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Die Energiewende – Solarenergie um Leipzig

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    Der Strukturwandel hält in Deutschland Einzug, der Kohleausstieg ist beschlossene Sache. An dessen Stelle sollen erneuerbare Energieträger treten und auch um Leipzig herum wird der Wandel immer sichtbarer. Riesige Photovoltaikanlagen und Windkrafträder zwischen dem Erzgebirge und dem Thüringer Wald. Allein im Gebiet um Leipzig erbringen über 50 Solarparks und -anlagen eine Energieleistung von über 250 Gigawatt im Jahr.

    Die ökologische Produktion von Strom soll in den nächsten Jahrzehnten die Verluste durch den Kohleausstieg (Stein- und Braunkohle) kompensieren. Aktuell produzieren in Deutschland noch 106 Großkraftwerke eine jährliche Gesamtleistung von über 40.000 Megawatt, dies entspricht einem Energiebeitrag von ca. 20 % am Strommix in Deutschland (2018). Die zwei der größten Reviere in Deutschland befinden sich dabei in unmittelbarer Umgebung von Leipzig, das Lausitzer Kohlerevier und das Mitteldeutsche Braunkohlerevier.

    Durch die Verbrennung fossiler Energieträger, wie Braun- und Steinkohle werden jährlich 352 Mio. Tonnen CO2 ausgestoßen, mehr als einem Drittel der gesamten Treibhausgase in Deutschland. Um den Klimazielen und dem eingeleiteten Strukturwandel gerecht zu werden, wächst der Anteil von erneuerbaren Energiequellen stetig an. Im Jahr 2018 betrug die Stromleistung von Wasserkraft, Biomasse, Windkraft- und Solaranlagen bereits knapp 55 % der gesamten produzierten Energie in Deutschland.

    Über 55 Groß-Solarparks in Mitteldeutschland

    In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sind seit 1998, dem Bau des ersten größeren Photovoltaikparks, bis zum Jahr 2018 insgesamt 55 Photovoltaik-Freiflächenanlage und Dachanlagen mit einer Spitzenleistung von jeweils über 1,00 MWp errichtet worden. Mit der beachtlichen Gesamtanzahl von über 2.2 Mio. Solarmodulen können an den sonnigsten Tagen im Jahr, eine Energiemenge von über 280 MWp erzeugt werden.

    Zum Vergleich der Größenordnungen ziehen wir den Stromverbrauch aller Leipziger Haushalte aus dem Jahr 2014 mit 2.625 GWh heran. Dies entspricht einem durchschnittlich täglichen Verbrauch von 7,19 GWh (Gigawatt). Ein moderner Fernseher weißt dabei einen jährlichen Verbrauch von 80 kWh auf, also 0,080 MWh.

    Eine Photovoltaikanlage produziert nicht gleichbleibenden Strom. Je nach Einfallswinkel der Sonne sowie der täglichen Tageslichtzeit schwangt der Energieertrag zwischen den Sommer- und Wintermonaten teils erheblich. Alle mitteldeutschen (Groß-)Solarparks, mit einer Gesamt-Spitzenlast von 280 Megawatt (Peak), produzieren einen jährlichen Energierertrag von rund 252 GWh. Sämtliche Anlagen in Mitteldeutschland könnten demnach alle Haushalte der Stadt Leipzig für rund 35 Tage versorgen oder 84.000 Haushalte „dauerhaft“ (siehe Vorteile Solarenergie).

    Solarmodule. Foto: CC0

    Solarparks in Sachsen

    Sachsen ist führend in der Produktion von Solarstrom in Mitteldeutschland. Mit knapp 150 MWp produziert allein Sachsen doppelt so viel Strom wie Thüringen und Sachsen-Anhalt zusammen. Größter Beitragslieferant ist dabei der Solarpak Waldpolenz bei Brandis in der Nähe von Leipzig. Auf dem Gelände eines ehemaligen sowjetischen Militärflugplatzes ist auf 142 ha die damals zweitgrößte Anlage weltweit entstanden. Gebaut wurden die Solarmodule von dem amerikanischen Unternehmen First Solar, die mithilfe von speziellen Schlauchhebern mit Vakuumfunktion für Solarmodule über 700.000 Solarpanele produzieren konnten. Erst durch diese maschinelle Fertigungsweise konnte die Gesamtanlage in weniger als zwei Jahren produziert und errichtet werden.

