Einige Thesen über himmlische Heimstätten und die kalifornische Kanalisation

Für alle LeserMit Thesen ist es so eine Sache: Sie bestechen zum einen durch ihre Einfachheit, sind zugleich aber höchst komplizierte Gebilde. Der einfache Teil der Geschichte beginnt für gewöhnlich damit, dass Menschen Thesen über die Welt aufstellen, in der sie leben. Werden diese Thesen populär, dann werden auch die Menschen, die sie aufgestellt haben, bekannt. Mitunter erreichen sie sogar den Rang eines Popstars, werden als Legenden verehrt oder auf sonst einen Thron erhoben. Und den Nimbus des Quasi-Heiligen gibt's gratis dazu.

Es genügt, den Namen „Martin Luther“ zu sagen, und schon taucht bei den meisten das Bild eines Augustinermönchs auf, der im Jahre 1517 vor der Wittenberger Schlosskirche steht und mit eiserner Entschlossenheit 95 Thesen an die Tür nagelt, in denen er den Ablasshandel seiner Zeit kritisiert.

Soviel zum einfachen Teil der Geschichte. Oder dem, der für einfach gehalten wird. Denn es gibt auch Menschen, die keine Thesen über die Welt aufstellen, in der sie leben, sondern die unter historischer Perspektive herauszufinden versuchen, wie bestimmte Thesen in die Welt gekommen sind und auf welchen Wegen sie Wirkmächtigkeit erlangt haben. Diese Leute stellen gewissermaßen Thesen über Thesen auf. Thesen zweiter Ordnung, sozusagen. Weshalb diese Leute auch eher in der zweiten Reihe stehen. Oder in der dritten. Jedenfalls kennt sie außerhalb einer kleinen Fachöffentlichkeit in der Regel kein Mensch.

Zu ihnen gehörte auch der katholische Kirchenhistoriker Erwin Iserloh.

Iserloh hielt im November 1961 an der Mainzer Gutenberg-Universität einen Vortrag, in dem er Luthers Thesenanschlag ins Reich der Mythen verwies und erklärte, Luther habe seine Thesen in Wittenberg niemals an die Tür der Schlosskirche genagelt. Als Beleg verwies Iserloh auf die Tatsache, dass Luther seine Aktion in seinem umfangreichen Schriftwerk nirgendwo auch nur mit einem Sterbenswörtchen erwähnte. Vielmehr stamme das Bild vom Thesen anschlagenden Luther von einer Bemerkung Philipp Melanchthons her, der am betreffenden Tag aber gar nicht in Wittenberg war. Da der Urdruck der Thesen ebenfalls nie gefunden wurde und in den zeitgenössischen Nachrufen auf Luther ebenfalls nichts von irgendwelchen Plakatierungsaktionen an der Tür der Wittenberger Schlosskirche zu lesen war, erklärte Iserloh, Luthers Thesenanschlag habe nie stattgefunden.

Iserlohs These über den Thesenanschlag ist bis heute umstritten. Wobei die wahre Ironie der Geschichte darin besteht, dass die protestantischen Kirchenhistoriker, die Iserlohs Sichtweise zunächst vehement ablehnten, sie mit der Zeit mehrheitlich zu akzeptieren begannen, derweil Iserloh selbst seine Ansicht in späteren Jahren nach und nach revidierte und schlussendlich doch davon ausging, dass Luther seine Thesen an die Schlosskirche genagelt hatte. Nur nicht am 31. Oktober, sondern später, als er merkte, dass die Obrigkeit nichts gegen den von ihm kritisierten Ablasshandel unternimmt.

Aber wie dem auch sei, allgemein anerkannt ist zumindest die Tatsache, dass Luther seine Thesen am 31. Oktober 1517 einem Brief beigelegt hat, den er dem Erzbischof Albrecht von Brandenburg schrieb. Die beigefügten Thesen waren allerdings nicht als Weisheit letzter Schluss, sondern als Grundlage für eine Disputation zum Thema Ablasshandel gedacht.

