2 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Warum die Beethovenstraße von Kraftfahrern überhaupt nicht als Fahrradstraße erkannt wird

Mehr zum Thema

Mehr

    Am 17. September schrieb uns Alexander Bohne einen Leserbrief, in dem er auf die noch immer bestehenden Probleme in der im Juli zur Fahrradstraße erklärten Beethovenstraße einging. Vor allem ein Unfall eines Kleintransporters mit einer Radfahrerin machte ihn besorgt. Denn augenscheinlich bekommen viele Kraftfahrer gar nicht mit, dass die Straße eine Fahrradstraße ist. Ein Thema, das ja auch Lucy und Pierre mit ihren großen Piktogrammen auf der Straße schon thematisiert haben.

    Zum Verkehrsunfall am 17. September hatte die Polizei gemeldet:

    Fehler beim Wenden

    Ort: Leipzig (Zentrum-Süd), Beethovenstraße, Zeit: 17.09.2019, gegen 07:30 Uhr
    Als der Fahrer eines Transporter Mercedes Vito auf der Kreuzung Beethovenstraße/Wilhelm-Seyfferth-Straße wendete, übersah er vermutlich eine vorbeifahrende Radfahrerin und stieß mit ihr zusammen. Beim Sturz wurde die 32-jährige Radfahrerin verletzt und musste im Krankenhaus ambulant behandelt werden.

    Der Leserbrief:

    Hallo liebe Redaktion, Hallo Herr Julke,

    mit Interesse habe ich Ihre Artikel bezüglich der neuen Fahrradstraßen in Leipzig verfolgt und war selbst als PKW- und Radfahrer sowie Anwohner auf die Einführung gespannt. Vielleicht interessiert Sie ja eine kleine Rückmeldung nach nunmehr einigen Wochen Fahrradstraße/Beethovenstraße. Nach der ersten Freude über die Einführung, ist mir sehr früh aufgefallen, dass die meisten Kraftfahrer scheinbar gar nicht wussten, dass hier mittlerweile eine Fahrradstraße entstanden ist. Dieses kleine Schild am Eingang der Straße wird offenbar gar nicht richtig wahrgenommen. Es wurde und wird geschimpft, gehupt und gerast.

    Die vielen, nach wie vor durchfahrenden Touristen- und Reisebusse stellen eine übrige Gefahr dar. Eine wirkungsvolle Kennzeichnung, wie sie in anderen Städten zum Teil erfolgreich angewandt wird, fehlt nach wie vor. Eine Rückfrage dazu bei der Stadtverwaltung blieb bis jetzt unbeantwortet. Der Höhepunkt war ein heutiger Verkehrsunfall, bei dem eine Radfahrerin durch einen Kleintransporter übersehen und verletzt wurde. Hier fehlt mir meiner Meinung nach ein solides Konzept seitens der Stadt, wie man die Radfahrer entsprechend schützen und ein sicheres Befahren ermöglichen kann.

    Na ja, vielleicht sieht es ja in ein paar Monaten schon anders aus.
    Mit freundlichen Grüßen

    A. Bohne

    ***

    Wer von der Karl-Tauchnitz-Straße an die Beethovenstraße kommt, wo ja die meisten Radfahrer, Pkw, Lkw und auch Busse einfahren, sieht schon auf den ersten Blick, dass die Hinweise auf die Fahrradstraße nicht wahrgenommen werden können. Das Foto sagt eigentlich alles. Das Schild „Fahrradstraße“ ist hinter den Blättern des Straßenbaums verborgen. Bevor es der Kraftfahrer überhaupt sehen kann, ist er schon längst in die Beethovenstraße eingefahren. Und wahrscheinlich sieht er es auch dann nicht mehr, weil es einfach an ihm vorbeihuscht.

    Erst im letzten Moment taucht das Schild "Fahrradstraße" hinter den Blättern des Baumes auf. Dafür sieht man groß auf dem Asphalt "Tempo 30". Foto: Ralf Julke
    Erst im letzten Moment taucht das Schild „Fahrradstraße“ hinter den Blättern des Baumes auf. Dafür sieht man groß auf dem Asphalt „Tempo 30“. Foto: Ralf Julke

    Das einzige, was ihm ins Auge fallen wird, ist die (alte) Fahrbahnmarkierung „Tempo 30“. Die gilt immer noch. Sie gehört sozusagen zum Gewohnheitsrepertoire der hier entlang Fahrenden. Sie merken nicht, dass sich irgendetwas geändert hat.

    Ein weiteres großes Problem ist, dass die Durchfahrt für Lkw frei ist. Das entsprechende Schild findet man an der Karl-Tauchnitz-Straße direkt am Kreisverkehr. Lkw-Fahrer sehen also frühzeitig, dass die Einfahrt in die Beethovenstraße für Lkw ab 3,5 Tonnen zwar verboten ist. Aber nur nachts – von 22 bis 6 Uhr. Tagsüber – gerade dann, wenn auch die Fahrradfahrer unterwegs sind – dürfen also Lkw aller Größenklassen in die Fahrradstraße einfahren. Und da auch sie das von Blättern verdeckte Schuld „Fahrradstraße“ meist übersehen dürften, ist eigentlich verständlich, warum es nach wie vor zu Konflikten in der Straße kommt und Radfahrer ganz und gar nicht das Gefühl haben, dass sie hier Vorrang haben.

    Lucy und Pierre malen, was für die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer fehlt

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache: Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

    Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen.

    Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Erreichung einer nicht-prekären Situation unserer Arbeit zu unterstützen. Und weitere Bekannte und Freunde anzusprechen, es ebenfalls zu tun. Denn eigentlich wollen wir keine „Paywall“, bemühen uns also im Interesse aller, diese zu vermeiden (wieder abzustellen). Auch für diejenigen, die sich einen Beitrag zu unserer Arbeit nicht leisten können und dennoch mehr als Fakenews und Nachrichten-Fastfood über Leipzig und Sachsen im Netz erhalten sollten.

    Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 500 Abonnenten.

    Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“

     

    Topthemen

    2 KOMMENTARE

    1. Ich kann J nur beipflichten. Wenn es Radwege gibt, werden sie gerne als Abstellfläche für Baumaterialien, Verkehrsleiteinrichtungen oder als Bushaltestelle (Hotel Brandenburger Straße!) etc. genutzt, sind viel zu schmal oder Radfahrer muss sich einen Weg mit Fußgängern teilen, während daneben die Autos 4spurig vorbeirasen…

    2. Fahrradstraßen in Leipzig sind in der Regel keine, sie heißen nur so. Auch die Fahrradstraßen in der Innenstadt, gerade an der Thomaskirche, sind eher ein großer Busparkplatz und teilweise auch Abstellplatz für irgendwelche Baustellen. Es ist ein Wunder, dass es dort noch keine Unfälle gab, denn die Busfahrer sind oft ortsunkundig und wuchten ihre riesigen Fahrzeuge derart hin und her, dass es einem Angst und Bange wird.

      Als langjähriger Radfahrer in Leipzig überrascht mich das alles aber auch nicht, die Stadt agiert schon immer so, dass man den Eindruck hat, man möchte, dass die Leute wenig radfahren oder dass die wenigen radfahrenden Bürger möglichst schnell überfahren werden als abschreckendes Beispiel. Ich habe schon so viele gefährliche Verkehrssituationen gesehen (durch Baustellen, Umleitungen, Sperrungen, schlechte Planung…), ich habe auf dem Rad schon oft das Gefühl, der Radverkehrsbeauftragte möchte Radler nicht fördern, sondern trachtet ihnen nach dem Leben.

    - Werbung -

    Aktuell auf LZ