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Sieben Menschen aus sechs Herkunftsländern erzählen über ihren Neuanfang in Sachsen

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    Leipzig ist eine Stadt der Zuwanderer. Daraus generiert die Stadt seit 20 Jahren wieder ihr Wachstum. Was übrigens zu feiern wäre. Denn genau im Jahr 2000 endete die Abwanderungswelle aus Leipzig, aus der Schrumpfstadt wurde tatsächlich wieder eine wachsende Stadt. Und dazu trugen auch Menschen aus aller Welt bei, denen eine neue Website nun ein Gesicht gibt.

    Am 10. Dezember ging dieser „Podcast Integrationskurs“ online. Johanna Bender und Isabelle Wiedemeier, beide Dozentinnen in Integrationskursen an Leipziger Sprachschulen, treffen darin ehemalige Schüler/-innen wieder und sprechen mit ihnen über ihre Leben nach dem Integrationskurs – ihre Integration hier in Leipzig, ihre Herkunftsländer, Fluchtgründe und ihre Fluchtgeschichte …

    Sechs dieser Geschichten sind seit dem 10. Dezember auf www.auf-integrationskurs.de online.

    Weitere sechs Folgen folgen Anfang 2021. Der Podcast ist auch bei den üblichen Plattformen (siehe unten) zu hören.

    „Als Dozentinnen haben wir täglich einen sehr intensiven und persönlichen Kontakt zu Migranten aus aller Welt, die in unseren Kursräumen zusammentreffen und alle hier in Leipzig leben“, erzählt Isabelle Wiedemeier. „Wir wünschen uns, durch den Podcast möglichst viele Menschen an der Vielfalt und Inspiration teilhaben lassen zu können, die wir selbst mit unseren Teilnehmer/-innen erleben – und damit zur beidseitigen Integration beizutragen.“

    In der ersten Folge kommen zum Beispiel Claudette Ocando Röhricht und Claudio Ocando Peña zu Wort, zwei Geschwister, die aus Venezuela nach Leipzig gekommen sind.

    Sie erzählen, wie sie sich in Leipzig nach einem Jahrzehnt wiedergefunden haben und warum die kleine Schwester plötzlich die Mutterrolle übernimmt. Sie sprechen über fast perfekte Integration, queere Flucht und erklären, warum eine Kiste Whisky den Unterschied zwischen Venezuela und Deutschland markiert. Und man hört im Podcast einen Traum, der Gänsehaut macht.

    Und Claudette sagt gleich zum Auftakt etwas ganz Wichtiges: Dass die „eingeborenen“ Leipziger/-innen nicht einfach immer nur einseitig Integration von den Zuwandernden erwarten dürfen. Zur Integration gehört immer Offenheit und Bereitschaft von beiden Seiten. Mal ganz zu schweigen davon, dass letztlich alle Menschen erst den Reichtum und die Lebendigkeit einer Stadt ausmachen. Egal, ob sie aus Bayern, Syrien, Polen, Vietnam oder Venezuela nach Leipzig kommen.

    Von den 593.145 Menschen, die zum 31. Dezember 2019 offiziell in Leipzig registriert waren, war fast jede/r Zehnte Ausländer – genauer: 57.332. Wenn man alle Leipziger/-innen mit Migrationshintergrund zusammennimmt, waren es sogar 92.921, eine Zahl, die diesmal direkt aus dem Einwohnermelderegister stammt, wo ja zum Jahresende 2019 sogar 601.688 Leipziger/-innen gezählt wurden.

    Die Syrer stehen ja, nachdem ab 2015 auch viele Kriegsflüchtlinge in Leipzig eine neue Heimat gefunden haben, mittlerweile auf Rang zwei der größten migrantischen Gruppen – gleich hinter den Zugewanderten aus der Russischen Föderation und vor den Polen.

