Bitcoins – die Revolution des Finanzwesens?

Derzeit macht Geld Schlagzeilen, das sich nicht ansehen oder in der Hand halten lässt: Bitcoin – eine Kryptowährung, die es nur im Internet gibt. Sie könnte das Zeug dazu haben, die Finanzwelt auf den Kopf zu stellen.

Reale Werte und Scheinwerte

Geld hat nur dann Wert, wenn wir daran glauben. Münzen und Scheine werden nur deswegen angenommen, weil ihr Gegenwert verlässlich, nämlich staatlich garantiert ist. Mit jeder regulären Währung geht das Versprechen ihres Wertes einher, ein 100-Euro-Schein ist deswegen mehr als nur ein Stück Papier – nämlich 100 Euro wert.

Dieser Grundsatz gilt nur bedingt für die vielen neuen Kryptowährungen, die derzeit von sich reden machen: Mittlerweile gibt es mehr als 800 solcher Währungen, die nur im Internet existieren und dort erzeugt und gehandelt werden. Am bekanntesten neben Bitcoin sind Ethereum und Ripple. Die Kryptowährungen funktionieren, wenn es eine ausreichend große Zahl von Menschen gibt, die an diese neuen Wertsysteme glauben und daher investieren oder mit diesen Währungen spekulieren. Einen garantierten Wert haben Kryptowährungen jedoch nicht.

Rasante Kursentwicklungen – große Kursrisiken

Vor allem Bitcoin macht derzeit Schlagzeilen, da sich die Wechselkurse gegenüber Euro und Dollar in astronomische Höhen bewegt haben. Ein Bitcoin war 2013 um die 100 Dollar wert, im Sommer 2017 sind es deutlich über 4.000 Dollar! Damit lockt ein Investment in diese neue Digitalwährung. Eine Weile mag das auch funktionieren – ich kaufe eine Anzahl Bitcoins, warte den weiteren Kursanstieg ab und verkaufe, wenn mir die Gewinnspannen groß genug erscheint.

Ist es also an der Zeit, sein Geld ganz anders anzulegen und ein Investment in Bitcoin und Co zu tätigen? Das hängt von der Risikobereitschaft des Einzelnen ab. Wer in eine neue Währung wie Ethereum oder Ripple investiert, kann seinen Einsatz verlieren, wenn keine Kursdynamik einsetzt. Das gilt für viele der neuen Kryptowährungen. Werden sie jedoch stabiler und erfolgreich wie derzeit die Bitcoins, steigt die Zahl derer, die einsteigen und ein Investment wagen. Doch je höher die Kurse steigen, umso stärker verlässt ab einer gewissen Kurshöhe die Investoren der Mut. Kommt es dann zu einem Punkt, an dem zu viele abspringen, ihren Gewinn mitnehmen und ihre Kryptowährung lieber in eine stabile Währung zurücktauschen, ist eine sehr schnelle Talfahrt des Wechselkurses zu Euro oder Dollar vorprogrammiert. Wer noch nicht verkauft hat, muss nun mit dem Verlust seines Investments rechnen.

Volles Risiko für Investments

Hier wird dann zum Nachteil, dass Kryptowährungen sich außerhalb jeglicher staatlichen Kontrolle bewegen – und mithin kein Wert garantiert ist. Eine Fehlspekulation beispielsweise in Bitcoin oder der Zusammenbruch dieser Digitalwährung würde einen Totalverlust des Investments bedeuten. Skepsis erzeugen muss auch, dass gerade Bitcoins zur Geldwäsche und zur Finanzierung krimineller Machenschaften verwendet werden – kein wünschenswertes Umfeld, um mit der Investition seiner Ersparnisse einen Zugewinn zu erzielen. Ein ethisch einwandfreies Investment ist mit Kryptowährungen nicht möglich.

Das Zukunftspotenzial der Kryptowährungen

Im Zusammenhang mit der Digitalisierung des Bankenwesens finden auch Kryptowährungen verstärkt Beachtung. Sie werden sich – ob sie nun Bitcoin, Ethereum oder Ripple heißen – zu einem festen Faktor in der Finanzwelt entwickeln. Das macht sie nicht zwingend zum Geld der Zukunft: Noch sind die dahinterstehenden internetbasierten Prozesse der Schaffung und Verwaltung zu schwerfällig, als dass wir damit rechnen könnten, in absehbarer Zeit mit Bitcoin-Münzen oder -Scheinen in der Tasche unterwegs zu sein und damit Brötchen, Zeitung oder eine Tankfüllung zu bezahlen.

Andererseits wird immer wieder das Szenario der Abschaffung des Bargeldes bemüht. Tatsächlich könnte die große Stunde der Bitcoins schlagen, wenn eine Währung keine dingliche Existenz mehr braucht, sondern als Recheneinheit digital gehandelt und verwaltet wird. Dann könnte man per Smartphone von seinem Bitcoin-Konto Geld transferieren und sich auch Summen gutschreiben lassen.

Noch existieren Bitcoin und Co in einer Welt für sich. Sie bilden eine Art finanzielles Paralleluniversum – spannend wird, wie es sich in der Zukunft intensiver mit dem realen Gelduniversum verbinden lässt.


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Foto: L-IZ.de

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