber auf fünf Titel kapriziert, von denen zwei im Herbst erschienen und die anderen drei jetzt nach und nach in die Buchläden kommen, das mutet zumindest seltsam an. Immerhin hatten in diesem Jahr 147 Verlage insgesamt 460 Titel ein gereicht.

Und man kann darauf wetten, dass darunter auch Titel waren, die im Sommer und Herbst die Leser begeistert haben. Eugen Ruges gewaltiger Familien-Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ zum Beispiel. Oder Daniela Kriens farbenreiches Debüt „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“. Das erste Buch erschienen am 1. September 2011, das zweite am 16. September.

Natürlich sind Jurys, die aus so einem gewaltigen Stapel von Büchern binnen vier Wochen die Besten auswählen sollen, nicht zu beneiden. Das ist keine Lesefreude mehr. Das ist Schinderei. Wobei man sich die Schinderei natürlich etwas leichter macht, wenn man vorarbeitet. Was ja für Feuilletonisten das Normale ist. Sie lesen ja von Berufs wegen das ganze Jahr.

Johanna Adorján schreibt für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, Jens Bisky für die „Süddeutsche Zeitung“, Martin Ebel für den Züricher „Tages-Anzeiger“, Adam Soboczynski für „Die Zeit“, Eberhard Falcke und Ingeborg Harms sind freie Literaturkritiker und Verena Auffermann, Vorsitzende der Jury, ebenfalls. Da könnte man aus dem gewaltigen Stapel natürlich seine erfreulichsten Leseerlebnisse des Jahres 2011 einfach herausziehen und schon einmal in die Auswahl geben. Und hat dann nur noch mit dem Rest zu kämpfen.

Dem Leser bleibt das Staunen, dass nur zwei schon veröffentlichte Titel in die engere Wahl kamen, einer aus dem September, einer aus dem November. Möglich, dass sie alle Leseeindrücke der sechs Monate davor überstrahlten. Das passiert. Beide fallen auch in dieser Auswahl auf. Denn sie sind eben nicht das, was ein paar kritischere unter den Kritikern deutscher Literatur so gern „professorales Erzählen“ nennen, diese berühmte Sezieren von Helden, Handlung, Gedanken und Landschaft. Die Bilder entstehen nicht mit dem großen, schwungvoll malenden Pinsel, sondern werden gebaut wie eine Theaterkulisse. Man sieht sogar noch Fäden, Scharniere und aufgemalte Pfeile für die Schauspieler. Der innere Monolog ist immer gleich nah.
Wie bei Thomas von Steinaecker: „Außerdem hatte, wenn mir mein Gedächtnis keinen Streich spielt, die RTL-Wetterfee, bei der ich mich immer fragte, ob ihr blondes Haar auch in natura so dezent matt glänzt oder ob es sich um einen digitalen Effekt handelt, leichte Bewölkung vorhergesagt, nicht jedoch Regen, geschweige denn Schnee.“

Man kann sich auf der Website zum Preis der Leipziger Buchmesse einlesen und einhören in die ausgewählten Titel. Das ist schön. Das tut man ja auch im Buchladen, wenn man noch neugierig ist auf ein Buch oder einen Autor. Dann liest man den Klappentext und meistens ein bisschen was vom Anfang. Der Anfang erzählt viel. Hier werden Freundschaften geknüpft, Begeisterungen entfacht. Oder die Momente ausgelöst, die zuschauende Buchhändler klüger machen. Wenn das Buch nämlich nach kurzem Lesen wieder zugeklappt und gleich wieder ins Regal gestellt wird.

Ein kleiner Ersatz für das Fehlen von Eugen Ruge ist auf jeden Fall die Nominierung von Sherko Fatah mit seinem am 12. September im Luchterhand Verlag erschienenen Roman „Ein weißes Land“, gelobt schon von Karl-Markus Gauß, Sigrid Löffler und Eberhard Falcke. Es ist die „Reise eines jungen Arabers durch eine Welt, die ihre Unschuld verliert“, scheibt der Verlag, und sie startet in den 1930er Jahren in Bagdad, im damals noch britisch dominierten Irak. Doch Fatahs Held gerät „mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unter den Einfluss der ‚Schwarzhemden‘, der faschistischen Jugendorganisation im Irak.“

Sherko Fatah wurde 1964 in Ost-Berlin als Sohn eines irakischen Kurden und einer Deutschen geboren, wuchs in der DDR auf, siedelte aber 1975 mit seiner Familie über Wien nach West-Berlin über. In seinem Roman spiegelt sich also auch ein Stück eigener Familiengeschichte und es schlägt auch den Bogen nach Deutschland, so dass aus der anfangs scheinbar unpolitischen Geschichte eines jungen Irakers eine Odyssee in die Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts wird.
Und noch einer wird sich gefreut haben. Nämlich Wolfgang Herrndorf. Der war 2011 schon einmal nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse, damals mit seinem Buch „Tschick“, das 2010 richtig für Furore sorgte. Und auch sein nun nominierter Roman „Sand“, am 15. November 2011 bei Rowohlt Berlin erschienen, weicht dem deutschen Nabelschau-Dilemma aus und nimmt den Leser mit auf die Reise in die arabische Welt. Doch nicht der Irak in den 1930erer Jahren ist seine Spielfläche, sondern Palästina im Jahr 1972.