Die Sache mit Luther und den Thesen ist mir in den Sinn gekommen, als ich heute eine von Donald Trumps Thesen gelesen habe.

Trump stellt bekanntlich jeden Tag irgendwelche Thesen auf …

Zum Beispiel, dass er ein Genie ist. Dass er die Wirtschaft eines anderen Staates mit einem Federstrich lahmlegen kann. Oder dass er jemanden erschießen könnte, ohne dadurch auch nur einen einzigen Wähler zu verlieren.

Diesmal drehte sich die These allerdings nicht um Trump selbst und seine eigene, unantastbare Großartigkeit, sondern nahm eine Gruppe am anderen Ende der sozialen Stufenleiter ins Visier: Obdachlose. Wobei es Trump vor allem auf jene Obdachlosen abgesehen hatte, die in Kalifornien leben – in Zeltlagern, Parks oder unter den Brücken eines der vielen Highways, die das Land durchschneiden. Diese Obdachlosen, so Trumps These, seien mitverantwortlich für die Verschmutzung der Meere.

Nun ist Donald Trump alles andere als ein Obdachloser, weshalb seine These von vornherein verdächtig ist, zu jener Sorte von Aussagen zu gehören, die mehr über ihren Sprecher aussagen als über die Sache, die sie behandeln. Damit hätte ich es natürlich belassen und die Sache zu jenen Akten legen können, auf deren Deckblatt „Trumps tumbe Thesen“ steht. Aber das hätte am Ende gar nichts erklärt. Zumal ich mich gefragt habe, was um alles in der Welt Obdachlose machen, damit die Meere unter ihnen leiden?

Donald Trump hatte – wie immer – die Antwort: Spritzen von Drogensüchtigen ohne festes Zuhause und anderer Unrat von Obdachlosen werden bei Regen in die Kanalisation gespült und gelangen von da aus ins Meer. Besonders in San Francisco und L.A., so Trump, habe die Verschmutzung erschreckende Ausmaße angenommen. Unterstützung erhielt er dabei von der Umweltschutzbehörde EPA, die den in Kalifornien regierenden Demokraten vorwarf, nicht genug für die Reinhaltung des Wassers zu tun und – genau wie Trump – Obdachlose und Drogensüchtige für die Kontaminierung der Flüsse und Meere verantwortlich machte.

Nun fragt man sich, warum gerade in Kalifornien so viele Drogenspritzen in die Gullis gespült werden?

Zumal Kalifornien nicht gerade dafür bekannt ist, dass es dort andauernd regnet. Die über Jahrzehnte gesammelten Wetterdaten zeigen jedenfalls, dass der „Sunshine-State“ zu den zehn niederschlagsärmsten Bundesstaaten der USA gehört. Der Regen kann’s also schon mal nicht sein, zumal die Spritzen selbst im Falle heftiger Niederschläge nur in den seltensten Fällen in den Flüssen oder im Meer landen, da Städte wie San Francisco oder der Großraum L.A., wo die meisten Obdachlosen leben, das über die Kanalisation ablaufende Regenwasser größtenteils auffangen und es mit dem Abwasser der Haushalte vermischen, wodurch auch sämtlicher Unrat vermengt wird.

Was von Obdachlosen kommt, lässt sich somit nicht sagen, zumal die Abwässer von den Auffangbecken weiter in die Kläranlagen geschickt werden. Und selbst dort, wo das nicht geschieht und der Unrat von den Straßen über die Abwasserkanäle direkt in die Flüsse oder ins Meer gespült wird, sind es bei Weitem nicht nur die Obdachlosen, die entsprechenden Müll und Dreck produzieren. Der meiste Schmutz stammt vom Straßenverkehr, seien es nun Öl, Benzin oder andere Stoffe, die ausgeschieden und bei Regen fortgespült werden.