    Für die in Leipzig heimisch gewordenen Syrer spricht in diesem Fall sogar Mohamed Ahmed, der eigentlich Palästinenser ist. Seine Familie hatte in Syrien eine neue Heimat gefunden. „Als Mohamed 2014 in Deutschland ankommt, gibt es sein Haus in Damaskus nicht mehr. Er verliert auf seiner Flucht über die Balkanroute alles außer die Kleider am Leib, aber nicht die Liebe und den Glauben an ein gutes Leben in der Zukunft. Er spricht darüber, welche Sehnsucht ein deutscher Pass erfüllen könnte, wie er einen Neuanfang geschafft hat und warum die deutsche Sprache so schwer ist“, so beschreibt Johanna Bender das Schicksal des Koches, der in Deutschland eine Chance für einen richtigen Neuanfang sieht.

    Wie sehr Leipzig in die politischen Ereignisse in aller Welt tatsächlich eingebunden ist, zeigt auch das Schicksal von Yoav Lewy, der nicht auf Palästinenser schießen wollte.

    Yoav ist 39, kommt aus Israel und hat mittlerweile einen deutschen Pass. Und mit Deutschland verbindet ihn sogar seine Familiengeschichte. „Er erzählt, wie ihn die Liebe seiner Großeltern zum Land der Täter angesteckt hat und warum Angela Merkel für ihn die freie Welt verkörpert. Er erklärt, warum es für ihn besser war, in den Knast zu gehen als Befehle gegen Palästinenser auszuführen. Und wir hören ein großartiges Beispiel für jüdischen Humor“, so Isabelle Wiedemeier.

    Jeder Interviewte hat eine gute halbe Stunde, um über sich, sein Leben und seine Träume zu erzählen.

    Träume, die oft erstaunlich denen all der anderen zugewanderten Leipziger/-innen ähneln, die sich über Migration oft gar keinen Kopf machen, weil das Umziehen zwischen Schwaben und Leipzig oder Köln und Leipzig zumindest vor der Corona-Pandemie kein Ding war: Man kommt zum Studieren nach Leipzig oder weil man Teilnehmer wissenschaftlicher Projekte wird oder weil hier die Wunscharbeitsstelle ausgeschrieben ist.

    Und es ist auch nicht immer der Krieg, der Menschen tausende Kilometer reisen lässt, um in Leipzig ein Zuhause zu finden. Chihiro Feuerbach-Suto etwa hat es aus Japan nach Leipzig verschlagen, wo sie selbst als Japanerin merkt, welche Hürden die deutsche Bürokratie aufgerichtet hat, um zu verhindern, dass Menschen, die ihre Abschlüsse im Ausland gemacht haben, hier eine Tätigkeit entsprechend ihrer Qualifikation aufnehmen können.

    Sasha Bobrik kommt aus Belarus und ist so alt wie der dortige Diktator Lukaschenko an der Macht, 26 Jahre. Sie erzählt in ihrem Podcast, wie sie von Leipzig aus bei der Revolution der Frauen mitmischt und warum sie gerne in Deutschland Gebäude plant.

    Und mit Moha Ezzouini kommt einer jener Menschen zu Wort, die erlebt haben, wie die sächsische Polizei sie einfach wieder aus einem schon als geregelt empfundenen Leben reißt und abschiebt – in diesem Fall nach Marokko.

    Johanna Bender: „Ein dramatisches Ereignis veranlasst Moha, seine Heimat Marokko zu verlassen. Mit Mut, Tatkraft und einem Sprachtalent im Gepäck will er seiner Verantwortung als ältester Bruder gerecht werden. Er schafft es, in Dresden Arbeit, Freunde und viele neue Aufgaben zu finden. Hier lebt er mit seinem Bruder, bis ihn eines nachts die Polizei zur Rückkehr zwingt. Moha spricht über Familie, sein Interesse für Kultur, seine Zeit in Deutschland und die Probleme nach seiner Rückkehr.“

    Anhören kann man die Podcasts auch bei Spotify, i-Tunes und Amazon Musik.

    Und man bekommt dabei einen kleinen Eindruck, wie sich das anfühlt, wenn man in einem völlig fremden Land ganz von vorn anfangen muss – aber auch will.

    Frohe Weihnacht mit der neuen „Leipziger Zeitung“ oder: Träume sind dazu da, sie mit Leben zu erfüllen

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