Wie steht es um die Qualität der Arbeit aus Sicht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Sachsen? Um diese Frage zu beantworten hat sich Sachsen zum dritten Mal mit einer Zusatzstichprobe am „DGB-Index Gute Arbeit“ beteiligt. Es liegen repräsentative Befragungsergebnisse von 1.000 Beschäftigten aus Sachsen (Deutschland: 8.011) vor.

„Wir wollten wissen, wie sächsische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Ihre Arbeitsbedingungen bewerten. Gute Arbeitsbedingungen und gute Löhne werden immer entscheidender im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte aus dem In- und Ausland“, so Arbeitsminister Martin Dulig.

• Arbeitsbedingungen und Arbeitszufriedenheit in Sachsen: Sinngehalt hoch – Einkommenszufriedenheit niedrig

Die allgemeine Arbeitsqualität wird durch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Sachsen erneut deutlich kritischer bewertet als in Deutschland insgesamt und auch in Ostdeutschland: 30 Prozent der sächsischen Beschäftigten bewerten ihre Arbeitsqualität als „schlecht“ (gegenüber Deutschland: 19 Prozent und Ostdeutschland: 25 Prozent).

Der Sinngehalt der eigenen Arbeit stellt eine gut bewertete Ressource dar, die in Sachsen (und insgesamt in Ostdeutschland) etwas besser eingeschätzt wird als im Schnitt Deutschlands. Stark ausgeprägt ist insbesondere das Gefühl, mit der eigenen Arbeit einen wichtigen Beitrag für den Betrieb und (in etwas geringerem Maße) für die Gesellschaft zu leisten. Ebenfalls hoch ist die Identifikation mit der beruflichen Tätigkeit.

Die Beurteilung der Arbeitszeitlage, vor zwei Jahren noch ausschlaggebender Punkt für die Unzufriedenheit, hat sich verbessert. Die Hauptursache für die Verschlechterung liegt im Teilindex „Einkommen und Sicherheit“.

Hier ist eine Auseinanderentwicklung zwischen Ost- und Westdeutschland zu beobachten, die in Sachsen mit einem deutlichen Rückgang der Bewertungen einhergeht. Besonders Beschäftigte mit berufsfachlicher Qualifizierung (Facharbeiter und Angestellte) schätzen ihre Arbeitsqualität in Sachsen niedriger ein als im bundesweiten Vergleich.

Martin Dulig: „Wertschätzung von Arbeit drückt sich auch in ihrem Wert aus. Deshalb gehört zu Guter Arbeit auch gutes Geld. Es ist in erster Linie Aufgabe der Unternehmen, für gute Löhne zu sorgen. Die Politik kann die Rahmenbedingungen gestalten, so wie wir mit unserem Bonus in der Wirtschaftsförderung für Unternehmen, die nach Tarif zahlen. Wir wollen außer-dem eine Ausweitung von Tariftreuebonus-Regelungen und endlich ein Vergabegesetz für den Freistaat, dass auch soziale Aspekte berücksichtigt.“

Sachsens DGB-Vorsitzender Markus Schlimbach: „Die Ansprüche an Arbeit haben sich in den zurückliegenden Jahren grundlegend geändert. Heute heißt es längst nicht mehr „Hauptsache Arbeit“. Darauf haben viele Unternehmen in Sachsen leider noch nicht reagiert. Wertschätzung von Arbeit heißt eben auch gute Bezahlung, gute Arbeitsbedingungen, Gesundheitsförderung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Da muss in Sachsen in den nächsten Jahren mit Unterstützung der Politik noch mehr geschehen.“

Weitere prägnante Ergebnisse der Befragung:

• Belastungen bei interaktiver Arbeit

In Sachsen geben 67 Prozent an, sehr häufig oder oft direkten Kontakt zu Betriebsexternen wie Kunden, Patienten oder Schülern zu haben (Deutschland 63 Prozent). Dabei treten, anders als bei sonstiger Arbeit, spezifische Belastungen auf. Etwa durch den Anspruch, die eigenen Emotionen kontrollieren zu müssen, auch wenn Kunden, Patienten oder Schüler durch ihre Wünsche und Bedürfnisse die Arbeit schwer planbar machen.

Stress entsteht in der Interaktionsarbeit am häufigsten durch Zeit- oder Personalmangel, insbesondere wenn dadurch Bedürfnisse von abhängigen oder hilflosen Personen nicht erfüllt werden können. In Sachsen berichten besonders Beschäftigte in personenbezogenen Dienstleistungsberufen von psychisch belastenden Erlebnissen. Gleichzeitig erhalten sie seltener als in anderen Regionen Unterstützungsangebote vom Arbeitgeber, um negative Erlebnisse besser verkraften zu können.

• Körperliche Belastungen

Von körperlich schwerer Arbeit sind Beschäftigte in Sachsen mit 39 Prozent aller Befragten deutlich häufiger betroffen als in Ost- oder Westdeutschland. Neben schwerer Arbeit sind auch ungünstige Körperhaltungen verbreitet, 59 Prozent der Befragten Sachsen arbeiten häufig im Stehen, gebückt oder vor-geneigt.

• Folgen der Arbeitsqualität

Trotz vermehrt angegebenen Belastungen schätzt die Mehrheit der befragten sächsischen Beschäftigten ihren gegenwärtigen Gesundheitszustand als sehr gut oder gut ein (65 Prozent). Das entspricht weitestgehend dem deutschlandweiten Vergleich (66 Prozent). Dennoch liegt auch der Anteil mit weniger guter bzw. schlechter Gesundheitsverfassung bereits ab etwa 40 Jahren deutlich über zehn Prozent.

Zudem geht über die Hälfte der Befragten in Sachsen (58 Prozent) davon aus, dass sich ihr Gesundheitszustand aufgrund veränderter Arbeitsbedingungen verbessern würde (Deutschland 57 Prozent).

Die Ergebnisse des „DGB-Index Gute Arbeit“ für 2018 können unter https://www.arbeit.sachsen.de/11580.html abgerufen werden.

Hintergrund

Der DGB-Index „Gute Arbeit“ ist eine repräsentative Befragung von Beschäftigten aller Branchen, die der DGB einmal jährlich durchführen lässt. Im Frühjahr 2018 wurden anhand eines Fragebogens mündliche Befragungen durchgeführt. Für Sachsen liegen von 1.000 Beschäftigten verwertbare Befragungsergebnisse vor. Diese stehen stellvertretend für die Grundgesamtheit der Arbeitnehmer und Beamten am Arbeitsort Sachsen, ohne Freiberufler und Selbstständige.

Der Gesamtindex Gute Arbeit setzt sich aus drei Teilindizes zusammen: Ressourcen (z.B. Einfluss- und Weiterbildungsmöglichkeiten), Belastungen (z.B. durch körperliche und psychische Anforderungen) sowie Einkommen und Sicherheit (einschließlich der Bewertung des erwarteten Rentenniveaus). Die Teilindizes basieren auf insgesamt 42 Einzelmerkmalen der Arbeitsqualität.

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