Dazu kommen all die Düngemittel und Pestizide, die die Leute in ihren Vorgärten über dem Rasen auskippen, damit der schön grün bleibt und kein Unkraut drin wächst. Auch sie werden bei Regen ausgewaschen und landen im großen Wasserkreislauf, genau wie die Tonnen menschlicher und tierischer Abfälle, die sonst so auf der Straße rumliegen. Ganz zu schweigen von den riesigen Mengen an Industrieabwässern, die mitunter komplett ungeklärt in die Ozeane fließen. Oder von den Feldern der agrarindustriellen Landwirtschaft in die Flüsse geschwemmt werden.

Warum also Kalifornien? Und warum die Obdachlosen?

Weil es in Kalifornien besonders viele davon gibt? Letzteres ist nicht von der Hand zu weisen, die Zahl der Obdachlosen in Kalifornien ist in den vergangenen Jahren tatsächlich deutlich nach oben geschnellt. Aber das Problem steigender Obdachlosenzahlen haben fast alle Metropolen in den USA. Und so schlimm die geschätzten 8.000 Obdachlosen in San Francisco oder die 60.000 im Los Angeles County auch sind – bei knapp 40 Millionen Kaliforniern insegsamt können sie schwerlich den meisten Müll produzieren und für die zunehmende Verschmutzung der Flüsse und Meere verantwortlich sein.

Warum also die Angriffe? Weil die Mächtigen immer zuerst auf die Schwachen draufhauen?

Gut möglich, aber in diesem Fall reichen die Gründe und die damit verbundenen Kränkungen tiefer, denn der kalifornische Senat, die Staatsversammlung und Gouverneur Gavin Newsom widersetzen sich seit Jahren Donald Trumps Politik. Fragen des Umweltschutzes spielen dabei eine zentrale Rolle, etwa wenn die kalifornische Landesregierung strengere CO2-Werte für Kraftfahrzeuge plant, als es die vom ehemaligen Kohlelobbyisten Andrew Wheeler geführte Umweltschutzbehörde EPA will. Trump selbst ist an Details wie immer nicht interessiert, schwingt stattdessen lieber die ganz große Keule und hat angekündigt, Kalifornien das Recht zur Festlegung eigener Grenzwerte zu entziehen.

Dass gerade Kalifornien unter enormer Luftverschmutzung leidet und – nicht zuletzt durch das extrem hohe Verkehrsaufkommen in den Großstädten und Metropolregionen – auch Probleme mit der Wasserreinhaltung hat, weiß Trump. Und genau das nutzt er aus. Zwar haben auch andere Bundesstaaten solche Probleme und laut Daten der EPA findet sich in sechs von ihnen (in Ohio, New York, Iowa, Missouri, Texas und Indiana) eine noch größere Anzahl an Dreckschleudern. Aber diese Staaten begehren bei Fragen des Umweltschutzes nicht derart massiv gegen Trump auf und haben auch nicht so ein großes Obdachlosenproblem.

Wenn Donald Trump also die Obdachlosen für die Verschmutzung der Flüsse und Meere verantwortlich macht, zielt er in Wahrheit auf Kalifornien und revanchiert sich auf die billigst mögliche Weise für das, was dort im Argen liegt.

Unterstützung erhält er dabei aber nicht nur von der EPA, sondern auch vom Ministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung und dessen Leiter Ben Carson. Trump hat Carson aufgefordert, sich des kalifornischen Obdachlosenproblems anzunehmen, wobei Trumps Wünsche klar sind: Die Städte sollen gesäubert, die Lager der Obdachlosen aufgelöst und die Leute in staatliche Einrichtungen gesteckt werden. Denn: „Die Obdachlosen leben an unseren besten Highways, in unseren besten Straßen, vor unseren besten Gebäudeeingängen, dort, wo Menschen wohnen, die sehr viel Steuern bezahlen, die des Prestiges wegen an diese Orte gezogen sind…“

Es sind Worte wie diese, die zeigen, was für ein Ignorant, Zyniker und Dummkopf sich hinter der präsidialen Fassade verbirgt. Zugleich aber lassen diese Äußerungen auch den ehemaligen Immobilienmogul Donald Trump sichtbar werden. Als solcher hat Trump Erfahrungen mit Obdachlosen, nur dass er sie früher für seine Zwecke benutzt hat. Als Trump nämlich in den 1980er Jahren in Manhattan ein altes Wohnhaus in lukrativer Lage abreißen wollte, um an seine Stelle ein neues Gebäude voller luxuriöser Eigentumswohnungen zu setzen, hatte er ein Problem mit den Mietern, denn die wollten nicht ausziehen.

