„RB-Chef Mintzlaff: ,Klub-Entwicklung darf nicht auf Altar des Wahlkampfes geopfert werden‘“, polterte die LVZ am 20. Februar und schrieb damit ihre Geschichte vom 15. Januar fort, die auch schon nicht stimmte: „RB-Geschäftsstelle und Parkhaus kommen auf den Stadionvorplatz“. Und nun am 27. Februar, nachdem die LVZ noch ein paar mal versucht hat, einen „Streit zwischen RB Leipzig und der Stadt“ (21. Februar) zu konstruieren, ruderte das Blatt in einem recht flapsigen Kommentar zurück: „Eine Schwalbe am Schwimmstadion“.

„Um mal in der Fußballersprache zu bleiben“, heißt es da: „Bei den jüngsten Beschwerden von RB-Boss Oliver Mintzlaff bezüglich des Areals vom früheren Schwimmstadion handelte es sich auch um eine Schwalbe. Es ist legitim, dass der Geschäftsführer versucht, das Gelände günstig von der Stadt zu kaufen. (…) Doch warum sollte das alles nicht auch mit einem Erbbaurecht über 99 Jahre möglich sein?“

Gute Frage. Genau das stand im Antrag, den die Grünen-Fraktion Anfang Februar zur Gestaltung am Sportforum, bei dem es bekanntlich um weit mehr als nur eine neue Geschäftsstelle für RB Leipzig geht, eingereicht hatte. Übrigens schon der dritte seit 2018, in dem die Fraktion die Planung für wichtige benötigte Einrichtungen der Stadt (u. a. eine Schule und das neue Sportmuseum) hier beantragte, nachdem der ursprüngliche Stadtratsbeschluss seit 2014 auf Eis gelegen hatte.

Aber Ende 2019 bekamen sie dann mit, dass die Stadt mit RB Leipzig über den Verkauf des Grundstückes am ehemaligen Schwimmstadion verhandelte – völlig ohne Auftrag des Stadtrats. Also schrieben die Grünen ziemlich eilig einen Antrag, in dem die komplette Nichtveräußerung des Grundstückes und stattdessen eine 99 Jahre währende Erbpacht-Überlassung an RB Leipzig beschlossen werden sollte. Den reichten sie im Januar ein. Und lösten daraufhin die Serie jener Artikel in der LVZ aus, in denen das Ansinnen der Grünen demontiert werden sollte.

Und ein anderer Mitspieler war auch noch im Boot: die CDU-Fraktion, die schon 2018 dazwischenfunkte, weil die Grünen sich gegen ein Parkhaus am Sportforum aussprachen. Die CDU-Fraktion war aber dafür, die Flächen mit Autos oberirdisch vollzustellen.

Aber mit dem neuen Antrag vom Januar schreckten die Grünen die Verwaltung auf, wo man bis dahin tatsächlich davon ausgegangen war, man könne ohne Rücksicht auf die Anliegen des Grünen-Antrags mit RB Leipzig verhandeln. Verhandlungen, die spätestens im Stadtrat zum Debakel geworden wären, wenn der Kaufvertrag keine Zustimmung gefunden hätte. Und das war sogar ziemlich sicher, denn längst ist im Rat klar: wertvolle Flächen werden nicht mehr einfach verkauft.

Denn dann können die neuen Eigentümer in den kommenden Jahrzehnten einfach weiterverkaufen, umwidmen oder statt mit der Stadt über irgendetwas verhandeln zu müssen, alles in einen Großparkplatz verwandeln – so sie denn wollen.

Auch wenn die CDU-Fraktion dann wieder vorpreschte und unbedingt den Verkauf beantragte, obwohl die Stadtratsmehrheit längst beschlossen hat, dass die Stadt solche wertvollen Flächen nicht mehr verkauft, sondern bestenfalls in Erbbaupacht vergibt. Das hat sie mit RB Leipzig auch schon am Cottaweg praktiziert. Das wäre also für den Fußballclub auch nichts Neues.

Aber augenscheinlich für die CDU, die das Thema gleich mal in ihren OBM-Wahlkampf für Sebastian Gemkow einbaute und vorm Stadion Karten mit der Unterstellung verteilte, nur Sebastian Gemkow würde die nötigen Parkdecks für die Champions-Leage-Spiele und die Fußball-EM 2024 bauen lassen.

Dabei lag seit Anfang Februar der nunmehr dritte Antrag der Grünen vor, der schon durch die Fülle seiner Antragspunkte zeigt, dass die Fraktion mit den Zuständigen in der Verwaltung ziemlich ausgiebig gesprochen hatte.

Und zum von RB Leipzig begehrten Grundstück am ehemaligen Schwimmstadion heißt es darin: „Das Grundstück des ehemaligen Schwimmstadions am Sportforum ist in Abhängigkeit inhaltlicher Ergebnisse eines unter Beschlusspunkt 3. zu erstellenden Masterplans im Wege des Erbbaurechts an RedBull und RB zu veräußern. Eine Veräußerung durch Verkauf der Fläche an RedBull und RB wird ausgeschlossen.“

Und trotzdem veröffentlichte die LVZ dann das, was sie so locker eine „Schwalbe“ nennt. Aber das ist nun einmal, wenn wir in der Fußballerwelt bleiben, ein vorgetäuschtes Foul und eine grobe Unsportlichkeit.

Dass ein aus dem Süden zurückkehrender Zugvogel gemeint sein könnte, drängt sich einem wirklich nicht auf. Und auch nicht – wie Wikipedia als Interpretation anbietet, „eine KGB-Agentin, die zum Zweck der Anwerbung eine Liebesbeziehung zu einer männlichen Zielperson anknüpft, siehe Romeo (Agent)“. Bleibt also nur noch die Wiktionary-Erklärung: „Fußball, Mannschaftssportart: ein vorgetäuschter gegnerischer Regelverstoß oder ein vorgetäuschtes gegnerisches Foul (im Fußball vornehmlich im Strafraum begangen)“.

Das heißt: Die LVZ hat ihren kostbaren Platz geopfert, damit „RB-Boss Oliver Mintzlaff“ ein kleines Foul vortäuschen konnte und sich dann alle Leser der Zeitung tagelang darüber aufregen konnten, wie unfair die Stadt oder gar der amtierende Oberbürgermeister Burkhard Jung spielt? Exemplarisch für die Wirkung dieser schon beinahe Verdummung zu nennende Strategie mitten in einem Oberbürgermeister-Wahlkampf darf man einen Facebook-User nennen, der daraufhin behauptete: „Wer RB Leipzig liebt, wählt CDU“.

Natürlich unwidersprochen von der CDU. Denn eben diesen Eindruck wollte man ja gemeinsam mit dieser einen Zeitung gemeinsam erwecken.

Wie LVZ und CDU dafür kämpfen, dass Leipzig ein wertvolles Grundstück am Sportforum unbedingt an RB Leipzig verkauft

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