Der flotte Gang der Schnecke

Grüne fragen zum sechsten Mal nach, wo die städtischen Pläne für die Markthalle bleiben

Für alle LeserEs passt schon: Der Migrantenbeirat beantragt ein Gremium, das sich darum kümmern soll, ob die Verwaltung die Beschlüsse des Stadtrates auch umsetzt. Und die Grünen-Fraktion startet den nächsten Vorstoß zur längst beschlossenen Markthalle. Seit Jahren vertröstet die Verwaltung. Aber im September ging ja auf einmal alles ganz schnell. Leipzig erhielt den Zuschlag für das „Forum Recht“ und hatte auch gleich das Baugrundstück dafür direkt am Wilhelm-Leuschner-Platz. Logisch, dass die Grünen jetzt ein paar Fragen haben.

„Inzwischen nunmehr fünfmal hat der Stadtrat den Auftrag an die Stadtverwaltung erlassen und immer wieder bestätigt, eine Frischmarkthalle zu realisieren. Es erfolgte bereits eine erfolgreiche Ausschreibung zum Markthallengrundstück, die bis heute nicht in einen Kaufvertrag mündete“, stellt die Grünen-Fraktion lakonisch fest. Das alte Markthallengrundstück befindet sich noch immer in städtischer Hand, auch wenn mittlerweile die verschiedensten Nutzungsvorschläge aus der Verwaltung zu hören waren.

Im November erklärte Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau dann im Stadtrat, dass sich die Stadt durchaus vorstellen könnte, auf dem Grundstück das dringend benötigte neue Technische Rathaus zu bauen. Die Markthalle könnte man ja im Erdgeschoss integrieren.

„Mit dem Beschluss der Leitlinien war der Auftrag klar. Die Umsetzung mit der Erarbeitung des Bebauungsplanes wurde allerdings von der Verwaltung ausgesessen, was zu immer neuen Verzögerungen führte und führt. Ob aus falsch verstandenem Arbeitsauftrag oder vorsätzlich, ist unklar“, kritisieren die Grünen. Dubrau hat den Bebauungsplan jetzt mit Jahren Verspätung für das Frühjahr 2020 angekündigt.

„So wurde die zunächst nur als Einzelbau vorgesehene Markthalle auf einmal mehrgeschossig, um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Inzwischen werden aber offenbar immer wieder neue Nutzungen seitens der Verwaltung geplant. Von einer darübergelegenen Verwaltungsnutzung oder der Realisierung weiterer Unterbringung von Museen, aktuell der Musikschule, eines musikalisch orientierten Gymnasiums oder der Volkshochschule ist derzeit wohl die Rede“, zählen die Grünen alle derzeit durch den Raum wabernden Schnapsideen auf.

„Damit kein Ende. Das Projekt bietet noch weiteres Potenzial. Neben diesen Nutzungen könnte die Stadtverwaltung auch über die Realisierung des längst überfälligen Sportmuseums mit angrenzender Aktionsfläche in den Zwischenräumen und im Zulieferbereich der Markthalle nachdenken. Wenn die ohne weiteres mögliche umfängliche Vertiefung des und der umliegenden Grundstücke realisiert würde, wäre auch die Großsporthalle ohne weiteres mit unterzubringen. Eine direkte Anbindung an den dann nebenliegenden City-Tunnel würde alle Andienungsprobleme lösen.

Auch fordern die 5-Sterne-Hotels in der Innenstadt schon lange einen Hubschrauberlandeplatz, der problemlos auf dem Dach zu realisieren wäre. Die von einigen (wie in Dubai’s Marina) erträumte Seilbahn könnte die Gäste dann direkt zum Hotel bringen und hätte einen wirklichen touristischen Mehrwert.“

Der leichte sarkastische Unterton ist unüberhörbar.

Immerhin hatte ja vor einem Jahr schon der FDP-Stadtrat René Hobusch kess gefragt, ob die Grünen denn die Markthalle gar nicht mehr haben wollten?

Aber sie wollen schon. Und wenn Leipzig auch noch die Agrarwende schafft, wird eine funktionierende Markthalle Gold wert sein.

Aber an die Baubürgermeisterin haben die Grünen jetzt eigentlich nur zwei Fragen, die sie in der Ratsversammlung am 22. Januar beantwortet haben möchten: „Beabsichtigt der OBM immer noch die bereits fünfmal vom Stadtrat beauftragte und immer wieder bestätigte Markthalle zu realisieren und wann wird das endlich sein?“

Der Bebauungsplan für den Wilhelm-Leuschner-Platz kommt jetzt endlich im Frühjahr 2020

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