Also bot er Obdachlosen an, in dem Haus zu wohnen, in der Hoffnung, das würde die Mieter vertreiben.

Der Plan scheiterte, weil der New Yorker Bürgermeister den Einzug der Obdachlosen verbot. Jetzt aber, als Präsident, hat Donald Trump genug Macht, um seinen Willen zu kriegen. Und auf Obdachlose ist er auch nicht mehr angewiesen. Im Gegenteil, jetzt kann er sie wieder zu Sündenböcken machen und sich damit an denjenigen rächen, die sich ihm widersetzen. Statt New Yorker Mietern sind es nun die kalifornischen Behörden, ihre Umweltprogramme und ihre Wohnungspolitik, die Trump unter dem Deckmantel des Obdachlosenproblems attackiert.

Dass seine Vorwürfe, in Kalifornien würden Obdachlose viel zu milde behandelt, gar nicht stimmen, ist dabei schon kaum noch der Rede wert. Denn Donald Trump geht es gar nicht darum, die bestehenden Probleme möglichst wahrheitsgetreu zu erfassen oder sie gar zu lösen. Kein Wunder, dass sich von sozialem Wohnungsbau in den Ankündigungen des Weißen Hauses und den Programmen seiner Berater fast nichts findet.

Und so schließt sich der Kreis, und es wird klar, dass Donald Trumps Thesen bezüglich der kalifornischen Obdachlosen nicht nur falsch, sondern auch gar nicht als Thesen gedacht sind, die die Welt beschreiben, in der diese Menschen leben. Sie sind auch nicht als Grundlage für weitere Debatten gedacht. Es sind im Grunde überhaupt keine Thesen, sondern verbale Vergeltungsangriffe, die die Komplexität der bestehenden Probleme vernebeln und politische Lösungen auf dem Altar des Trumpschen Super-Egos opfern. Und so zeigt sich, dass – statt über Obdachlose und ihre Probleme zu sprechen – Donald Trump auch diesmal nur wieder über sich selbst geredet hat.

Jetzt, wo die Geschichte aufgeschrieben ist, ich die Worte vor mir sehe und über alles nochmal nachdenken kann, fällt mir auf, dass es noch einen weiteren Unterschied zwischen Martin Luther und Donald Trump gibt. In Luthers Fall stimmten die Thesen, nur die Geschichte ihrer Bekanntmachung wurde lange Zeit falsch wiedergegeben. Bei Donald Trump dagegen sind die Thesen von vornherein falsch.

Nachweisbar ist dagegen nur der Weg, den sie genommen haben, und die Gründe, die dazu geführt haben, dass sie formuliert wurden. Aber das ist nur ein schwacher Trost, denn während ich das hier geschrieben habe, hat Donald Trump schon wieder neue Thesen verbreitet. Und so falsch die meisten von ihnen auch sind, einiges von ihnen bleibt doch hängen, wird weiterverbreitet, geteilt und geglaubt.

Denn wie heißt es doch so schön: An Holzköpfe lassen sich viele Thesen nageln.

Auszüge aus Francis Neniks „Tagebuch eines Hilflosen“

Hinweis der Redaktion in eigener Sache (Stand 1. Oktober 2019): Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider (!) nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen und ein Freikäufer-Abonnement abschließen.

Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Erreichung einer nicht-prekären Situation unserer Arbeit zu unterstützen. Und weitere Bekannte und Freunde anzusprechen, es ebenfalls zu tun. Denn eigentlich wollen wir keine „Paywall“, bemühen uns also im Interesse aller, diese zu vermeiden (wieder abzustellen). Auch für diejenigen, die sich einen Beitrag zu unserer Arbeit nicht leisten können und dennoch mehr als Fakenews und Nachrichten-Fastfood über Leipzig und Sachsen im Netz erhalten sollten.

Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 450 Abonnenten.

Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“

 

Tagebuch eines Hilflosen
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Pfingsten ohne Gruftis? Tag 3 – Das Darkstream Festival zeigt Düster-Pop aus Leipzig + Livestream
David Gray und "Kruppe" bei der gemeinsamen Moderation in der Moritzbastei. Screen Livestream

Screen Livestream

Für alle LeserPfingsten ohne ein schwarzes Leipzig? Geht gar nicht, waren sich Dave, Kruppe und Christian einig, als Corona mehr und mehr drohte, das 2020er „Wave-Gotik-Treffen“ zu kippen. Am Ende musste das WGT in diesem Jahr ausfallen, noch immer ist es nicht möglich, Konzerte durchzuführen. Dafür haben die drei mit weiteren Szenefreundinnen etwas auf die Beine gestellt, was sie selbst am Beginn nicht für möglich gehalten hätten. Das gesamte Pfingsten 2020 gibt es erstmals mit dem „Darkstream-Festival“ einen nahezu durchgehenden Livestream mit Moderation aus der Moritzbastei, Eindrücken aus Leipzig, über 60 Bands, DJs und Autorenlesungen.
Leipzig Automobil: 140 Jahre Leipziger Auto-Geschichte und ein mutiger Blick in die mögliche Mobilitätszukunft
Kulturstiftung Leipzig (Hrsg.): Leipzig Automobil. F

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich ist ja „Jahr der Industriekultur“. Aber davon war aufgrund der Corona-Beschränkungen bislang wenig zu spüren. Außer, man besucht zum Beispiel die bis August verlängerte Ausstellung „Silber auf Glas“ im Stadtgeschichtlichen Museum, die eine Menge Fotos aus der frühen Zeit der Leipziger Industrialisierung zeigt. Oder man schnappt sich jetzt diesen Themen-Sonderband, den die „Leipziger Blätter“ herausbringen und der die Leipziger Automobilgeschichte einmal in hunderten Bildern und vielen Facetten zeigt.
Freitag, der 29. Mai 2020: Experten buddeln am Bahnhof und Tierschützer „schließen“ Filialen + Video
Fastfood-Filiale in der Leipziger Innenstadt nach der symbolischen Schließung. Foto: Animal Rebellion Leipzig

Foto: Animal Rebellion Leipzig

Für alle LeserIn der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es in der Leipziger Innenstadt viel Aktivität. Während Expert/-innen am Hauptbahnhof eine vermeintliche Bombe untersuchten, die sich als Brunnen herausstellte, starteten Tierschützer/-innen eine Aktion gegen Fastfood-Filialen. Rund um Zwickau wiederum war die Polizei gegen Neonazis aktiv. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 29. Mai 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Panometer Leipzig: Veränderte Öffnungszeiten ab 1. Juni
CAROLAS GARTEN mit Insektenmodellen. Foto: Tom Schulze © Panometer

Foto: Tom Schulze © Panometer

Ab Pfingstmontag, den 1. Juni 2020, verändern sich die Öffnungszeiten des Panometer Leipzig temporär für die kommenden Monate. Das Panorama CAROLAS GARTEN ist ab nächster Woche montags bis freitags von 10 – 16 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen von 10 – 17 Uhr geöffnet.
Leipziger Forschungsergebnis: Frauen mit Neandertaler-Gen bringen mehr Kinder zur Welt
Svante Pääbo mit dem Schädel eines Neandertalers. Foto: MPI für evolutionäre Anthropologie