    Nr.Name/OrtLeistung
    (MWp)
    Anzahl
    Module
    General-
    Unternehmer
    1Solarpark Waldpolenz, Brandis (bei Leipzig)52,00700.000Juwi Solar GmbH
    2Solarpark Rothenburg, Oberlausitz20,50273.240Gehrlicher Solar AG, SWM
    3Solarpark Zeithain, LKR Meißen12,0056.000Q-Cells International
    4Solarpark Ziegelscheune8,00SolarWorld AG
    5Solarpark „Rote Jahne“, Doberschütz, LKR Delitzsch6,0092.880Juwi Solar GmbH
    6Solarpark Leipzig, Wiederitzsch5,3030.240
    7Solarpark Leipziger Land, Espenhain, Nähe Leipzig5,0033.264SHELL Solar
    8Solarpark Königsbrück „Am Waldpark“, bei Dresden4,4463.000Phoenix Solar AG
    9Solarpark Blumroda, Borna, Nähe Leipzig3,6020.196Energie Süd GmbH
    10Solarpark Borna, Nähe Leipzig3,44438 MoverSOLON AG
    11Solarpark Grimma, LKR Leipzig3,25382 MoverKirchner Solar Group
    12Solarpark Chemnitz I, Dittmannsdorf3,20Wattner
    13Solarpark Bockelwitz/Polditz, LKR Döbeln3,1514.000Scatec Solar
    14Solarpark Meerane I+II2,79Wattner
    15Dachanlage Glauchau, LKR Zwickau2,4733.363Colexon Energy AG
    16Solarpark Fraureuth, Nähe Zwickau2,4210.500
    (auf 479 Movern)
    17Solarpark Freiberg1,80SunStrom
    18Dachanlage Frohburg1,6510.050meridian Neue Energien GmbH
    19Solarpark Frohburg1,61EPURON GmbH, SunTechnics (jetzt Conergy)
    20Dachanlage Rüsseina1,43Pohlen Solar
    21Dachanlage Cunnersdorf1,407.644meridian Neue Energien GmbH
    22Solarpark Deponie Wittgensdorf, Chemnitz1,135.500Elicon (Stadtwerke Chemnitz AG)
    23Solarpark Wilkau-Hasslau1,10Wattner
    24Dachanlage ASR, Chemnitz1,05SunStrom
    25Solarpark Penig0,88116 Mover

    Solarparks in Sachsen-Anhalt

    Größter Solarpark in Sachsen-Anhalt ist auf dem ehemaligen Militärflughafen in Köthen von der Firma RGE Energy auf einer Fläche von 116 ha errichtet worden. Seit 2008 ist der Solarpark kontinuierlich erweitert worden und zählt heute mit 205.000 Solarmodulen zum 8. größten Solarpark in ganz Deutschland. Das 133 Mio. Euro teure Projekt produziert jährlich 42 Gigawatt Strom und kann damit 14.000 Haushalte (2 Personen á 3.000 KWh Jahresverbrauch) versorgen.

    Nr.Name/OrtLeistung
    (MWp)
    Anzahl
    Module
    General-
    Unternehmer
    1Solarpark Flugplatz Köthen, Nähe Dessau45,00205.000Juwi Solar GmbH
    2Solarpark Stedten, ehem. Tagebau Etzdorf“, Nähe Halle9,1040.000Q-Cells International
    3Solarpark Gerwisch, Nähe Magdeburg8,63120.000Pegasus Energietechnik AG
    4Solarpark Rödgen, Bitterfeld-Wolfen7,0048.780Klaron
    5Solarpark Jessen4,00Beck Energy GmbH
    6Solarpark Geiseltalsee, Nähe Merseburg4,0024.864
    7Solarpark Halberstadt3,8050.600Juwi Solar GmbH
    8Solarpark Zahna, LKR Jessen, Nähe Wittenberg3,4039.000AC Energy GmbH & Co. KG
    9Solarpark Tagewerben2,1038.400Ralos Vertriebs GmbH
    10Dachanlage Möckern, LKR Jerichower Land1,99Colexon Energy AG
    11Solarpark Katharinenrieth1,87Wattner
    12Solarpark Droyßig1,70SolarTec AG
    13Dachanlage Schlanstedt1,619.000meridian Neue Energien GmbH
    14Dachanlage Rosefeld, LKR Köthen1,30
    15Dachanlage Beuna1,206.800meridian Neue Energien GmbH

    Sachsen-Anhalt galt auch lange Zeit als das Mekka der Solarenergie in Deutschland. Im s.g. Solar Valley, einem Industriegebiet der Stadt Bitterfeld-Wolfen, arbeiteten zu Hochzeiten über 3.000 Mitarbeiter an der Erforschung und Produktion von Solarzellen. Mit dem Unternehmen Q-Cells (heute: Hanwha Q-Cells) produzierte man ab 2001 die ersten Solarpanele in Deutschland. Wachsende Wettbewerbsdruck aus dem asiatischen Raum verschärfte jedoch zunehmend den Druck.

