Strompreise – wie geht es weiter?

Auch in diesem Jahr ist Strom wieder teurer geworden.

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums und der Elektrizitätswirtschaft beträgt der durchschnittliche Strompreis für Privathaushalte aktuell 29,42 Cent/Kwh. Das ist ein neuer Rekord. Damit hat sich die 2015 und 2016 festzustellende leichte Verbilligung nicht fortgesetzt. Sie war offenbar nur eine leichte und vorübergehende Delle in einem langfristigen Trend zur Verteuerung.

Seit der Jahrtausendwende steigt der Strompreis in Deutschland nahezu kontinuierlich. Dabei hatte man sich von der 1998 erfolgten Liberalisierung des Strommarktes eigentlich eine preisliche Entlastung erhofft. Die trat zwar zunächst auch ein. 1998 lag der durchschnittliche Strompreis für einen Haushalt noch bei 17,11 Cent/Kwh. Im Jahr 2000 hatte er sich auf 13,94 Cent/Kwh reduziert – eine Verbilligung von gut 18 Prozent. Der Strompreis von heute ist mehr als doppelt so hoch und liegt rund 110 Prozent über diesem Niveau.

Die EEG-Umlage als Kostentreiber in der Vergangenheit

Wie konnte es dazu kommen? An den Kosten für Stromerzeugung, -transport und -vertrieb liegt es nicht. Die sind nämlich seit 2008 tendenziell rückläufig. Sie machen allerdings mit einem Anteil von rund 21 Prozent nur den geringeren Teil der Stromkosten aus. Etwa ein Viertel entfällt auf Netzentgelte. Und der große „Rest“ von mehr als 54 Prozent ist durch Steuern, Abgaben und Umlagen bedingt. Als größter Kostentreiber hat sich dabei in den letzten Jahren die EEG-Umlage erwiesen. Sie ist alleine im Zeitraum 2010 bis 2018 von 2,047 Cent/Kwh auf 6,792 Cent/KWh gestiegen – hat sich also mehr als verdreifacht. Da der Staat über die Mehrwertsteuer an der EEG-Umlage mitverdient, ist auch der Steueranteil an den Stromkosten größer geworden.

Die um die Jahrtausendwende eingeführte EEG-Umlage dient dazu, den Ausbau erneuerbarer Energien zu finanzieren. Die Betreiber von Solaranlagen, Windparks & Co. erhalten für Stromerzeugung langfristig garantierte Einspeisevergütungen. Das Geld dafür kommt aus dem Topf der EEG-Umlage. Solange sich der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung noch in Grenzen hielt, fiel die EEG-Umlage nicht allzu sehr ins Gewicht. Das hat sich spätestens mit der Entscheidung für die Energiewende grundlegend geändert. Zwar versucht man inzwischen, das System der Einspeisevergütungen zu reformieren, um einen weiteren Anstieg der EEG-Umlage zu verhindern oder zumindest abzubremsen. Aber nachhaltig gewirkt hat das (noch) nicht.

Strom wird so bald nicht billiger

Dennoch rechnen Experten damit, dass sich die EEG-Umlage langfristig wieder reduzieren wird. Ab 2023 ist mit sinkenden EEG-Anteilen am Strompreis zu rechnen, da dann die hohen Einspeisevergütungen der Anfangszeit auslaufen. Wenig Entlastung ist dagegen bei den Netzentgelten zu erwarten. Beim Netzausbau besteht noch erheblicher Investitionsbedarf. Die Bundesnetzagentur veranschlagt ihn auf 40 Milliarden Euro. Der Ausbau ist notwendig, um den Strom aus erneuerbaren Energien vom Ort der Erzeugung dorthin zu leiten, wo er verbraucht wird.

Schwer einzuschätzen ist die Entwicklung des Preisanteils für die eigentliche Stromerzeugung. Hier haben sich in der Vergangenheit die relativ günstigen Rohstoffpreise und der intensive Wettbewerb positiv bemerkbar gemacht. Längerfristig wird aber bei Öl und Gas „wegen der Knappheit“ wieder mit steigenden Preisen gerechnet. Auch ein schnellerer Ausstieg aus der Kohlestromerzeugung könnte verteuernd wirken.

Günstige Angebote am Markt nutzen

Von daher ist nicht unbedingt damit zu rechnen, dass Strom bald billiger wird. Umso wichtiger, ist es für Verbraucher, Strompreise zu vergleichen und die günstigsten Angebote am Markt zu nutzen. Wenn der Stromanbieter die Preise erhöht, besteht ein Sonderkündigungsrecht. Der Anbieter kann dann sofort gewechselt werden.


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