25 Jahre MJA Leipzig e.V. - 25 Thesen aus der Praxis

These #3: Aktive Beteiligung ist das Lebenselixier für Demokratie und Innovation im Gemeinwesen

Für alle LeserEine wirksame Beteiligung kann nur gelingen, wenn die Stufen der reinen Information oder Anhörung überschritten werden und Fachkräfte sowie Kinder und Jugendliche von Anfang an Ziele und Prozesse mitbestimmen können.

Teilhabe, Beteiligung, Mitgestaltung, Mitbestimmung, Einbeziehung, Mitwirkung, Selbstorganisation, Mitsprache, Teilnahme, Mitverantwortung, Einbindung und allem voran der schillerndste Begriff -„Partizipation“. Ein Begriff, der sich seinen Weg von der UN-Kinderrechtskonvention über das SGB VIII, den Fachstandards in der Kinder- und Jugendarbeit bis hin zu den Konzepten und Angeboten einzelner Vereine gesucht hat.

Er kommt geradezu wie ein Schwergewicht um die Ecke, ein Must-have aller sozialen Bereiche – kaum eine Projektbeschreibung in der Sozialen Arbeit kommt ohne ihn aus. Umso wichtiger ist es, diesen oft genutzten Begriff an dieser Stelle etwas zu schärfen: Ausgehend vom Stufenmodell, in Anlehnung an Sherry Arnstien, kann Partizipation bzw. deren Vorstufen in unterschiedlicher Intensität und Ausprägung gelebt werden.

Die bloße Weitergabe von Informationen, das Anhören und Einbeziehen von Akteur*innen werden dahingehend als Vorstufen von Partizipation verstanden. Tatsächliche Partizipation entfaltet sich jedoch erst auf einem Level der Mitbestimmung und Entscheidungsmacht und lässt sich am Grad der Entscheidungsteilhabe messen. Somit haben Menschen, Projekte und Vereine in erster Instanz die Möglichkeit, gehört zu werden, Informationen zu erhalten und sich einzubringen.

Nicht der bequemste Weg

Viel entscheidender ist dann, im nächsten Schritt auch die aktive Entscheidung und Mitbestimmung einzuräumen. Das kostet Zeit, Ressourcen und bisweilen auch Nerven. Also ist aktive Beteiligung auf den ersten Blick nicht unbedingt der bequemste Weg, wohl aber der nachhaltigere.

Denn aktive Teilhabe ist nicht nur das Einbringen von Ideen, sondern auch das Erleben von Wirksamkeit und funktioniert dadurch in mehrere Richtungen. Es stärkt das Vertrauen in demokratische Strukturen bzw. Prinzipien, ermöglicht Menschen, für ihre eigenen Überzeugungen einzustehen und sich als handlungsfähig zu erleben.

Mithin lässt sich das Konzept der Partizipation praktisch auf unterschiedlichen Ebenen betrachten. Dies geschieht durch die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen bei Beteiligungsprojekten genauso wie bei Ausarbeitung fachlicher Standards für ganze Berufsgruppen.

So wurde beispielsweise die Neugestaltung des Karl-Heine-Platzes mit dem Kinderbüro auf Grundlage der Zeichnungen von Kindergarten- und Schulkindern unter Beteiligung interessierter Menschen durchgeführt. Als ein weiteres Beispiel gelingender Beteiligung kann die Erarbeitung der Fachstandards für die Mobile Jugendarbeit in Leipzig genannt werden.

Die Schattenseite der Pseudo-Beteiligung

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Immer wieder erleben wir in unserer Arbeit, wie mühselig und anspruchsvoll es ist, aktive Beteiligung einzufordern oder zu ermöglichen. Denn nicht überall wo Beteiligung drauf steht, ist auch Beteiligung drin. Immerhin gibt es seit 2012 Leitlinien zur Bürgerbeteiligung in Leipzig, die via Dienstanweisung vom Oberbürgermeister an die Kommunalverwaltung erteilt wurden.

Obwohl Menschen über die gesamte Dauer eines Planungs- und Entscheidungsprozesses einbezogen werden sollen, ist es vorgekommen, dass Entscheidungen oder Termine erst spät oder gar nicht an uns herangetragen wurden und dadurch die Beteiligung Jugendlicher nicht mehr zustande kam. Oder lediglich zwischen zwei vorgegebenen Varianten der Platzgestaltung gewählt werden durfte, die für uns wenig praktischen Nutzen aufwiesen. So ein Vorgehen deckt sich nur schwer mit unserem Verständnis von Partizipation.

Umso wichtiger ist es, dass Formen der aktiven Beteiligung auch den Adressat*innen und ihrer Lebenswelt entsprechen. Denn Möglichkeiten der Partizipation werden oft in hochschwelligen Angeboten durchgeführt, die von verwaltungsdominiertem Handeln geprägt sind.
Überall wo diese Hürden zu groß erscheinen, setzt Mobile Jugendarbeit an, um als Ideengeber*in, Übersetzer*in und Fürsprecher*in für Transparenz und Chancengleichheit zu sorgen. Doch erst wenn diese Starthilfe nicht mehr nötig ist, kann von wirklicher Beteiligung gesprochen werde.

Quellen:
Block, Martina/ v. Unger, Hella/ Wright, Michael T. (2008): Stufen der Partizipation. [www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/partizipation/stufen-der-partizipation.html letzter Zugriff 11.07.2017].
Dischler, Andrea (2017): Was heißt Mitbestimmung und wie hat sich Partizipation in der Jugendhilfe entwickelt? Fachtag zur Partizipation / LVkE. München URL: [http://www.lvke.de/cms/contents/lvke.de/medien/dokumente/was-heisst-mitbestim/was_heit_mitbestimmung_und_wie_hat_sich_partizipation_in_der_jugendhilfe_entwickelt__ph__1_2017.pdf letzter Zugriff 17.01.2019].
Gerull, Susanne (2017): Alibi oder Voraussetzung für eine professionelle Unterstützung? Partizipation in der Wohnungslosenhilfe. 2. Bundesweite Fachtagung Erwachsenenstreetwork. Berlin. URL: [https://erwachsenen-street.work/images/files/Gerull_Alibi-oder-Voraussetzung.pdf letzter Zugriff 17.01.2019].

Infos zur Thesen-Aktion: Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens hat der Mobile Jugendarbeit Leipzig e.V. einen Kalender mit 25 Thesen aus der Praxis zusammengestellt. Diese beziehen sich auf aktuelle Gegebenheiten und Entwicklungen in Gesellschaft und Jugendarbeit, auf die die Streetworker des Vereins in ihrer täglichen Arbeit stoßen. Die Thesen sollen zum Nachdenken und zur Diskussion anregen – und im Idealfall den Anstoß für einen Veränderungsprozess geben.

Mehr Infos zur Mobilen Jugendarbeit Leipzig e.V.:
www.kuebelonline.de

These #2: Ghettoisierung gefährdet den sozialen Frieden

KalenderMobile Jugendarbeit25 Thesen
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Foto: Matthias Weidemann

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Luftbild Klinikums St. Georg. Foto: Klinikum St. Georg

Foto: Klinikum St. Georg

Für alle LeserDie Frage musste dann auch einmal gestellt werden. Denn seit Jahren machen multirestistene Keime unseren Krankenhäusern zu schaffen. Bisherige Antibiotika helfen nicht mehr gegen sie. Der Kampf um das Leben der Patienten wird immer schwerer. Und nicht alle Patienten überleben die Begegnung mit diesen Keimen. Wie sieht es eigentlich aktuell in Sachsen aus, wollte Susanne Schaper wissen.