Foto: MPI für evolutionäre Anthropologie

Für alle LeserEs war nur eine kleine Meldung, die das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie am Dienstag, 26. Mai, herausgab. Aber sie macht doch nachdenklich. Denn dass die späte Vermischung von modernen Menschen und Neandertalern vor ungefähr 47.000 bis 65.000 Jahren in Europa Folgen bis in unser Erbgut hatte, das haben schon mehrere Untersuchungen aus dem Institut belegt. Aber selbst auf die Fruchtbarkeit von Frauen soll eine kleine genetische Veränderung aus dem Erbe der Neandertaler Auswirkungen haben.
Die neue Leipziger Zeitung Nr. 79: Von Gier, Maßlosigkeit, Liebe und Homeschooling in Corona-Zeiten
Leipziger Zeitung Nr. 79: Liebe in Zeiten von Corona. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserZeitungen leben davon, dass sie den Blick schärfen, dass sie uns aufmerksam machen – und zwar ohne Geschrei, ohne das bunte Flackern im Internet und das dortige Gebuhle um Aufmerksamkeit. Zeitungen könnten der Ruhepol in einer zunehmend irrelaufenden Welt sein. Wenn sie denn nicht selbst auch noch anfingen, die Welt irre zu machen und jedes Problemchen zum Skandal aufbliesen, wie es die LVZ jüngst mit dem Brief einer empörten Mutter eines Schulkindes tat.
Im Juni soll der Stadtrat zum Entwurf des Bebauungsplans für den Wilhelm-Leuschner-Platz entscheiden
Die große Brachfläche Wilhelm-Leuschner-Platz / Markthallenviertel im Modell des Stadtplanungsamtes. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserLange hat der Stadtrat darauf gewartet. Am Dienstag, 26. Mai, gab das Dezernat Stadtentwicklung und Bau den Ratsfraktionen endlich den Entwurf des Bebauungsplanes Nr. 392 „Wilhelm-Leuschner-Platz“ in die Hände, nachdem Oberbürgermeister Burkhard Jung am 19. Mai schon seine Zustimmung gegeben hatte, dass der Entwurf endlich an die Öffentlichkeit darf. Jetzt bekommt man so eine Ahnung, wie sich die Stadt das künftige Quartier wirklich vorstellt.
Mitteldeutsches Bündnis entwickelt jetzt mit Bundesunterstützung ein Konzept für die Wasserstofftransferregion Leipzig
Teilnehmer zum Zukunftsworkshop H2-Chancendialog. Foto: Fraunhofer IAO

Foto: Fraunhofer IAO

Für alle LeserEs geht nicht nur um den „Wandel in strukturschwachen Regionen“, wenn das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ jetzt das HYPOS-Projekt in der Region Leipzig fördert. Denn mit HYPOS wird Wasserstoff zum künftigen Energieträger in der Braunkohleregion, deren Ende spätestens 2035 eingeläutet wird, wahrscheinlich aber noch viel früher.
Im März und April ging die Stimmung der Leipziger Wirtschaft durch die Corona-Krise erst einmal in den Keller
Wie bewerten die Leipziger Unternehmen die sächsische Exit-Strategie? Grafik: IHK zu Leipzig