„Während in München Palästinenser des ‚Schwarzen September‘ das olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge“, schreibt der Verlag dazu. „In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis – Nordafrika 1972. Ein mitreißender Agententhriller – und noch viel mehr: ein literarisches Abenteuer, ein außerordentlicher Roman.“

Es gibt sie tatsächlich auch in Deutschland diese Erzähler, denen die Analyse zwischenmenschlicher Unpässlichkeiten so herzlich egal ist, denen es tatsächlich darum geht, den Lesern eine gute, spannende und farbige Geschichte zu erzählen.

Wolfgang Herrndorf, 1965 in Hamburg geboren, hat für das Satiremagazin „Titanic“ geschrieben, veröffentlichte 2002 seinen Debütroman „In Plüschgewittern“ und hat – „Tschick“ sei Dank – auch schon den Brentano-Preis (2011) und den Deutschen Jugendliteraturpreis (2011) bekommen. 2012 ist ihm schon der Hans-Fallada-Preis zuerkannt worden. Da wird es ganz gewiss spannend, ob die Leipziger ihm auch noch den „Preis der Leipziger Buchmesse“ obendrauf packen.

Das sind die beiden Bücher, zu denen sich die Leser selbst schon eine Meinung bilden konnten und können. Die drei anderen Belletristik-Nominierungen kommen erst. Als nächste ist Jens Sparschuhs „Im Kasten“ bei Kiepenheuer & Witsch für den 16. Februar angekündigt.

Mit Jens Sparschuh, geboren 1955 in Karl-Marx-Stadt, ist ein Autor nominiert worden, der seine größten Erfolge bislang mit Kinderbüchern und Hörspielen feierte. Mit „Im Kasten“ nutzt er das in der DDR einst hochkarätig gepflegte Genre der Gesellschaftssatire, man denke nur an Volker Brauns viel diskutierten „Hinze-Kunze-Roman“.
Jens Sparschuhs tragischer Held ist ein eigentlich schizophrener Held – schon am ordentlichen Packen eines Koffers verzweifelt er, beschäftigt sich aber beruflich „mit Strategien, das Leben und die Dinge effizient zu ordnen“. Schon die Idee ist wie ein kleiner Gänseschauer: Solche Typen werden einem doch tagtäglich in diversen Medien als Experten angedreht, werden in Kommissionen berufen und kommen schnurstracks angerannt, wenn irgendwo in der Welt etwas zu retten und zu „reformieren“ ist. Griechenland zum Beispiel.

Die Firma, für die Sparschuhs Held arbeitet, nennt sich denn auch noch „Neue Optimierte Auslagerungs- und Haushaltsordnungssysteme“ (NOAH). Und weil Sparschuh seinen Kafka gelesen hat, wird das Ganze nicht nur eine turbulente Geschichte einer völlig überdrehten Firma, die gleich mal noch den Bau des Berliner Stadtschlosses stoppen will, sondern auch eine Geschichte über einen „hochneurotischen Don Quichotte (…), dem der Leser bei seiner Suche nach einer neuen, perfekten Ordnung mit banger Hoffnung und großem Vergnügen bis zum bitteren Ende folgt.“ So beschreibt’s jedenfalls der Verlag.
Für den 23. Februar ist dann die Veröffentlichung von Thomas von Steinaeckers „Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen“ im S. Fischer Verlag angekündigt. Das ist das Buch, aus dem das oben genannte Zitat stammt. Die Konstellation ist ganz ähnlich wie bei Sparschuh.

