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Auf die Buchfresse!

Von Ilse Schnickenfittich

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    Ach kommt Leute. Das kennen wir doch nun von der Buchmesse Leipzig seit Jahren. Erst werden Verlage in die Hallen und Lesungen ins Programm gelassen, in deren Umfeld sich vom Verfassungsschutz beobachtete Identitäre und andere Neonazis tummeln und dann ist die Überraschung wieder groß. Von links kommt der Protest, von rechts die Opferrolle und in der Mitte steht dieses Mal die Frankfurter Buchmesse, die sich gegen all das verwahrt, was sie eingerührt hat. Und argumentiert, man könne ja Verlage nicht ausladen, wegen der freien Meinung! Ok, dieses Mal gabs was aufs Maul. Da sage noch einer, Messen würden keinen bleibenden Eindruck hinterlassen und rechte Meinungsverteidiger hätten nicht wenigstens zwei Argumente. Ich hab hingegen mal so eine Idee zur Güte …

    Ich sags ja immer wieder: vom Osten lernen, heißt siegen lernen. In Leipzig argumentiert man ja gern so: Die „friedliche Debattenkultur“ und die Meinungsfreiheit sind einfach zu geil, da muss man die rechte Hetze noch so ein bisschen mit ertragen. Das schafft so eine Demokratie, da fallen die paar Leute, die sie abschaffen wollen, doch nicht ins Gewicht.

    Da steht man drauf, auf diese Erläuterung und bringt die jedes Jahr, wenns wieder kompakt oder ganz jung und freiheitlich gerappelt, gepöbelt und gegrölt hat. Nun also auch die Frankfurter, wo man jetzt Gewalt auch nicht so mag und das aber bitteschön von „links und rechts!“ nicht. Das ist schon wichtig, so aus der Komfortzone neuer deutscher Mittigkeit heraus.

    Ja, es kann schon mal passieren, dass dabei auch einer verklopft wird, so ein linkes Demokratenschwein, was gegen die Neonazis demonstrieren kommt (das ist doch schon Messemissbrauch oder?) – aber das ist ja bitte Sache der Polizei. Wie, die hat nicht eingegriffen? Kann ja wohl nicht wahr sein, rufts aus der meinungsverteidigenden Buchmessenmachermitte. Nun, da waren die Beamten wohl der Meinung, der Meinungsaustausch ginge irgendwie klar?

    Und überhaupt: man ist für Alle da bei so einer schönen Buchmesse mit vollen Hallen und guten Buchverkäufen. Und schließlich werden Messen mit unserem Steuergeld gefüttert, da ist Nein sagen kaum möglich, wenn Bernd, Jürgen und der Götz einfach Bock auf Buch haben.

    Kommen wir also zur Idee, denn bei Ilse geht es IMMER konstruktiv zu

    Wir gehen nicht mehr hin. Nein, keine Freiexemplare mehr abstauben, stundenlang durch die zugestellten Hallen rollern und gegen Eintritt Bücher und halbnackte Jugendliche im Fantasykostüm glotzen. Wir bleiben einfach zu Hause, nehmen uns ein gutes Buch in der gesparten Zeit vor und lassen die Messemacher mit ihrer Suche nach der Meinungsmitte allein. Und vielleicht – wenn wir nicht mehr da sind – kommen auch keine Verlage mehr? In Internetzeiten ist die Standmiete eh oft genug fürn Kübel und so ein bisschen Haltung darf man auch beim Bildungsbürger im publizistischen Gewerbe erwarten.

    Dann sind die Hallen leer. Und die Neonazis üben Schattenboxen oder verhauen sich einfach wie früher auf dem Dorffest untereinander.

    Und wir machen vielleicht einfach woanders das eine oder andere gemütliche Buchtreffen, lesen uns in Szenekneipen und in kleinen Veranstaltungshäusern die neuesten Bücher vor – so ganz ohne Messegelände. So etwas soll ja schon früher passiert sein – man halte an sich: in Leipzig! Da haben sich einfach einmal im Jahr Verlage mit ihren neusten Werken vorgestellt. Und Menschen kamen, weil es sie interessierte. Vielleicht nennen wir es ja dann irgendwann „Buchmesse“, eine ganz ohne Gewalt.

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    Hinweis der Redaktion: Es kam auf der Buchmesse in Frankfurt zu mehreren Auseinandersetzungen rings um Lesungen neurechter Verlage. Lesen Sie dazu gern den zusammenfassenden Beitrag auf sueddeutsche.de (Link am Ende unter diesem Beitrag)

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