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Rassismus, Neonazismus und rechte Gewalt im Landkreis Leipzig: Dokumentationsprojekt chronik.LE veröffentlicht Bericht zur Situation 2017 im Landkreis Leipzig

Das Dokumentationsprojekt chronik.LE des Vereins Engagierte Wissenschaft e.V. hat im vergangenen Jahr mit Unterstützung der Lokalen Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Leipzig ein Projekt mit dem Titel „Rassismus, Neonazismus und rechte Gewalt im Landkreis Leipzig“ durchgeführt. Dazu wurde jetzt ein 36-seitiger Abschlussbericht veröffentlicht.

„Insgesamt haben wir im Jahr 2017 im Landkreis Leipzig 53 rechte Ereignisse dokumentiert“, sagt chronik.LE-Sprecher Steven Hummel. 2016 waren es noch 86 solcher Vorfälle. „Der Rückgang ist vor allem durch weniger rassistische Mobilisierungen in Form von Demonstrationen und Kundgebungen auf der Straße zu erklären. Von einer Entspannung ist aber dennoch nicht zu sprechen. Das zeigen gerade die jüngsten Vorfälle in Wurzen – der Angriff auf Geflüchtete am 12. Januar und das Auftreten von bewaffneten und vermummten Neonazis im Umfeld einer antifaschistischen Kundgebung am 20. Januar.“

Regionale Schwerpunkte rechter Ereignisse im Landkreis sind weiterhin die Städte Grimma und Wurzen, in denen 14 bzw. 11 Vorfälle registriert wurden. Einen deutlichen Rückgang gab es in Borna: Wurden hier 2016 noch 20 Vorfälle dokumentiert, waren es 2017 nur noch fünf. Darunter war allerdings ein Angriff mit Steinen auf die Räumlichkeiten des Vereins Bon Courage, der sich u.a. für Geflüchtete engagiert. Einen ähnlichen Vorfall hatte es bereits 2016 gegeben. Mutmaßliche Neonazis gehen offensichtlich immer wieder gezielt und heftig gegen engagierte Initiativen vor.

Die Bandbreite der dokumentierten Ereignisse reicht dabei von Hakenkreuzschmierereien über rechte (Musik-)Veranstaltungen bis hin zu körperlichen Angriffen. Die Mehrheit der Ereignisse hat dabei einen den Nationalsozialimus verherrlichenden oder aber rassistischen Hintergrund (42 und 32%).

Im Bericht findet sich eine ausführliche Statistik zu den dokumentierten Ereignissen. Weiterhin beschäftigt sich der Bericht mit den Ergebnissen der Bundestagswahl im Landkreis Leipzig, der Entwicklung der AfD und deren Abspaltung „Die Blaue Partei“ sowie Beschreibungen zur Situation in Borna, Wurzen und Grimma.

„Glücklicherweise gibt es in vielen Orten im Landkreis eine engagierte Zivilgesellschaft. Diese setzen sich tagtäglich für ein lebenswertes und demokratisches Miteinander ein.“ Hummel weiter: „Wir wollen mit unserem Bericht eine Grundlage für eine tiefergehende Auseinandersetzung mit Neonazismus, Rassismus und Demokratiefeindlichkeit im Landkreis Leipzig bieten. Denn diese Tendenzen stehen den Bestrebungen vieler Engagierter entgegen.“

chronik.LE ist ein ehrenamtliches Projekt des Vereins Engagierte Wissenschaft e.V. Auf der Website www.chronikle.org werden seit 2008 faschistische, rassistische und diskriminierende Ereignisse und Aktivitäten in der Stadt Leipzig sowie den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen dokumentiert.

Das Projekt „Rassismus, Neonazismus und rechte Gewalt im Landkreis Leipzig“ wurde 2017 im Rahmen der Lokalen Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Leipzig durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, den Landespräventionsrat Sachsen und den Landkreis Leipzig gefördert. Die Maßnahme wurde mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenenn Haushaltes. Die Veröffentlichungen stellen keine Meinungsäußerung des BMFSFJ bzw. des BAFzA dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Autor_innen die Verantwortung.

Der Abschlussbericht 2017 zum Download
www.chronikle.org Abschlussbericht Leipzig 2017 PDF

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