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Umbau der Könneritzstraße: Grüne fordern breite Bürgerbeteiligung und Berücksichtigung aller Verkehrsteilnehmer

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    Im elektronischen Zeitalter ist Leipzigs Stadtverwaltung noch nicht wirklich angekommen. Das merken die Leipziger meistens dann, wenn es um wichtige Informationen und Einladungen geht. Die Einladung zum öffentlichen Workshop zur Planung für den Neubau der Könneritzstraße im Januar gab sie per Amtsblatt bekannt. Entsprechend spärlich waren dann auch die Reaktionen auf das vorgestellte Projekt.

    Und entsprechend spät kommen jetzt die Stadtratsfraktionen zu Potte, das Vorgestellte irgendwie zu werten.

    Michael Schmidt, Stadtrat und familienpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, meldet sich jetzt zu Wort und weiß zu berichten: „Die Informationen der Bauträger bei der Veranstaltung fanden einen großes Interesse und brachte in der anschließenden Diskussion eine Vielzahl von Anregungen mit sich, welche die Planer der Stadtverwaltung, von LVB und KWL aus meiner Sicht sehr interessiert und offen aufnahmen. Der Prozess der Bürgerbeteiligung und die inhaltliche Diskussion wurde dann mit der Bildung einer Arbeitsgruppe, die aus Vertretern des Stadtbezirksbeirates, der anliegenden Händlerschaft, des Bürgervereins, der IHK und von Anwohnenden besteht und bislang einmal tagte, fortgesetzt.“

    Zu Recht meldeten sich aber inzwischen auch Leipziger Interessenverbände, die diese willkürliche Verengung auf den Ortsteil kritisieren. Immerhin hatte die Verwaltung ja gerade erst in Probstheida erfahren, dass man auch den Verkehr im Ortsteil nicht ohne seine überregionale Einbindung denken kann. Und die Könneritzstraße ist eine Magistrale, die für den überörtlichen Verkehr unbedingt wichtig ist. Aber man verfiel – wie schon 2008 – wieder ins ortsteilbezogene Kleinklein. Entsprechend fehlen in den Plänen wichtige Lösungen.
    Dr. Christoph Waack, Vorsitzender des ADFC, erklärte dazu zum Beispiel: „Es ist richtig, dass die Gehwege in der Könneritzstraße in ihrer heutigen Breite erhalten werden. Im Gegenzug müssen sich Rad-, Straßenbahn- und Kfz-Verkehr besser miteinander arrangieren. Schutzstreifen erhöhen die Erkennbarkeit und damit die Sicherheit des Radverkehrs im Straßenraum und sind eine gute Lösung für die Könneritzstraße.“ Die Nebenstraßen seien planerisch noch mit überdimensionierten Zufahrten versehen, so dass die Sicherheit des Fuß- und Radverkehrs gefährdet sei. Besonders problematisch sei die Einbindung der Schnorrstraße gestaltet. Eine rechtwinklige Zufahrt durch eine Gestaltung mit Gehwegnasen würde die Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger erhöhen.

    „Perspektivisch wird die Schnorrstraße sicherlich wieder in eine Wohngebietsstraße überführt. Der ADFC plädiert deshalb dafür, bereits jetzt die baulichen Voraussetzungen dafür zu schaffen“, meint Dr. Christoph Waack. Doch auch die Planung der Kreuzung Industriestraße betrachtet er kritisch. Die östliche Industriestraße sei eine durchlässige Sackgasse in Richtung Auwald, welche im Radverkehrsentwicklungsplan als „Prüfauftrag Fahrradstraße“ versehen sei. Das hätte man jetzt also in die Planungen zwingend aufnehmen müssen, weil das Auswirkungen für die Kreuzung Industriestraße / Könneritzstraße hat. Aber: Die Planung berücksichtigt die mögliche Umwidmung nicht.“Der Verwaltung ist zum jetzigen Zeitpunkt kein großer Vorwurf zu machen, allerdings sollte sie bemüht sein, weiterhin alle Anregungen intensiv zu prüfen und in die Planungen einfließen zu lassen und auch Interessenvertretern, welche bislang noch nicht oder nicht ausreichend am Verfahren beteiligt sind, dies aber zu Recht einfordern, angemessen einzubeziehen“, erklärt denn Grünen-Stadtrat Michael Schmidt zu diesem Thema, das im Grunde eine echte Unterlassung ist. In der Vergangenheit hatte die Verwaltung eigentlich gelernt, Verbände wie den ADFC frühzeitig in solche Bauprojekte einzubeziehen. Mit der Ortsteilveranstaltung im Januar aber ist man wieder in alte Verhaltensmuster zurückgefallen.

    „Die Beteiligung der Umweltverbände und des ADFC scheint an diesem Punkt nicht genügend erfolgt zu sein und sollte daher schnellstens nachgeholt werden, um letztlich ein Ergebnis zu erzielen, welches breite Akzeptanz erhält und möglichst alle Erwartungen berücksichtigt“, formuliert Schmidt seine Kritik noch ganz zurückhaltend. „Auch wir Bündnisgrünen, die wir uns seit Jahren für die Sanierung der Könneritzstraße eingesetzt haben, wünschen uns Modifizierungen der derzeitigen Planung.“

    Womit man beim nächsten Lapsus wäre: Die viel zu späte Einbindung der Stadträte, die am Ende das Geld für diese Maßnahme freigeben müssen. Sie haben ein Recht darauf, frühzeitig zu erfahren, ob so ein Projekt nachhaltig gedacht ist oder wieder einmal nur „schnell! schnell!“ durchgewunken werden soll.

    Die Grünen fordern zum Beispiel eine sichere Querungshilfe der Könneritzstraße nördlich statt südlich der Schnorrstraße, eine weitere Querungshilfe in Höhe Holbeinstraße und die fahrradfreundliche Umgestaltung der stadtauswärtigen Haltestelle Holbeinstraße.

    Außerdem fordern die Grünen eine Entschärfung der Kurve Klingerweg, dem zweiten Knotenpunkt, an dem sich der Kfz- und der Radverkehr beim Übergang zum Clara-Zetkin-Park auf dichtem Raum überschneiden. Und sie fordern eine Überprüfung des dritten Bauabschnittes, also des Neubaus der dann barrierefreien Haltestelle Stieglitzstraße.

    „Dabei sollte versucht werden, den Durchgangsverkehr zwischen Schnorrstraße und Industriestraße längstmöglich zu erhalten, um die Verkehrseinschränkungen zu minimieren und den Anlieferverkehr für Gewerbetreibende zu ermöglichen sowie im Vorfeld der zwangsweise folgenden Umleitungsmaßnahmen die katastrophale Straßensituation in der Holbeinstraße zu verbessern“, erklärt Michael Schmidt. „Die momentan in der Diskussion befindliche Befahrung des westlichen Auwaldes über den Nonnenweg während des letzten Bauabschnittes in den Sommerferien 2016 lehnen wir strikt ab und fordern die intensive Suche nach Alternativen. Einerseits lässt sich dies aus unserer Sicht in keinster Weise mit dem Naturschutz in Einklang bringen, andererseits ist gerade diese Tangente in den Sommermonaten von Radfahrern, Skatern, Kindern und Familien mit Kinderwagen hochfrequentiert. Motorisierte Fahrzeuge jeglicher Art sind hier fehl am Platz!“

    Die Planungen sind auf der Website der Stadt Leipzig öffentlich einsehbar: www.leipzig.de/umwelt-und-verkehr/unterwegs-in-leipzig/koenneritzstrasse/

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