Was Vermögensberater wirklich leisten

An ein Vermögen zu kommen, ist zuweilen weniger schwierig als man es sich häufig vorstellt. Die eigentliche Schwierigkeit, besteht vielmehr darin, ein Vermögen zu erhalten. Denn wo ein Vermögen ist, sind potenzielle Nutznießer ebenfalls schnell an Ort und Stelle. Wer dabei mit den Fein- und Eigenheiten der Finanzwelt nicht gut genug vertraut ist oder niemanden hat, der ihn oder sie mit Fachwissen und Erfahrung unterstützen kann, läuft Gefahr, das Ersparte genauso schnell wieder zu verlieren, wie es erwirtschaftet wurde. Eine professionelle Vermögensberatung, so die These dieses Beitrages, ist keine Scharlatanerie, sondern erfüllt eine wichtige gesellschaftliche Funktion – jedenfalls unter Idealbedingungen.

Über die Frage, ob die Vermögensberatung eine professionalisierte oder zumindest professionalisierungsbedürftige Berufspraxis ist, lässt sich aus soziologischer Sicht lange streiten. Aber es geht hier ja auch nicht darum, eine soziologische Fachdiskussion anzustoßen oder zu führen. Entscheidend ist vielmehr Folgendes: Vermögensberater sind (oder sagen wir: sie sollten es idealerweise sein) zunächst einmal „Experten“, das heißt sie sind Personen mit einem Sonderwissen in einem speziellen Bereich der Lebenswirklichkeit – der Finanzwelt.

Hier verfügen sie über Erfahrungen und Kenntnisse, über die Laien eben nicht verfügen – und auch nicht verfügen können, wenn sie nicht einen erheblichen Teil ihrer Lebenszeit dem Studium etwaiger Finanzthematiken widmen. Vermögensberater erfüllen insofern eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, ja, eine ganz reale handlungspraktische Funktion: Wie Automechaniker, Gärtner, Busfahrer oder Verwaltungsbeamte lösen sie mithilfe ihres Expertenwissens – in gewisser Weise stellvertretend – die Finanzprobleme ihrer Klienten, die diese nicht selbst lösen können.

Vermögensberatung nur für Vermögende?

Nun könnte man fragen: Wie wichtig kann eine solche Funktion denn gesellschaftlich wirklich sein, wenn sie doch nur denjenigen zu dienen scheint, die bereits vermögend sind? Werden auf diese Weise nicht soziale Ungleichheiten gar noch weiter zementiert? Das kann man so pauschal nicht sagen. Vielmehr muss man hier differenzieren zwischen Vermögensberatern, die gleichsam nur nach „Lücken im System“ Ausschau halten und mit allen möglichen Mitteln auf eine sozusagen unbedingte Vermögensmaximierung abzielen und anderen Vertretern dieses Berufsstandes, die eher die finanzbezogene Beratungsleistung als solche in den Vordergrund stellen und somit in erster Linie das Ziel verfolgen, ihre Klienten unabhängig von der Größe ihres Vermögens hinsichtlich konkreter finanztechnischer Probleme zu beraten – und dies kann eben auch der Fall sein, wenn im Grunde gar kein Vermögen vorliegt, sondern lediglich sozusagen notwendige Anlageentscheidungen, wie etwa hinsichtlich Altersvorsorge, Kreditfinanzierungen und dergleichen mehr, getroffen werden müssen.

Von dieser Warte aus betrachtet, stellt sich der gesellschaftliche Beitrag der Vermögensberatung schon ganz anders, nämlich weitaus neutraler dar. Ihr „Job“ besteht folglich nicht darin, soziale Gerechtigkeit herbeizuführen oder Umverteilungsmechanismen in Gang zu bringen – dafür gibt es andere, weitaus wirksamere Institutionen (politische Parteien, Interessensverbände, Gewerkschaften, „public intellectuals“ etc.).

Komplizierter würde es jedoch dann werden, wenn der Zugang zu einer expertisierten Vermögensberatung nicht jedem im gleichen Maße offenstünde, wenn man ihn also nur durch Vermögenseinsatz bekäme. Dann stellte sich nämlich in der Tat die Frage, inwieweit es sich dabei nicht bloß um eine privilegierte Behandlung ohnehin privilegierter Milieus bzw. sozialer Schichten handelte. Und hieraus ließe sich dann wiederum förmlich eine normative Forderung formulieren: Ebenso, wie jeder das Recht auf einen Anwalt hat, sollte jeder unabhängig von seiner finanziellen Situation auch das Recht auf eine Vermögensberatung erhalten.

Vermögensberater ist kein Ausbildungsberuf

Dass es in der Vermögensberatung neben den vielen tatsächlichen Experten allerdings auch leider viele Scharlatane gibt, ist wohl letztlich auch dem geringen Institutionalisierungsgrad dieses Berufes geschuldet. Denn eine anerkannte Ausbildung zum Vermögensberater gibt es in Deutschland nicht. Was es gibt, sind laut dem Bundesverband Deutscher Vermögensberater umfassende Aus-, Fort- und Weiterbildungskurse einzelner Vermögensberatungsvereinigungen, die zur alleinigen Voraussetzung eine vorherige Fachausbildung jedweder Fachrichtung haben. Darüber hinaus sind Absolventen von Studiengängen wie Wirtschaftsrecht oder Ökonomie besonders für den Posten eines Vermögensberaters geeignet. Viele Hochschulen bieten zudem finanztechnische Schwerpunkte an. Hauptberufliche Vermögensberater mit drei bis vier Jahren Berufserfahrung können gemäß den Angaben des Bundesverbandes Deutscher Vermögensberater schon bis zu 6.000 € monatlich verdienen – nach oben ist die Grenze freilich relativ dehnbar.

Autor: Roman Felde


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