Wovon Leipziger träumen: Niklas Linnenbach – Dass die Höfe am Brühl abgerissen werden

Ich wünsche mir mehr Miteinander, dass die Leute aufeinander achten... Blablabla. Auf diese Lippenbekenntnisse habe ich keine Lust mehr. Ich wünsche mir mehr Reibung, Kampf, Auseinandersetzung, Leben, ein Wegkommen von diesem lauwarmen Feedbackgeschwafel. Die Menschen sollen sich angreifen, sie sollen einander wirklich zuhören und sie sollen endlich aufstehen. Als de Maziere, dieser 'nette' Kriegsminister nach Leipzig kam, da war zum ersten Mal wieder so etwas wie Leben zu spüren, da war endlich wieder Ehrlichkeit im Spiel.

Keine Diskussion und Toleranz mit Menschen, die lügen und Krieg führen im Namen der Demokratie, für Brunnen und Frauen. Schwachsinn! Sie führen diesen Krieg für Lithium, es sind Wirtschaftskriege, ganz einfach. Endlich hörten die Studenten auf, darüber zu reden, sondern taten etwas. Und genau diese Mentalität fehlt. Gerade in Leipzig. „Das liegt an der Soziodemografie. Es gibt einfach keine jungen Menschen.“ Ausreden, nur Ausreden.

Ich kenne 100 Jugendliche in Leipzig, die Lust hätten, endlich was zu bewegen, die rausgehen wollen und nach Veränderung schreien. Die alles mitreißen könnten. Aber sie haben noch zu viel Angst, werden von diesem fanatischen (Konsum-)Individualismus immer wieder eingeholt und faul gemacht von all den unendlichen Möglichkeiten.

Und was ist mit diesen ganzen Freidenkern und Kreativen, die wir in Leipzig angeblich haben? Warum hört man von denen nix, wenn der Mob in Wahren gegen Asylsuchende wettert? „Kunst darf nicht politisch sein.“ Aha. Ich finde es auch wichtiger, dass Rittersporttafeln nebeneinander an bunten Wänden hängen. „Was Kunst ist, muss jeder für sich entscheiden.“ Ja, und der Kleinbürger, der entscheidet auch individuell, ob er Nazi ist oder nicht.
Aber: Ich liebe Leipzig. Und genau deswegen werden wir Jugendlichen anfangen, uns selbst in die Hand zu nehmen, wir haben sogar schon begonnen. In der Gruppe ‚Essenz‘ vereint sich alles, was mobilisieren will in Richtung Humanismus, Gemeinsinn und Miteinander. Ganz im Gegenteil zu den Beschwörungen der Bürger um Weihnachten: „Wir sind alle füreinander da.“ Seid ihr überhaupt nicht. Füreinander da sein, was heißt das eigentlich? Hilfe, das ist nicht nur nett sein, das ist Liebe, also Kontinuität und vor allem bedeutet es auch, mal nicht nett zu sein. Hilfe bedeutet, die Essenz zwischen den Menschen zu finden, das essentiell Wichtige – damit etwas Gemeinsames entstehen kann.

Was ich mir konkret von Leipzig wünsche? Ich wünsche mir, dass das Gondwanaland und die Höfe am Brühl abgerissen werden und dass die Menschen, die sich dort beregnen lassen, anfangen mit eigenem Denken. Das ist zu platt? Dann machen wir weiter so: 90 Prozent rammeln in die Höfe, glotzen dumm nach dem nächsten Befreiungsartikel und die anderen 10 Prozent schauen sich verschieden angeordnete pinke Vierecke an weißen Wänden an und feiern sich selbst als nicht kleinbürgerlich.

Oder wir machen es so: 100 Prozent konsumieren nicht mehr, sondern werden aktiv, informieren sich und finden sich zusammen, beginnen sich gegenseitig zu bilden, hören auf, sich sinnlos abzugrenzen durch ihre Lebensplanungsvorstellungen und ziehen alle mit. Ja, sicher, das sind Träume eines Jugendlichen. Aber wisst ihr was?

Das ist mir total egal. Wenn man nicht beginnt, dann werden sie auch nicht annähernd Realität. Und ganz ehrlich: Ich bin auch noch so dumm und glaube ganz fest daran. Ich glaube an die Essenz, an etwas, das uns alle trägt, das uns verbindet. Ich glaube ganz fest daran, dass sich die vielen Menschen, die nicht mehr so weitermachen wollen, irgendwann zusammenfinden und der Welt zeigen werden: „Was für ein gespaltenes, geschichtsloses, finanziell reiches, geistig immer ärmer werdendes Volk ist existent in diesem Staat.“ (Rudi Dutschke)


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