Grafik: IHK zu Leipzig

Für alle LeserDas hat reingehauen. Das hat die Weltwirtschaft so noch nicht erlebt, dass praktisch alle wichtigen Industrienationen fast zwei Monate ihre Wirtschaft herunterfahren, um den Ausbruch einer Pandemie in den Griff zu bekommen. Mit durchaus unterschiedlichem Erfolg. Sachsen ist dabei noch relativ glimpflich davongekommen. Aber zumindest im März und April sorgt der Shutdown für eine massive Eintrübung der Stimmung in der Wirtschaft.
Ökolöwe zur Zukunft des Auenwaldes: Die Leipziger Aue braucht exklusiven Schutz
Bärlauchblüte im Auenwald. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn Deutschland sind 63 Prozent der zu schützenden Arten in einem ungünstigen Erhaltungszustand. 69 Prozent der geschützten Biotope sind in einem schlechten Zustand. Zu diesen ernüchternden Ergebnissen kommt der Bericht „Lage der Natur Deutschlands“, den das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) Mitte Mai veröffentlicht hat. Das betrifft auch den Leipziger Auenwald, zu dem der Stadtrat am 20. Mai endlich einen grundlegenden Beschluss gefasst hat.
Heute mal über Wissen und Bildung, Dunning und Kruger und die Gefühle von Wissenschaftler/-innen
Weil gerade kein tolles Nerd-Bild zur Hand war ... Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs gibt tatsächlich diese seltsamen Begegnungen, nicht nur bei diesen Hygiene-Demos, selbst in der Straßenbahn, wo eine doch schon etwas ältere, gartengebräunte und sehr von sich überzeugte Frau laut zu ihren beiden Schützlingen sagt: „Dass wir jetzt alle gechipt werden, ist jetzt offiziell. Das ist jetzt nämlich rausgekommen. Als Merkel kürzlich in China war ...“ Ja, was macht man da? Schreit man da vor Entsetzen? Oder guckt man lieber nach, ob man sein Handtuch dabei hat, um so schnell wie möglich wegzukommen, weil dieser Planet nicht mehr zu retten ist?
Donnerstag, der 28. Mai 2020: Stadtrat verurteilt, Untersuchung am Bahnhof, Demos zu Pfingsten
Rund um den Hauptbahnhof könnte es am Freitag eine Sperrzone geben. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserLeipzig stehen aufregende Tage bevor. Am Freitag wollen Feuerwehr und Kampfmittelbeseitigungsdienst ein Objekt am Bahnhof untersuchen, das eine Fliegerbombe sein könnte, und über Pfingsten sind zahlreiche „Corona-Demos“ geplant. Bereits heute tagte der Stadtrat. Zudem kündigte Leipzigs Ex-OBM Tiefensee seinen Abschied an. Die L-IZ fasst zusammen, was am Donnerstag, den 28. Mai 2020, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Der Stadtrat tagt: Verwaltung soll Planung der Eisenbahnbrücke über Geithainer Straße einleiten + Video

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Stadtrat hat am Donnerstag, den 28. Mai, zwei Anträge zur Geithainer Straße einstimmig beschlossen. Zum einen soll die Verwaltung die Planung und den Bau der Eisenbahnbrücke einleiten und zum anderen sich unter anderem dafür einsetzen, dass auch weitere Bauwerke entlang der Bahnstrecke saniert werden. Eine Mehrheit erhielt auch ein Antrag der Grünen, in dem es um eine mögliche Fahrradstraße geht.
Der Stadtrat tagt: Leipzig verurteilt Nutzung eines ehemaligen KZ-Außenlagers durch Neonazis + Video
Juliane Nagel (Linke) forderte eine offizielle Verurteilung der Stadt Leipzig zu den Nutzern der Kamenzer Straße. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDie Stadt Leipzig verurteilt die Nutzung des ehemaligen KZ-Außenlagers in der Kamenzer Straße durch Neonazis. Ein entsprechender Antrag wurde in der Ratsversammlung am 28. Mai mit großer Mehrheit beschlossen. Gegenstimmen kamen lediglich aus der AfD-Fraktion. Zudem soll sich die Stadt um ein intensiveres Gedenken an diesem Ort bemühen.
Provokation oder sinnvoller Weg? Marcus Weiss beantragt Tempo 30 im ganzen Stadtgebiet
Tempo 30 - hier vor der Lessingschule. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDer Stadtverkehr der Zukunft wird anders aussehen. Das machen mittlerweile nicht nur Städte wie Kopenhagen oder Amsterdam vor, wo Radfahrer/-innen seit Jahren bessere Bedingungen vorfinden. In der Coronakrise haben auch Städte wie Madrid, Paris und Brüssel den Schalter umgelegt. Gerade im Herzen der Stadt haben sie dem umweltfreundlichen Radverkehr endlich mehr Platz eingeräumt. Eine Entwicklung, an der auch Leipzig nicht vorbeikommen wird. Die Frage ist nur: Wie schnell geht's?