„Renate Meißner wird versetzt, befördert und gewinnt für ihre Versicherungsgesellschaft einen großen Auftrag. Doch eine interne Evaluierung ergibt, dass in ihrer Abteilung Stellen gestrichen werden. Vielleicht war die Versetzung ein abgekartetes Spiel, um sie loszuwerden? Der große Auftrag ein Test? Sie reist nach Russland, um die Grande Dame hinter dem Projekt kennenzulernen, die Herrin über ein generationenaltes Vergnügungspark-Imperium. Die Greisin scheint erstaunliche Ähnlichkeiten mit Renates verschwundener Großmutter zu haben. In einer Welt futuristischer Jahrmarktsattraktionen verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Phantasie. Welcher Wirklichkeit ist noch zu trauen?“

Nur dass von Steinaecker eher nicht die Satire als Stilmittel nutzt, um eine von Neurosen dominierte Wirtschaftswelt zu beschreiben, sondern er versucht sich an einem großen „Panorama, das mit Fotos, Zeichnungen und Tabellen die Möglichkeiten realistischen Erzählens auslotet und ein phantastisches Paranoia-Spiel in Gang setzt.“ Sagt der Verlag. Thomas von Steinaecker, geboren 1977 in Traunstein, hat Literaturwissenschaft studiert. Vielleicht spielt das eine Rolle bei seiner Art zu schreiben. Mag sein.

Anna Katharina Hahn und der Suhrkamp Verlag machen es dann jedenfalls für die Leser ganz spannend. Der Roman „Am Schwarzen Berg“ soll erst am 12. März 2012 erscheinen. Am 15. März beginnt dann die Leipziger Buchmesse. An dem Tag findet dann auch die Preisverleihung statt.

Ihr Buch spielt in einer Siedlung „am Rande des Stuttgarter Kessels“ und schildert die Versuche der dort in engster Nachbarschaft lebenden Personen, ihren Alltag zu bewältigen und ihre Probleme zu lösen. „Anna Katharina Hahn erzählt auf unnachahmliche Weise von verzweifelter Liebe in all ihren Spielarten und davon, dass im entscheidenden Augenblick selbst die nächsten Menschen einander ein Rätsel bleiben“, schreibt der Verlag.

So beginnt es: „Es war noch früh und doch schon sehr warm, als Emil Bub an den Rand seines Balkons trat. In der Einfahrt des Nachbargrundstücks hob ein Mann einen schlammverschmierten Glasbehälter aus einem rostigen Fiat.“ Auch hier unüberhörbar der Kafka-Ansatz. Manchmal liest man schon aus so einem Anfang heraus, ob sich jemand – wie Anna Katharina Hahn, geboren 1970, – im Studium mit Germanistik beschäftigt hat. Heute lebt sie als Schriftstellerin in Stuttgart. 2005 hat sie den Clemens Brentano Preis bekommen.
Kategorie Sachbuch/Essayistik:

– Jörg Baberowski: „Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt“ (C.H. Beck)
– Carolin Emcke: „Wie wir begehren“ (S. Fischer Verlag)
– Manfred Geier: „Aufklärung. Das europäische Projekt“ (Rowohlt)
– Lothar Müller: „Weiße Magie. Die Epoche des Papiers“ (Carl Hanser Verlag)
– Wilfried F. Schoeller: „Alfred Döblin. Eine Biographie“ (Carl Hanser Verlag)

Kategorie Übersetzung:

– Hans Pleschinski: „Nie war es herrlicher zu leben: Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ 1718 – 1784“, aus dem Französischen (C.H. Beck)
– Nikolaus Stingl: „Der Tunnel“, aus dem Englischen, von William H. Gass (Rowohlt Verlag)
– Christina Viragh: „Parallelgeschichten“, aus dem Ungarischen, von Péter Nádas (Rowohlt Verlag)
– Caroline Vollmann: „Mademoiselle de Maupin“ aus dem Französischen, von Théophile Gautier (Manesse Verlag)
– Thomas Frahm: „Feuerköpfe“, aus dem Bulgarischen, von Vladimir Zarev (Deuticke Verlag)

Die Preisverleihung findet am Donnerstag, 15. März, um 16:00 Uhr auf der Leipziger Buchmesse in der Glashalle statt. Einen akustischen Eindruck im Vorfeld vermittelt das Internetportal www.literaturport.de. Alle nominierten Titel werden hier mit einer Hörprobe vorgestellt.

Bücherfreunde sind aufgerufen, ihren Lieblingsautor der Kategorie Belletristik zu wählen. Dafür steht auf der Webseite zum Preis der Leipziger Buchmesse (www.preis-der-leipziger-buchmesse.de) das Online-Voting bereit. Zwischen dem 9. Februar und 8. März haben Besucher der Buchmesse-Website die Möglichkeit, für ihren Preis-Favoriten abzustimmen. Unter allen Teilnehmern wird ein Besucher ausgelost, der ein Paket mit allen nominierten Büchern der Kategorie Belletristik sowie Eintrittskarten zur Preisverleihung bekommt.

Der Preis der Leipziger Buchmesse wird 2012 zum achten Mal verliehen. Die Auszeichnung ehrt herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen. Dotiert ist er mit insgesamt 45.000 Euro. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig unterstützen den Preis der Leipziger Buchmesse.

www.preis-der-leipziger-buchmesse.de


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