    Solarparks in Thüringen

    Entlang der A4 kann man in Thüringen viele Solaranlagen auf einer Freiflächenanlage erblicken. Gemeinsam mit allen weiteren Solarparks im Freistaat erzielt man sonnenreichsten Juni-Tag eine Spitzenleistung von knapp 35 MWp. Dies entspricht einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 31,5 Gigawatt (= Mio. kWh), womit sich 24.230 Erfurter Haushalte versorgen lassen (Quelle: Preisvergleich.de, 2015: Ø-Energieverbrauch der Stadt Erfurt mit 1.368 kWh).

    Nr.Name/OrtLeistung
    (MWp)
    Anzahl
    Module
    General-
    Unternehmer
    1Solarpark Eckolstädt, Nähe Apolda8,82117.600Beck Energy GmbH
    2Solarpark Ronneburg I, Ronneburg4,5050.000
    3Dachanlage Geflügelhof Waldeck3,0441.880Colexon Energy AG
    4Dachanlage Kloster Veßra2,0711.800meridian Neue Energien GmbH
    5Solarpark Erfurt-Linderbach, Güterverkehrszentrum2,0121.898SunStrom
    6Dachanlage Pfersdorf1,986.500meridian Neue Energien GmbH
    7Solarpark Viernau I1,6214.100Solarpark Rodenäs GmbH
    8Solarpark Wiedersbach, LKR Hildburghausen1,5725.116IBC Solar AG
    9Dachanlage Saalburg-Ebersdorf1,49
    10Dachanlage Wandersleben, LKR Gotha1,42SBU Photovoltaik GmbH
    11Dachanlage Jüchsen1,333.335meridian Neue Energien GmbH
    12Dachanlage Gleicherwiesen1,18meridian Neue Energien GmbH
    13Solarpark Nordhausen1,01Wattner
    14Dachanlage Udestedt1,005.738meridian Neue Energien GmbH
    15Dachanlage Rüdersdorf1,005.738meridian Neue Energien GmbH

    Vorteile und Kosten der Solarenergie

    Der Klimawandel wird zunehmend zur größten Bedrohung unserer Zivilisation. Der jährliche CO2-Austoß in Deutschland von 905 Mio. Tonnen Kohlendioxid (2017) beschleunigt den Treibhauseffekt immer spürbarer. Die Verbrennung fossiler Energieträger trägt hierzu entscheidend bei, was die Vorteile der Solarenergie in das Blickfeld rückt. Sonnenenergie ist in unendlichem Maße vorhanden, dessen Nutzbarmachung ein gigantisches und kostenloses Energiereservoir bietet. Für die Herstellung von Modulen fallen zwar einmalige Investitionen an und auch diese produzieren Treibhausgase, stellen aber im Vergleich der langen Nutzungsdauer und geringer Wartungskosten die bessere Bilanz.

    Solarmodule. Foto: CC0Solarmodule. Foto: CC0

    Solarpanel. Foto: CC0

    Um die Kosten von Photovoltaikanlagen zu bemessen, müssen die Anschaffungskosten, die Betriebskosten und die Lebensdauer im Verhältnis zum produzierten Strom miteinander aufgewogen werden. Die maschinelle Herstellung mit modernen Schlauchhebern und Robotern senkt die Kosten für ein 1 kWp Modul seit 2006 um 75 %. Die Betriebskosten einer PV-Anlage beziffern sich auf ca. 1 % der gesamten Investitionskosten und sind damit vergleichsweise gering. Die Stromentstehungskosten für 1 Kilowattstunde (kWh) Solarenergie liegen 2018 bei rund 4,75 Cent. Zum Vergleich, 1 kWh Kernenergie kostet 4,8 Cent und eine 1 kWh aus Braunkohle 5,5 Cent (2015).

    Erneuerbare Energieträger haben das Potenzial, unsere Zivilisation nachträglich zu beeinflussen und uns von der schwindenden Abhängigkeit fossiler Träger zu befreien. Die positive Preisentwicklung sowie die steigende Effektivität von Solar-, Wind- und Wasserkraftwerken können mit einem konsequenten politischen Willen den Strukturwandel abfangen und die Energiefragen der Zukunft lösen.

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